Projekt 38185/01

Anti-Graffiti-Schutz von beschichteten und unbeschichteten Metalloberflächen im Außenbereich – eine Untersuchung aus Sicht der Konservierung-Restaurierung

Projektdurchführung

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Studiengang Konservierung und Restaurierung von
archäologischen, ethnologischen und kunsthand-
werklichen Objekten
Am Weißenhof 1
70191 Stuttgart



Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Restaurator*innen beschäftigen sich mit dem Erhalt von Kunst und Kulturgut, das sich sowohl in Museen oder Archiven befinden kann wie auch als Kunstwerk oder Denkmal im öffentlichen Raum. Letztgenannte sind in besonderem Maße einem Schadensbild ausgesetzt, der Beschädigung durch Graffiti. Die Sprühfarben oder Stifte können dabei originale Oberflächen angreifen und verändern, wodurch die Objekte in ihrer Wirkung gestört werden. Deshalb ist man um die Entfernung solcher Zutaten bemüht und unterschiedliche, auf dem Markt erhältliche Schutzsysteme sollen die Reinigung hierbei ermöglichen. Bisher hat die Forschung vor allem den Schutz von porösen Systemen in der Baudenkmalpflege, bspw. von Steinoberflächen, in den Fokus genommen; Schutzanstriche auf Metalloberflächen im Außenbereich hingegen haben bisher wenig Aufmerksamkeit erhalten. Diese Lücke möchte das Forschungsprojekt schließen und ein Verfahren zum Schutz von beschichteten und unbeschichteten Metalloberflächen im Außenbereich ermitteln, das, neben der Schutzwirkung der Anstriche und dem langfristigen Erhalt der Objekte, auch dem Anspruch des Erscheinungsbilds im Sinne der Denkmalpflege wie auch der Umweltverträglichkeit gerecht wird.

Ziel des Projektes ist es, Empfehlungen aus Sicht der Konservierung-Restaurierung für die Anwendung von bestehenden Graffiti-Schutz-Systemen auf beschichteten und unbeschichteten Metalloberflächen geben zu können. Maßnahmen der Aufbringung von Schutzschichten werden niemals Schmierereien verhindern, doch sollten diese möglichst objektschonend im Sinne des Denkmalschutzes zu entfernen sein, um Objekte, Menschen und Umwelt zu schonen. Für Objekte aus unbeschichteten Metallen bedeutet dies, dass Eloxierungen, Patinierungen, passivierende Korrosionen etc. nach der Entfernung von Graffiti erhalten bleiben sollten. Abrasive Methoden sind deshalb kritisch zu prüfen, aggressive Lösemittel können Korrosionen verursachen und sind zu hinterfragen. Bei beschichteten Metallobjekten ist die Herausforderung, einen Schutzüberzug aufzubringen, der sich mit dem vorhandenen Farbschichtpaket langfristig verträgt und die den optischen Gesamteindruck nicht verfälscht.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden

Das Projekt AGaMe wurde als eine Kombination aus Labor- und Feldforschung konzipiert und in drei Projektphasen unterteilt: Die Anfangsphase umfasste zunächst eine intensive Literaturrecherche. Ferner fand eine Auswahl verschiedener Fallbeispiele in Form von Kunstwerken im öffentlichen Raum/Kunst am Bau und Architekturoberflächen aus dem Zuständigkeitsbereich der Kooperationspartner*innen statt. Dies bildete die Grundlage dafür, Vereinbarungen mit den Eigentümer*innen sowie den zuständigen Behörden zu treffen, die technologische Untersuchung der Fallbeispiele durchzuführen und ein Prüfszenario zu entwerfen. Parallel wurde in einer zweiten Phase eine digitale Umfrage für den Fachkolleg*innenkreis aufgesetzt, um herauszufinden, wie häufig bereits mit Anti-Graffiti-Schutz in der konservatorisch-restauratorischen Praxis gearbeitet wird und welche Produkte dabei Anwendung finden.

In der dritten Phase, bei der es sich um die zeitlich aufwändigste handelte, wurden die Materialien und Größen der Probeplatten (Substrate) für die Außenbewitterung festgelegt, die Mockups hergestellt und das gesamte Vorgehen dokumentiert. Anschließend wurden die Prüfkörper auf einem Gestell unter freiem Himmel montiert und nach fünf Monaten mit verschiedenen Graffiti-Medien versehen. Nach weiteren sechs Monaten wurden die Platten demontiert und die Reinigungstests vorgenommen. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf umweltfreundliche Abnahmemethoden und -materialien gelegt. So wurde auch erstmalig das Weichpartikelstrahlen auf seine Anwendung auf (un-)beschichteten Metallen zur Graffiti-Abnahme getestet. Mit einer Gesamtbewertung der Reinigungsleistungen und -dokumentation sowie den Empfehlungen für die praktische Arbeit schließt die dritte Phase ab.


Ergebnisse und Diskussion

Nach Ablauf der gesamten knapp einjährigen Bewitterungszeit im Freien zeigte sich ein sehr inhomoge-nes Bild der 40 Testplatten. Alle AGS-Materialien veränderten das Erscheinungsbild der verschiedenen Substrate in Bezug auf die Farbtiefe, indem sie etwas dunkler/heller wurden und/oder die Oberflächen-textur rauer/glatter wurde. Diese Veränderungen nahmen während der gesamten Bewitterungszeit zu. Ferner zeigte sich eindeutig, dass das Entfernen von Graffiti von einer Schutzschicht stets einfacher ist als das Entfernen von Graffiti direkt von der Oberfläche der Substrate. Auf den Substraten ganz ohne Schutzschicht (oAGS) wurden die besten Reinigungsergebnisse mit R3 (G1, G3), R2 (G1, G2, G4) und R1 (G1, G4) erzielt.

Ergebnisse, bezogen auf die Substrate
Bei S1 und S3 konnte beobachtet werden, dass Graffiti-Materialien, insbesondere G3, sehr schnell in den Untergrund eindrangen. Dies deutet darauf hin, dass eine Schutz-schicht für diese Oberflächen sinnvoll ist. Die blanken Metalle S2 und S4 wiesen eine sehr glatte Oberfläche auf, was den Auftrag der AGS-Produkte erschwerte, insbesondere wenn mehr als eine Schicht erforderlich war. Vor allem die Haftung von AGS5, AGS6 und AGS7 stellte hier eine Herausforderung dar. Die Oberflächen wurden durch die Schutz-schichten etwas rauer, blieben aber glatt genug, um Graffiti leichter entfernen zu kön-nen. S5 war sowohl hinsichtlich der Schutzschicht als auch der Reinigung das schwierigste Substrat. Alle AGS-Materialien veränderten die Oberfläche in extremer Weise und in vielerlei Hinsicht, beispiels-weise durch Versiegelung der Probeplatten, Veränderung des Farbeindrucks und chemische Reaktion mit der Oberfläche. Alle aufgebrachten Schutzschichten beeinträchtigten den natürlichen Oxidations-prozess des Substratmaterials. Die Reinigungsmethode R2 hatte die schlechtesten Auswirkungen auf das Aussehen und die Beschaffenheit von S5, da sie die natürliche Oxidationsschicht komplett zerstör-te. Die besten Reinigungsergebnisse konnten auf der ungeschützten Testplatte (oAGS) mit R3 erzielt werden.

Ergebnisse, bezogen auf den AGS
Die Probeplatten mit den Wachsanstrichen (AGS2 und AGS4a + b) zeigten die besten Reinigungsergebnisse (R1 und R2) für die meisten Graffiti-Medien, während das Poly-saccharid (AGS1) keine besonders gute Leistung erbrachte. Mit R1 wurden auf AGS3 gute Reinigungsergebnisse erzielt. AGS5 veränderte das Aussehen der Oberfläche hin zu einer Verdunklung, AGS6 veränderte das Aussehen aller Untergründe durch Bildung einer milchigen Schicht. Außerdem haben die Reinigungstests an allen dauerhaften Schutzschichten (AGS5, AGS6, AGS7) deutlich gemacht, wie wichtig es ist, die Empfehlungen des Herstellers zu befolgen, d. h. die bereitgestellten Spezialreinigungsmittel (R4) zu verwenden. Diese erwiesen sich als die effektivste Reinigungsmethode.

Ergebnisse, bezogen auf die Graffiti-Medien
G1 und G2 konnten mit R1 und R2 größtenteils gut von den verschiedenen Oberflächen entfernt werden. Bei der Reinigung von G2 mit R3 entstanden häufig verschmierte Oberflächen. R3 und R4 erwiesen sich als die besten Methoden, um G3 von Oberflächen zu entfernen, auch wenn dort in der Regel ein Schatten zurückblieb. In allen Fällen war eine mechanische Einwirkung (z. B. Druck) erforderlich, um die Wachsstifte (G4) zu entfernen.

Ergebnisse, bezogen auf die Reinigungsmethode
In den Tests funktionierte R1 mehr oder weniger gut, erforderte jedoch höhere Temperaturen, um gute Reinigungsergebnisse zu erzielen. Trockeneisstrahlen (R2) ist eine in der Anwendung recht teure und körperlich anstrengende Methode, funktionierte jedoch gut bei den temporären AGS-Produkten. R3 erwies sich als eine angemessene Reinigungsmethode für alle getesteten Graffiti-Medien und die meisten AGS-Materialien, während sich R4 als die richtige Wahl für permanente AGS erwies. Es ist zudem wichtig zu erwähnen, dass keines der getesteten AGS-Systeme auf den präparierten Substraten exakt so funktionierte, wie in den Produktdatenblättern angegeben, und insbesondere, dass die AGS-Materialien nicht für alle vier geprüften Arten von Graffiti den gleichen Schutz boten.

Ergebnisse, bezogen auf Mensch und Umwelt
Aus konservatorischer Sicht ist die Beurteilung der Reversibilität der verwendeten Materialien ein entscheidender Punkt. Temporäre AGS lassen sich in der Regel leichter entfernen, während permanente Produkte weniger leicht zu entfernen sind. Die Bedeutung der Reversibilität bei der Erwägung solcher Behandlungen kann jedoch von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein. Manchmal kann es nachhaltiger sein, sich für einen dauerhaften Schutz zu entscheiden, da das Substrat geschützt werden kann, indem es weniger häufig vollständig entfernt wird.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Posterpräsentationen und Vorträge:

Posterpräsentation des Forschungsprojekts am Rundgang 2023, 21. – 23.07.2023, ABK Stuttgart.

Vorstellung des Forschungsprojekts am Festkolloquium Freude & Vielfalt: Aus der Arbeit von Objektrestaurator*innen anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Fördervereins Objektrestaurierung, 26.10.2023, ABK Stuttgart; Vortragstitel: Metal Matters – Graffitischutz für Metalle im Außenbereich (https://foerdervereinobjektrestaurierung.de/aktuelles/).

Posterpräsentation und Kurzvortrag: Materials Matter. Cold and Current Cases in the Conservation of the Modern, 08. – 10.11.2023, Die Neue Sammlung – The Design Museum Munich; Postertitel: Project AGaMe – Anti-graffiti protection of metal surfaces in outdoor areas (https://futuretalks.iventic.com/Media/2/230616_PROGRAM_080623.pdf).

Vortrag an der Tagung Dauerhaftigkeit, Denkmalpflege und Diskurse – Schutzüberzüge von Metalloberflächen im Außenbereich, 14. – 15.03.2024, ABK Stuttgart und Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg; Vortragstitel: Kunst als Verwaltungsfrage? Feldnotizen aus dem öffentlichen Raum zum Umgang mit Kunstwerken und ihren Zuständigkeiten.

Vorstellung des Forschungsprojekts 05.06.2024 im Institut für Konservierungswissenschaften der ABK Stuttgart, 50.06.2024; Vortragstitel: AGaMe – AntiGraffiti-Schutz auf (un-)beschichteten Metalloberflächen im Außenbereich.

Posterpräsenation und Kurzvortrag: From failure to success: innovative case studies in the conservation of the modern, 05. – 07.11.2025, Die Neue Sammlung – The Design Museum Munich; Postertitel: „Born to fail? – Challenges in innovative protection treatments for metal surfaces in public art and cultural heritage “
(https://www.die-neue-sammlung.de/wp-content/uploads/2025/11/FUTURE-TALKS-025_PROGRAM_11.11.2025.pdf).


Jahresberichte ABK:

Jahresbericht 2022/2023 der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Forschungsprojekte, AGaMe – Anti-Graffiti-Schutz auf (un-)beschichteten Metalloberflächen im Außenbereich – eine Untersuchung aus Sicht der Konservierung-Restaurierung S. 4
https://www.abk-stuttgart.de/wp-content/uploads/2024/11/abk_Jahresbericht_2022-23.pdf (letzter Zugriff am 15.01.2026).

Akademischer Jahresbericht 2023/2024 der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Forschungsprojekte, AGaMe – Anti-Graffiti-Schutz auf (un-)beschichteten Metalloberflächen im Außenbereich – eine Untersuchung aus Sicht der Konservierung-Restaurierung S. 57
https://www.abk-stuttgart.de/wp-content/uploads/2024/11/abk_Jahresbericht_2023-24.pdf (letzter Zugriff am 15.01.2026).

Jahresbericht. Identifikation und Sichtbarkeit 2024/2025 der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Forschungsprojekte, AGaMe – Anti-Graffiti-Schutz auf (un-)beschichteten Metalloberflächen im Außenbereich – eine Untersuchung aus Sicht der Konservierung-Restaurierung S. 54
https://www.abk-stuttgart.de/wp-content/uploads/2025/10/abk_Jahresbericht_2024_2025.pdf (letzter Zugriff am 15.01.2026).


Publikationen:

Funck, Andrea, Denise Madsack (2027): Born to fail? – Challenges in innovative protection treatments for metal surfaces in public art and cultural heritage, In: Bechthold, Tim (Hsg): Future Talks 0025. From failure to success: innovative case studies in the conservation of the modern, München (im Druck).

Broschüre in Print- und Digitalversion für Restaurator*innen, Ämter und Behörden zum Thema Entscheidung, Auswahl und Auftrag von Anti-Graffiti-Schutz-Schichten auf Metallobjekten im Außenbereich sowie den möglichen Reinigungsmethoden (in Arbeit).


Fazit

Die Ergebnisse der Testreihe zeigen, wie schwierig die Entscheidungsfindung beim Schutz und der Reinigung von Metalloberflächen im Außenbereich bzgl. Graffiti sein kann. Vorab sollten in jedem Fall eine eingehende Begutachtung, eine technische Prüfung und eine Standortanalyse des Objekts erfolgen, um Materialien, die Notwendigkeit der Reversibilität sowie Möglichkeiten des Umwelt- und Gesundheitsschutzes bei den zu ergreifenden Maßnahmen zu berücksichtigen. Ferner hat das Projekt gezeigt, dass es unabdingbar ist, im Vorfeld Zeit und Ressourcen für die Klärung von Eigentums-, Besitz- und Zuständigkeitsverhältnissen miteinzuplanen.

Argumente für und wider das Aufbringen von Anti-Graffiti-Schutzschichten auf Kunst- und Bauwerke aus Metall sollten vorher sorgfältig abgewogen werden. Für den Auftrag einer Schutzschicht spricht, die meist einfachere Entfernung von Graffiti, die Minderung der durch Graffiti verursachten Schäden, der dadurch gesicherte Erhalt von Werten und das Einsparen potenzieller Kosten für aufwendige, allumfassende Instandsetzungsmaßnahmen. Durch die schnellere Entfernung von Graffiti-Tags kann außerdem erfahrungsgemäß eine abschreckende Wirkung erzielt werden (entgegen „ein Graffiti provoziert mehr Graffiti“), während häufiges Neulackieren oder die Verwendung umwelt- und gesundheitsschädlicher Mittel zur Entfernung von Graffiti vermieden werden können.

Andererseits ist aber auch in die Überlegungen miteinzubeziehen, dass materielle und optische Veränderungen am Substrat auftreten können, sowie die Anfangsinvestition hoch ist. Alle AGS-Materialien haben eine begrenzte Haltbarkeit und erfordern in jedem Fall eine kontinuierliche Pflege. Trotz der grundsätzlich bestehenden Funktionalität dieser Schichten kann keine 100%-ige Garantie gegeben werden, dass einige Graffiti-Medien trotz der Schutzbeschichtung keine Schäden am Substrat verursachen. Permanente AGS-Produkte enthalten überdies in der Regel umweltschädliche Substanzen, was die Entsorgung im Falle einer vollständigen Neubefassung eines Objekts nach der empfohlenen Lebensdauer erschwert. Darüber hinaus muss der Einsatz permanenter AGS-Materialien aus konservatorischer Sicht gut abgewogen werden, da diese Produkte nicht reversibel sind.

Um eine langfristige Instandhaltung der Objekte im öffentlichen Raum zu gewährleisten, ist es – wie eingangs erwähnt – wichtig, die Zuständigkeiten im Voraus zu klären oder gegebenenfalls festzulegen: Wer kümmert sich künftig um die Instandhaltung, wer überprüft das Objekt regelmäßig, wer entfernt die Graffiti, und wer bewertet von Zeit zu Zeit den Zustand der Schutzbeschichtung? Der Wissenstransfer darüber, welches AGS-Produkt für die Schutzschicht verwendet wurde und welche Reinigungsmethode darauf anzuwenden ist, muss unbedingt gewährleistet sein. Dies erwies sich als der entscheidendsten Hinweise im gesamten Erhaltungsprozess. Dieser Aspekt unterstreicht einmal mehr, wie wichtig es ist, die Behandlung mit allen verwendeten Materialien und Techniken adäquat zu dokumentieren und einen kontinuierlichen Informationsfluss zu gewährleisten.

Kriterien für die Auswahl bestimmter AGS-Produkte könnten folgende sein: Umweltfreundlichkeit, Anwenderfreundlichkeit, Kosten, keine/geringe Veränderung des Untergrunds, gute Reinigungsleistung und ausreichende Witterungsbeständigkeit. Mit der Wahl temporärer AGS-Typen akzeptiert man häufig eine geringere Witterungsbeständigkeit und einen erhöhten Wartungsaufwand. (Semi-)Permanente AGS-Typen hingegen bedeuten meist eine geringere Reversibilität, eine geringere Wasserdampfdurchlässigkeit und größere optische Veränderungen der Untergründe.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts AGaMe zeigen, dass das Interesse an dem Thema und der Wunsch nach (einfachen) Lösungen im Feld sehr groß ist. Doch im Laufe des Projekts konnte herausgearbeitet werden, dass der Schutz von Metalloberflächen vor Graffiti nur durch einen ganzheitlichen, nachhaltigen und interdisziplinären Ansatz gewährleistet werden kann. Das macht es schwierig, an dieser Stelle konkrete Empfehlungen für Produkte oder singuläre, für alle Graffiti-Medien geeignete Reinigungsmethoden auszusprechen.

Positiv zu bewerten ist die Erkenntnis, dass mit einer der restauratorischen Praxis entstammenden Methode, vorhandene Graffiti-Medien auf ihre Lösemittelempfindlichkeit hin vorsichtig zu testen und diese dann individuell mit Hilfe von Kompressen zu entfernen, mitunter die besten Ergebnisse zeigte. Eine erfolgreiche Erhaltungsstrategie berücksichtigt den Zustand des Untergrunds, die Verarbeitung und die Haftungsparameter. Ferner müssen, Anstriche auf Metallen – die diese ja auch schützen – beim Eintrag von Lösemitteln in die Methoden zur Abnahme der Graffiti einbezogen werden. Neben diesen materiellen Überlegungen sind auch die detaillierte Dokumentation solcher Maßnahmen in Wort und Bild und die laufende Pflege der Objekte äußerst wichtig. Monitoringverträge sind deshalb unumgänglich. Es wird hier erst recht deutlich, dass solche Maßnahmen an Kunst- und Bauwerken nur entsprechend ausgebildetem, konservatorischem Fachpersonal anvertraut werden kann.

Das Forschungsprojekt AGaMe hat erste Erkenntnisse zum Schutz von (un-)beschichteten Metalloberflächen durch Überzüge und die anschließende Reinigung geliefert. Weitere Forschungen von der Breite in die Tiefe auf einer materiellen Ebene wären nun sehr wünschenswert. Bei den AGS-Typen, die sich in den Tests als vielversprechend herausgestellt haben, könnten bspw. weitere Produkte anderer Hersteller getestet werden. Auch die Reinigungsmethoden selbst könnten weiter modifiziert werden, z. B. könnte mit höheren (Dampf) oder niedrigeren (Eisspray) Temperaturen gearbeitet werden. Auch in der Anwendung von weiteren Kompressenarten, einer Erhöhung der Einwirkzeiten mittels Folienabdeckungen oder dem Einsatz von Gelen oder Mikroorganismen besteht noch weiterer Forschungsbedarf.

Die chemischen und physikalischen Wechselwirkungen zwischen der Schutzschicht und der Substratoberfläche sollten zudem in einem nächsten Schritt eingehender untersucht werden. So mussten Fragen zur tatsächlichen makromolekularen Verbindung von Schutzanstrichen mit den darunter liegenden Lackschichten sowie die Auswirkung von Lösemitteln im Gefüge in diesem Projekt unbeantwortet bleiben.

Wünschenswert wäre zudem, Testflächen mit geeigneten AGS-Materialien an den untersuchten Fallbeispielen anzulegen, um damit die Ergebnisse aus dem Projekt mit der Umsetzung in der Praxis besser bewerten zu können. Darüber hinaus könnte das (sanfte) Partikelstrahlen zur Entfernung von Graffiti intensiver getestet werden. Erste Tests haben gezeigt, dass Kork ein vielversprechendes Strahlmittel sein könnte. Auch die Frage nach Green Solvents als umweltfreundliche Weiterentwicklung sollte im Weiteren beantwortet werden.

Grundsätzlich wäre es sinnvoll, restaurierungsethisch zu diskutieren, ob die Reversibilität der Schutzanstriche vor der Langlebigkeit der permanenten Anstriche steht. Hier wären weitere Untersuchungen in Richtung semipermanente Kombinationsanstriche (permanent + reversible Opferschicht) denkbar.

Dass der Schutz vor Graffiti auch auf (un-)beschichteten Metalloberflächen ein wesentlicher Bestandteil der Denkmalpflege und des Kulturguterhalts von Kunst- und Bauwerken im öffentlichen Raum ist, soll dieses Projekt verdeutlichten. Wir hoffen, dass wir die für diese Objekte Verantwortlichen für dieses wichtige Thema sensibilisieren konnten und das Thema weiterführend eine tiefergehende Betrachtung in allen beteiligten (Fach-)Welten erhält.

Übersicht

Fördersumme

124.803,00 €

Förderzeitraum

01.12.2022 - 31.12.2025

Bundesland

Baden-Württemberg