Planetary Health - PlaNE Planetare Gesundheit und Nachhaltige Ernährung - Nachhaltigkeitsstrategien kommunaler Ernährungspolitik in Hessen und ihre Auswirkungen auf Planetary Health-Indikatoren am Beispiel der Städte Frankfurt und Marburg

Zielsetzung & Anlass

Der Grundgedanke der Planetary Health Diet ist es, Ernährungssicherheit und eine gesunde Ernährung für die gesamte Bevölkerung dieser Erde bis zum Jahr 2050 zu ermöglichen, ohne die planetaren Belastungsgrenzen zu überschreiten. Dies bedeutet beispielsweise, dass die Landnutzung nicht weiter ausgeweitet wird, die existierende biologische Vielfalt erhalten bleibt, der Wasserverbrauch für die Landwirtschaft reduziert, die Schadstoffbelastungen durch Stickstoff und Phosphor erheblich einschränkt, die CO2-Emissionen auf Null gesenkt und keine zusätzlichen Emissionen von Methan und Stickoxiden verursacht werden.

Das Konzept der Planetary Health Diet liefert einen globalen Referenzrahmen für eine gesunde und umweltgerechte Ernährung. Dies setzt einen grundlegenden Wandel des globalen Ernährungssystems voraus. Wesentliche Ansatzpunkte dieser Transformation bilden die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln sowie eine gesunde Ernährungsweise („Planetary Health Diet“). Diese besteht größtenteils aus Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, ungesättigten Fetten und in geringem Umfang Eiweißprodukten tierischen Ursprungs. Weitere Bausteine einer nachhaltigen Transformation des Ernährungssystems sind eine grundlegende Veränderung der landwirtschaftlichen Produktion u.a. durch einen effizienteren Einsatz von Dünger und Wasser, Recycling von Phosphor sowie eine drastische Reduktion der Lebensmittelverschwendung.

Kommunen sind wichtige Akteure für die Transformation des Ernährungssystems. Mit dem Projekt greifen wir das Thema „nachhaltige Ernährung“ auf und erarbeiten praxistaugliche Ansätze, mit denen Kommunen dabei unterstützt werden können, den Planetary Health Ansatz in eigene Strategien für eine nachhaltige Transformation lokaler Ernährungssysteme zu integrieren. Die Ziele einer nachhaltigen, gesunden Ernährung sollen mit dem Schutz (bzw. der Gesundheit) der (globalen) Umwelt besser miteinander verknüpft und in kommunalen Nachhaltigkeitsstrategien verankert werden.

Dabei werden folgende Ziele und Fragen adressiert:

1) Inwieweit berücksichtigen die Strategien kommunaler Akteure für eine nachhaltige, gesunde Ernährung bereits den Schutz (bzw. die Gesundheit) der (globalen) Umwelt? Welche Ziele der Planetary Health Diet werden dabei bereits berücksichtigt? Welche Akteure sind daran beteiligt?

2) Darüber hinaus werden die Potenziale und Herausforderungen analysiert, die sich aus dem Konzept der Planetary Health Diet für eine nachhaltige Ernährungspolitik in Kommunen ergeben. Inwiefern ist dieses Leitbild geeignet, die Entwicklung integrierter kommunaler Nachhaltigkeitsstrategien im Bereich Ernährung zu unterstützen? Welche Potenziale eröffnet das Konzept, um die Zusammenarbeit von Akteuren aus den Bereichen Umwelt, Ernährung und Gesundheit zu stärken? Welche Synergien und Zielkonflikte sind damit verbunden?

3) In einem partizipativen Prozess wird herausgearbeitet wie konkrete Lösungsansätze für die Realisierung eines ganzheitlichen Gesundheitsansatzes für Mensch und Umwelt auf kommunaler Ebene aussehen könnten. Wie sind die Wirkungen dieser Strategien mit Blick auf die im Planetary Health Konzept benannten Ziele zu bewerten?

Arbeitsschritte & Methoden

In einem transdisziplinären Prozess mit Kommunen und zivilgesellschaftlichen Akteuren wird untersucht wie das Konzept der Planetary Health Diet als Orientierungsrahmen für Strategien und Initiativen einer nachhaltigen Transformation von Ernährungssystemen auf kommunaler Ebene fruchtbar gemacht werden kann. Projektpartner sind die Städte Frankfurt und Marburg sowie die Ernährungsräte Frankfurt am Main sowie Marburg und Umgebung (EMU) und das BNE Netzwerk Marburg.

In einem ersten Schritt wird der Status Quo in den beteiligten Kommunen analysiert. Mit Hilfe einer Akteurs- und Diskursfeldanalyse untersuchen wir, inwiefern Planetary Health Aspekte bereits in kommunalen Nachhaltigkeitsstrategien verankert sind.

Darüber hinaus erfolgt eine Charakterisierung der Ernährungssysteme der beiden Kommunen anhand ausgewählter Indikatoren. Darauf aufbauend wollen wir durch eine Szenario- und Wirkungsanalyse untersuchen, wie unterschiedliche Nachhaltigkeitsziele (z.B. Klimaschutz, Regionalisierung, Gesundheit) im Handlungsfeld Ernährung besser miteinander verknüpft werden können.

Gemeinsam mit den Akteuren wollen wir Strategien und Maßnahmen erarbeiten, wie eine Planetary Health Perspektive besser in der lokalen Ernährungspolitik verankert werden kann. Diese Szenarien werden mit Blick auf ihre Wirkungen bewertet und gemeinsam mit den Akteuren diskutiert.

Ergebnisse & Diskussion

Die Ergebnisse des Projekts werden in einem Leitfaden zusammengefasst, der interessierten Kommunen und kommunalen Stakeholdern Orientierungswissen für die Nachhaltigkeitswirkungen unterschiedlicher Ernährungsstrategien vermittelt. Dieser Leitfaden wendet sich an kommunale Entscheidungsträger*innen, zivilgesellschaftliche Initiativen und weitere Multiplikator*innen im Bereich nachhaltige Ernährung.

Der Leitfaden bietet eine wissenschaftlich gestützte Einordnung und Bewertung der lokalen und regionalen Transformationsstrategien und Szenarien nach globalen Planetary Health Kriterien. Damit ergänzt und erweitert er bisherige Handreichungen für kommunale Nachhaltigkeits- beziehungsweise Ernährungspolitik, die sich eher auf Prozesswissen und die Umsetzung von Strategien fokussieren.

Kommunen und zivilgesellschaftliche Initiativen, wie z.B. Ernährungsräte, erhalten damit wissenschaftlich fundierte Anknüpfungspunkte für die Auswahl, Präzisierung und Priorisierung von Maßnahmen zur nachhaltigen Transformation kommunaler Ernährungssysteme anhand Kriterien zu deren Auswirkungen auf die menschliche und planetare Gesundheit..

Öffentlichkeitsarbeit

In dem transdisziplinären Vorhaben ist die Vernetzung lokaler und regionaler Akteure bereits im Projektverlauf v.a. in der partizipativen Szenario-Entwicklung angelegt. Die Netzwerke der beteiligten Stakeholder können für die Dissemination der Projektergebnisse genutzt werden. Die Vernetzung und strukturierte Zusammenarbeit in den Workshops schafft Potentiale für weiterführende Kooperationen und Initiativen, die auch auf Strategieumsetzung abzielen können.

Mit weiteren Prozessen und Initiativen, wie z.B. den Aktivitäten der Hessischen Nachhaltigkeitsstrategie zum Thema Ernährung ist ein intensiver Austausch vorgesehen. Mit dem geplanten Leitfaden schließt das Vorhaben an Prozesse im Kontext der hessischen Nachhaltigkeitsstrategie an, bei denen eine prozessorientierte Arbeitshilfe für Kommunen erarbeitet wird. Durch einen regelmäßigen Austausch können die Bedürfnisse der beteiligten Kommunen aufgenommen und bei der Erstellung des Leitfadens berücksichtigt werden. Die Kooperation mit der Hessischen Nachhaltigkeitsstrategie eröffnet weitere Möglichkeiten für eine Dissemination der Projektergebnisse bei den beteiligten Kommunen und Stakeholdern.

Fazit

In den letzten Jahren haben zahlreiche Kommunen begonnen, nachhaltige Ernährung als kommunales Handlungsfeld zu bearbeiten. Beispiele sind hier das Netzwerk der „Bio-Städte“, das von der Slow Food Bewegung inspirierte Netzwerk „Cittàslow“ (langsame Stadt) oder der „Milan Urban Food Policy Pact“. Aus der Zivilgesellschaft heraus haben sich Ernährungsräte gegründet, um eine nachhaltige Transformation kommunaler Ernährungssysteme voranzutreiben. Orientiert am Leitbild der Global Health Diet werden in dem Vorhaben gemeinsam mit kommunalen Stakeholdern praxistaugliche Empfehlungen erarbeitet, wie ökologische und gesundheitsfördernde Ziele bei dieser Transformation besser berücksichtigt werden können.

Weiterführende Informationen/Links:
ISOE - Projektdarstellung
Aktenzeichen 37997/01
Abschlussbericht:
Projektträger: Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) GmbH
Hamburger Allee 45
60486 Frankfurt
weitere Projekte aus der Umgebung
Telefon: +4969707691919
Internet: -
Bundesland: Hessen
Förderzeitraum: 01.01.2022 - 31.07.2023 (1 Jahr und 7 Monate)
Fördersumme: 94.529,00
Förderbereich: 02
Stichworte: Gesunde Ernährung, Ernährungsverhalten
Publikationen: