Demonstration einer dezentralen Pflanzenkläranlage in Bulgarien am Beispiel des Kinderheims im Dorf Vidrare mit wasser-/abwassertechnischen Schulungen für das Personal

Aktenzeichen 27250/01
Abschlussbericht:
Projektträger: WECF - Women in Europe for a Common Future e. V.
St.-Jakobs-Platz 10
80331 München
weitere Projekte aus der Umgebung
Telefon: 089/232 393 80
Internet: https://www.wecf.eu
Bundesland: Grenzüberschreitend
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

In den ländlichen Regionen Bulgariens war das Wissen über dezentrale naturnahe Abwasserreinigungsverfahren, wie z. B. Pflanzenkläranlagen, oder Anlagen zur Regenwasserbewirtschaftung bis dato nicht vorhanden. Aufgrund der fehlenden eigenen Erfahrungen mit diesen Systemen waren insbesondere die positiven ökonomischen und ökologischen Aspekte dieser Anlagen in Bulgarien nicht bekannt. Planer und Genehmigungsbehörden standen den naturnahen Anlagen mit Vorbehalten gegenüber und sahen die abwassertechnische Reinigungsleistungsfähigkeit dieser Anlagen zurückhaltend. Neben Abwasserteichsystemen sind Pflanzenkläranlagen, bestehend aus einer Vorklärung und einem bepflanztem Bodenfilter, jedoch sehr effiziente, naturnahe Abwasserreinigungssysteme, die in dezentralen Konzepten für den ländlichen Raum auch in Bulgarien eine angepasste Technologie darstellen konnten.

Ziel des Projektes war es, Fachleuten und der Bevölkerung in Bulgarien die ökonomische und ökologische Effizienz von naturnaher und dezentraler Abwasserwirtschaft am Beispiel von Pflanzenkläranlagen zu demonstrieren, über diese Verfahren aufzuklären und das Wissen in bulgarischer Sprache zu verbreiten. Die Belastung der Umwelt, der Gewässer bzw. von Flora und Fauna sowie der ortsansässigen Menschen durch unzureichend geklärtes Abwasser sollte im Rahmen des Projektes am Beispiel des Ortes Vidrare nachhaltig verringert werden.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1) Planung, Bau und Inbetriebnahme einer Demonstrationspflanzenkläranlage (76 EW) für das Kinderheim in Vidrare, Pravetz
2) Weiterbildungsmaßnahmen während des Baus der Anlage
3) Erstellung eines Typenprojektblattes (Case study)
4) Nationale Fachkonferenz
5) Bewusstseinsbildungsmaßnahmen zu Gewässerschutz, naturnahen Abwasserreinigungsverfahren in der Öffentlichkeit und an lokalen Schulen


Ergebnisse und Diskussion

1) In Vidrare, Gemeinde Pravetz, wurde die Demonstrationspflanzenkläranlage, bestehend aus einer Vorklärung, einem vertikal durchströmten, bepflanzten Bodenfilter und einem Revisionsschacht geplant, gebaut und in Betrieb genommen. Die Anlage wurde für 76 Einwohnergleichwerte (EW) organische Belastung und 90 EW hydraulische Belastung ausgelegt; sie behandelt das gesamte Abwasser des Kinderheimes St. Panteleimon. Der zeitlich größte Aufwand bestand dabei, die Genehmigungsbehörden von dem Projekt zu überzeugen, den Genehmigungsantrag in der richtigen Form zu liefern und die notwendigen Genehmigungen zu erhalten. Da die Anlage erst zum Projektende in Betrieb gegangen ist, konnte die Leistungsfähigkeit leider noch nicht überprüft werden.
2) Während des Baus wurde vor Ort ein Seminar als Weiterbildungsmaßnahme für technisches Personal, Fachleute und andere Interessierte durchgeführt, an dem mit über 20 Teilnehmern deutlich mehr Leute interessiert waren als geplant. Es wurde außerdem ein Film über das Thema Pflanzenkläranlagen, Hintergründe und Technik gedreht, der in bulgarischer und englischer Sprache verfügbar ist.
3) Planung, Bau und Betrieb der Pflanzenkläranlage in Vidrare wurden in einem Typenprojektblatt (Case study) dokumentiert und erläutert. Das Typenprojektblatt stellt damit einen Ratgeber für Pflanzenkläranlagen für Experten dar, ist aber keine Planungsrichtlinie zur Bemessung von Anlagen. Das Typenprojektblatt steht in englischer und bulgarischer Sprache zum Download zur Verfügung:
http://www.wecf.eu/download/2011/june/WECF_Constructed_Wetlands.engl..pdf http://www.wecf.eu/download/2011/june/WECF_Constructed_Wetlands.bulg..pdf
4) Für technische Fachleute, kommunale Verwaltungsangestellte und Genehmigungsbehörden fand zum Projektende eine Fachkonferenz statt, in der Theorie und Praxis von Pflanzenkläranlagen und deren Potential in Bulgarien ausführlich erläutert und diskutiert wurden. Als Referenten wurden zwei deutsche Fachleute eingeladen. Vorgestellt wurden dabei auch das Typenprojektblatt (Case study) und der Film. Mit über 30 Teilnehmer/innen gab es viele nachhaltige und auch kritische Diskussionen.
5) Während der gesamten Projektlaufzeit war ein Teil der Öffentlichkeit, auch Schulen, vor allem über die Gemeinde Pravetz mit in das Projekt eingebunden.

Das Verständnis für die Vorteile von naturnahen Abwasserreinigungsverfahren am Beispiel der Pflanzenkläranlage und deren Akzeptanz konnten bei Fachleuten, Behörden und der Öffentlichkeit in Bulgarien deutlich gesteigert werden.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Während des Projektes wurde auf der WECF-Webseite www.wecf.eu regelmäßig über die Projektschritte berichtet. Der lokale Partner EcoWorld2007 hat in Sofia auf Fachveranstaltungen über das Projekt berichtet. Das Umweltministerium hat versprochen, die Dokumentation der Fachkonferenz auf ihren Seiten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Die Bevölkerung der Gemeinde Pravetz, besonders des Dorfes Vidrare, wurde laufend über die Pflanzenkläranlage informiert und die Inbetriebnahme wurde mit einer Einweihungsfeier begangen, bei der viel Presse vertreten war.
Die gesamte Projektdokumentation sehen Sie auf http://www.wecf.eu/english/about-wecf/issues-projects/projects/constructed-wetland.php.


Fazit

Das Projekt wurde in Bulgarien sowohl von Fachleuten, der Verwaltung und Genehmigungsbehörden wie auch von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen. Es zeigte sich deutlich, dass es eine große Unwissenheit und Skepsis gegenüber naturnaher Abwasserreinigung bei Fachleuten und der Öffentlichkeit gibt und die Förderung der Akzeptanz notwendig ist, um Pflanzenkläranlagen weiter in Bulgarien zu verbreiten. Das Projekt hat mit seinen Maßnahmen der Demonstrationsanlage und den Bildungsmaßnahmen einen großen Beitrag dazu geliefert. Die Pflanzenkläranlage wird voraussichtlich in der Zukunft gute Ablaufwerte liefern, um auch die Wasserbehörden zu überzeugen.
Das Typenprojektblatt und der Film sind nachhaltige Medien, die die beteiligten Akteure auch noch in Zukunft nutzen, um die Akzeptanz und die Verbreitung von Pflanzenkläranlagen in Bulgarien zu fördern.

Förderzeitraum: 19.01.2009 - 03.05.2011 (2 Jahre und 4 Monate)
Fördersumme: 52.763,00
Förderbereich: I.1.1
Stichworte: Pflanzenkläranlage, Demonstration
Publikationen: