Artenschutz im Gottesgarten - Maßnahmen zum Dohlenschutz am Kloster Banz

Aktenzeichen 27360/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.15 MB | Zuletzt geändert: 27.09.2013
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Projektträger: Artenschutz im Steigerwald (A.i.S)
Kehlingsdorf 12
96154 Burgwindheim
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Telefon: 09551/925048
Internet: http://www.artenschutz-steigerwald.de
Bundesland: Bayern
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Das ehemalige Benediktinerkloster Kloster Banz, gelegen im so genanntenFränkischen Gottesgarten am Obermain, ( Bayern / Oberfranken / Landkreis Lichtenfels / Stadt Bad Staffelstein ) das sich seit 1979 im Besitz der CSU- nahen Hanns Seidel Stiftung befindet und seither als überregional anerkannte Bildungsstätte verwendet wird. Als auch die markante Klosterkirche von Kloster Banz, die 1719 geweiht wurde und im Besitz der Kirchenstiftung Banz / Altenbanz befindlich ist , stehen im Fokus einer nicht alltäglichen Projektreihe, die Artenschutz- Denkmalschutz und Umweltbildung in sich vereint. Das Projekt möchte konkret und exemplarisch darstellen wir alle im Vorfeld benannten Komponenten in Einklang zu einander zu setzen sind, um hochwertige Kulturdenkmäler aus dem Gesichtpunkt der Lebensraumerhaltung im Bestand teils stark rückläufiger Tierarten, ohne den Eindruck einer optischen, hygienischen und funktionellen Beeinträchtig der Bauwerke auftreten zu lassen, zu konservieren sind. Vielfach vom Menschen ihren ursprünglichen Lebensräumen beraubt, bzw. erst aus Gründen einer mehr und mehr zutage tretenden menschlichen Lebensraumveränderung in die Lage versetzt neue Lebensstätten zu erschließen, gelang es zahlreichen so genannten Kulturfolgenden Spezies sich auf Sekundärbiotope einzustellen. Exponiert gelegenen Bauwerke, wie beispielsweise Schlösser, Burgen sowie prägnante kirchliche Gebäude als steinerne Sekundärform ( Kunstfelsen ) menschlicher Prägung , kamen und kommen diesbezüglich im Rahmen der Biodiversität auch heute noch einer ganz besonderen Bedeutung zu. Dabei sind aktuell jedoch tendenzielle, vielfach stark negative Ausprägungen erkennbar. Diese wirken sich konkret und direkt auf die sich hier vielfach letztmalig reproduzierenden Lebensformen aus. Die umfangreiche Klosteranlage musste in den vergangenen Jahrzehnten höchst umfangreichen Sanierungsmaßnahmen unterzogen werden um den damals deutlich voranschreitenden Verfall zu stoppen. Mit hohem finanziellem Aufwand konnte das Kloster, nebst sich unmittelbar daran anschließender Klosterkirche vor dem Verfall gerettet werden und in neuem Glanz erstrahlen. So erfreulich sich die Sanierungsmaßnahmen für die bauliche Substanz erwiesen, so negativ wirkten sich die Arbeiten auf die sich seit Jahrhunderten am Bauwerk befindlichen / reproduzierenden Vogelarten- und Säugetiere aus. Diese werden landläufig unter dem Oberbegriff Gebäudebrüter zusammengefasst. War das Projekt in seiner ursprünglich angedachten Form auf die alleinige Sicherung der letzen großen an Bauwerken Oberfrankens reproduzierenden Dohlenkolonie ausgerichtet, wurde das Projekt in 2009 in seiner Umfänglichkeit auf Optimierungsprojektionen aller am Bauwerk ( Fortpflanzungs-) bestätigten Individuen und deren Lebensstätten ausgelegt. Ein besonderer Schwerpunkt wurde dabei auf die Verbindung zwischen Denkmalschutz- Artenschutz- und erlebbarer Umweltbildung gelegt.
Problemstellung:
Durch den offensichtlichen Mangel an geeigneten Fortpflanzungstellen weichen die Tiere auf suboptimale Standorte aus, die zum einen eine erhöhte Populationssterblichkeit ( Jungensterblichkeit ), sowie eine vielfach starke Beeinträchtigung der Bauwerke ( Kotverschmutzung / Nistmaterialverschmutzung ) hervorrufen. In ganz besonderem Maße ist hierbei die markante, mit Sandsteinfiguren besetzte Fassade der Pfarrkirche, jedoch auch in strukturellem Maße die Fassadenfläche des Klosters betroffen. Der Mangel an Kenntnissen über die Ursachen, sprich den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung der Vorgänge macht effektive Aufklärungsarbeit / Umweltbildung relevant.
Durch die Einbindung so genannter Patenschulen aus der Region soll wertvolle Aufklärungsarbeit im Sinne der uns nachfolgenden geleistet werden. In engem Konsens mit Fachbehörden des Naturschutzes und des Denkmalschutzes soll das Pilotprojekt dazu anregen sich in ähnlicher Form einzubringen um den Aspekt Artenschutz, Denkmalschutz und Umweltbildung ( Multiplikation ) in die bundesweite Fläche zu bringen.
Das Projekt konzentrierte sich auf folgende am Bauwerk präsente Arten:
Dohle ( Corvus monedula ) - Status Rote Liste Bayern V Art der Vorwarnliste, bzw. G - Gefährdet ( Bayerisches Schichtstufenland - Bestandsdichte in Bayern ( Brutpaare) 10.000 - 15.000 Exemplare , Bestandsdichte am Bauwerk min. 72 Exemplare / max. 86 Exemplare -- Paarbildung duchschnittlich 33 Paare ( größte in Oberfranken bekannte Fortpflanzungskolonie )
Mehlschwalbe ( Delichon urbicum ) - Status Rote Liste V Art der Vorwarnliste - Bestandsdichte in Bayern ( Brutpaare ) 140.000 - 220.000 Exemplare, Bestandsdichte am Bauwerk in 2009 - 39 Tiere ( 18 Fortpflanzungsbereiche dokumentiert )
Mauersegler ( Apus apus ) - Status Rote Liste V Art der Vorwarnliste - Bestandsdichte in Bayern ( Brutpaare ) 25.000 - 75.000 Exemplare, Bestandsdichte am Bauwerk in 2009 - 42 Tiere ( 3 Fortpflanzungsbereiche dokumentiert )
Turmfalke ( Falco tinnunculus ) - Status Rote Liste Bayern Nicht im Bestand gefährdet - Populationen jedoch regional stark rückläufig. - Bestandsdichte in Bayern ( Brutpaare) 10.000 - 17.000 Exemplare , Bestandsdichte am Bauwerk in 2009 1 Paare. ( Kein Fortpflanzungsnachweis )
Daneben beherbergt die Klosteranlage ( Gebäudeerfassung ) mindestens vier Fledermausarten, welche die Bauwerke als Sommer/Zwischenquartier nutzen. Darunter eine Art der Fauna Flora Habitat Richtlinie ( Anhang II ) - Großes Mausohr ( Myotis myotis ), und eine Art die in Bayern als Gefährdet gelistet ist - Graues Langohr ( Plecotus auritus ) , weiter Braunes Langohr ( Plecotus austriacus ) und Zwergfledermaus ( Pipistrellus pipistrellus ) gleichfalls als streng geschützte Fledermausarten.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas umfangreiche Projekt gliedert sich in 14 Einzelbausteine. Zu Beginn starteten wir mit zahlreichen vor Ort Terminen, bei welchen Eigentümer, Fachbehörden des Denkmalschutzes und des Naturschutzes, Architekten und Schulen beteiligt waren. Sobald diese Vorabstimmungen getroffen waren ging es an die Auswahl geeignet erscheinender Nistmodule. Diese so genannten Sekundärhabitate wurde im Baustein Dohle als Baumhöhlenhabitat und Gebäudehabitat ausgeführt. Eigenentwicklungen sollten im Besonderen die Prädatorensicherheit, sowie das Mitwachsen der Nisthilfen mit ihren Trägern ( Bäumen ) - aufgleitende Montage - gewährleisten. Gleichfalls wurden Dohlennisthilfen entwickelt die im Innenraum der Kirche ( Glockenturm ) eingebracht wurden. Die Montage fand verdeckt hinter bauseits präsenten Holzverschalungen statt, in die lediglich Zugangsöffnungen eingeschnitten wurden. Durch diese gelangen die Dohlen in die direkt dahinter befindlichen, in sich geschlossenen Nisthilfen. Ausgestattet wurden diese ferner mit speziellen, oben liegenden Glasplatten die eine räumliche Abtrennung zur gleichfalls angedachten Internetcam darstellen. Schmutzschutz des Objektivs. Die Nisthilfen für die Mauersegler wurden gleichfalls neu konstruiert und in Modulbauweise an die Fassade des Klosters, in rund 12 Meter Höhe verbracht. Die Besonderheit der Klonienisthilfen liegt darin, das sie durch die Entnahme der Eingangsblende vom Mauersegler- in ein Dohlenhabitat verwandelt werden können. Dem Turmfalken der zwar am Kloster als Einzeltier präsent, jedoch als Reproduktionsart von den Dohlen am gleichen Bauwerk verdrängt wurde, konnte eine Nisthilfe bereit gestellt werden. Der Reiz dieser Montageform fand sich in der Verbindung zwischen Moderne und Kulturhistorie wieder. Für die Mehlschwalben kam eine Kombinationsentwicklung zum Einsatz, welche Handelsübliche Kunstnester auf eine speziell kreierte Unterkonstruktion auftrug, die einer zusätzlichen naturnahen Farbgestaltung unterworfen wurde. Ein abgestimmtes Unterfangen zur Entfernung von Mehlschwalbenniststätten ( hygienische Aspekte ) und deren Kompensation fand ebenso wie die Erhaltung angestammter Fledermaus - Sommerlebensräume ( Holzschutzkomponenten ) Eingang in das umfangreiche Maßnahmenpaket.


Ergebnisse und Diskussion

Bei allen durchgeführten Projekten und Varianten wurde neben der rein, auf den Artenschutz ausgerichteten Projektionen auch der wissenschaftliche Baustein nicht vergessen. Die teils kompletten Nisthilfen - Neukonstruktionen sollen uns Aufschluss über deren Funktionalität und Einsatzfähigkeit bringen. Gleichfalls spielen Langlebigkeit und Wartungsfreiheit eine große Rolle. Im ersten Jahr nach Montage der Nisthilfen zeigte sich eine erste Bilanz. Von den montierten Baumhabitaten wurde 80 % beflogen. Aus diesen wiederum schlüpften aus 59 % der Nisthilfen Jungvögel ( Dohlen ) aus. Die Mauerseglernisthilfen wurde von den Vögeln angeflogen, jedoch bislang nur von einem Paar Hausrotschwänzen und einem Paar Haussperlingen erschlossen. Es fand jeweils eine erfolgreiche Reproduktion dieser Spezies statt. Die Mehlschwalbennisthilfen wurden bislang nicht besiedelt. Der Fledermausschutz zeigt gleichfalls positive Ergebnisse. Sowohl Braunes Langohr , also auch Großes Mausohr konnten in den Holzschutzbehandelten Dachräumen der Pfarrkirche dokumentiert werden. Das Projekt Turmfalke konnte ebenfalls überzeugen, da drei Jungfalken bereits im ersten Jahr der möglichen Fortpflanzung die Nisthilfe verlassen konnten.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die uns wertvolle Einbindung der erlebbaren Umweltbildung fand sich in mehrfacher Hinsicht wieder. Drei Schulen der Region wurde in das Projekt integriert. Ebenso Eigentümer und Projektpartner. Durch die Installation von Webcams und einer Internetplattform wurde die Information und die Umweltbildung verquickt und über das Medium Internet an interessierte Mitbürger weitergereicht. Am Standort selbst wurde eine eigens kreierte Informationstafel in witterungs- und UV beständiger Ausführung installiert, der die vielen tausend Besucher der Anlage über das Projekt aufklären möchte. Ein Projekttag den wir am 15.Juni 210 im Tagungszentrum der Hans Seidel Stiftung generierten, führte das gemeinschaftliche Engagement den geladenen politischen, pädagogischen und kirchlichen Gästen inkl. den Medienvertretern vor Augen. Beginnend mit einleitenden Worten über die Artenvielfalt und deren Bestandsstatus, wurden gezielt Problemstellungen und Lösungsansätze vorgestellt. Hierbei kam das von unserer Initiative flexibel eingebundene Medium Power Point Präsentation geführt auf über 70 Einzelfolien und 150 Schriftsätzen zum Einsatz. Die Dauer der gesamten visuellen Präsentation belief sich auf 60 Minuten. Dieser Projekttag fand durch die enge Einbindung von Schülern der Patenklassen eine in unseren wertvolle Aufwertung. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten intensiv mit dem Artenschutz- dem Umweltschutz auseinandergesetzt. Sie trugen am Projekttag eigen entwickelte Projekte vor! Bereits zum achten Mal zeichnete unserer Organisation uns begleitende Projektpartner mit dem Protection of species award aus. Preisträger war diesjährig ( 2010 ) die Hanns - Seidel - Stiftung, für die Unterstützung des Projektes am Banzer Kloster. Herr Staatssekretär a.D. Dr. Hans Zehetmair nahm als Vorsitzender der Hans - Seidel - Stiftung die Auszeichnung persönlich entgegen. n den Medien wurde die Projektvorstellung vielfach publiziert.
http://www.obermain.de/nachrichten/5864/details_38.htm
http://www.infranken.de/nc/nachrichten/lokales/artikelansicht/article/artenschutz-ist-zugleich-menschenschutz-57595.html
http://www.hss.de/politik-bildung/themen/themen-2010/auszeichnung-fuer-artenschutz.html


Fazit

Ein erstes Fazit nach einem Jahr seit Beginn des Projekts zeigt bereits erste positive Ergebnisse. Ein sich anschließendes 7jahres Monitorring soll weiterführende Ergebnisse dokumentieren und diese nach Abschluss der Untersuchungsreihe publizierend an Fachbehörden übermitteln. Als Multiplikationsprojekt soll das hier Vorgestellte, andere Organisationen dazu anhalten sich hier in eine gleiche Ausrichtung zu bemühen.

Förderzeitraum: 30.04.2009 - 30.10.2010 (1 Jahr und 6 Monate)
Fördersumme: 7.200,00
Förderbereich: III.9.3
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Naturschutz, Kulturgüter
Publikationen:
Geografisch:


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