Rekonstruktion des anthropogen überformten Renaissance-Gartens an Schloss Philippsburg als Beitrag zur Bewahrung der historischen Kulturlandschaft (UNESCO-Weltkulturerbe Mittelrhein)

Aktenzeichen 25903/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.06 MB | Zuletzt geändert: 31.08.2010
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Projektträger: Europäisches Burgeninstitut Einrichtung der Deutschen Burgenvereinigung e. V.
Philipsburg/Schlossstr. 5
56338 Braubach
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Telefon: 02627/974158
Internet: http://www.deutsche-burgen.org
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Der historische Garten bei Schloss Philippsburg, einem der ersten Renaissanceschlösser am Mittelrhein, ist durch anthropogene Zerstörungen (Vernachlässigung, Bau der Bahnlinie) völlig verschwunden. Durch die geplante Maßnahme wird dieser Zustand korrigiert, das Erscheinungsbild von Schloss Philippsburg, die rheinseitige Ufergestaltung sowie der landschaftliche Gesamteindruck positiv beeinflusst und eine landschaftlich-denkmalpflegerische Disharmonie des Umweltbildes beseitigt. Schloss Philippsburg, der Renaissancegarten, die Uferpromenade und der Rhein mit der hoch gelegenen Marksburg sollen als ein harmonisches optisches Gesamtensemble erkennbar sein.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAuf Grundlage einer detaillierten Darstellung des ehem. Renaissancegartens aus dem Jahre 1608 wurde ein Ausführungsplan erstellt, der einerseits die historische Grundaussage einer kleinteiligen Beetgestaltung aufgreift, andererseits aber auch der verringerten zur Verfügung stehenden Fläche gerecht wird.
Die geplante Bepflanzung (Stauden, Kräuter, Buchsbaum) lehnt sich streng an historisch für die Renaissance belegte Pflanzenarten an.
Als erstes wurde die gesamte Fläche von Wildwuchs und störenden Einbauten befreit. Nach Abschluss der Mauersanierung konnte mit den eigentlichen Arbeiten am Garten selbst begonnen werden. Zunächst wurden die geplanten Wege ausgehoben, anschließend die wassergebundene Wegedecke eingebracht. Als nächste Arbeitsschritte sind die Beetflächen hergerichtet und bepflanzt worden. Den Abschluss bildete eine Ausstattung des Gartens mit zeittypischen Accessoires (2 Springbrunnen aus Buntsandstein, 2 Buntsandsteinbänke, Aufstellung von 12 geböttcherten Pflanzkübeln im historischen Hof).
Die Abstimmung zwischen den Kooperationspartnern verlief gut und reibungslos.


Ergebnisse und Diskussion

Das geplante Vorhaben, den historisch belegten und gut dokumentierten Renaissancegarten des Schlosses Philippsburg modellhaft wieder zu errichten, konnte in vollem geplanten Umfang realisiert werden. Damit ist ein kleines, aber historisch wichtiges Kulturreservat wiederhergestellt und somit die anthropogene Zerstörung ein Stück weit rückgebaut worden.
Durch die geschickte Mischung der ausgewählten, schon in der Renaissancezeit gebräuchlichen Pflanzenarten stehen jeden Monat andere Pflanzen in Blüte, so dass der Garten insgesamt ein farbenprächtiges, sich im Laufe des Jahres mehrmals wandelndes Bild abgibt. Dieser renaturalisierte Kleinraum dient zudem als Biotop für zahlreiche Kleintiere (Eidechsen, Vögel, Schmetterlinge, Käfer ec.).
Die verfolgten Ziele wurden in Gänze erreicht, die angewandten Methoden wichen nicht von der ursprünglichen Planung ab. Der finanzielle Rahmen konnte wie geplant eingehalten werden.
Durch den ökonomischen Einsatz der vorgesehenen Mittel, deren Gesamtbudget nicht überschritten wurde, konnte die geplante Maßnahme in ökologischer Hinsicht in vollem Maße realisiert werden. Das Verhältnis ökonomischer Einsatz zu ökologischem Ergebnis entspricht somit völlig der ursprünglichen Planung.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Im Rahmen von Tätigkeitsberichten und in den eigenen Publikationsorganen ( Mitteilungen der DBV Ausgabe Nr. 96 12/2008 und Nr. 98 07/2009) wurde in angemessener Weise auf die Maßnahme und Ihre Förderer hingewiesen. Auch in der Zeitschrift Burgen und Schlösser ist ein Beitrag über den rekonstruierten Garten geplant. Ebenfalls wird er Thema einer Schautafel des Burgenlehrpfades. Auch die lokale Presse berichtete in mehreren Artikeln über diese Eröffnungsveranstaltung.
Die weitere Entwicklung im Laufe des Sommers zeigt, dass der Garten ausgesprochen gut von der Öffentlichkeit angenommen wird. Mehrmals täglich kommen Einzelreisende, aber auch Touristengruppen, die den Garten entdecken und in ihm oder am Geländer im Hof verweilen. An den Ergebnissen partizipiert somit vor allem die breite Öffentlichkeit, aber auch interessierte Fachleute werden aufmerksam.
Somit entfaltet sich nach der Fertigstellung nun die öffentliche Breitenwirkung. Es ist zudem angedacht, Braubach mit dem Renaissancegarten in das weitere Umfeld der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz einzubinden. Insgesamt sind somit für die Zukunft erhebliche Multiplikationseffekte zu erwarten.


Fazit

Zu der von Anfang an vorhandenen Grundausstattung des zwischen 1567-71 errichteten Schlosses Philippsburg, einem der ersten Renaissanceschlösser am Mittelrhein, gehörte rheinseitig ein im Stil der Renaissance angelegter Garten. Dessen genaue Ausdehnung und Beeteinteilung zeigt eine Darstellung von Dilich aus dem Jahre 1608. Dieser mittlerweile durch anthropogene Eingriffe (insbesondere Bau der Bahntrasse) zerstörte historische Garten, der zu einem der wenigen gut bekannten Renaissancegärten in Rheinland-Pfalz gehört, wird durch die geplante Rekonstruktion wieder erlebbar.
Zudem wird mit der Wiedereinrichtung des Renaissancegartens in Schloss Philippsburg als pädagogisch-historischem Schaugarten auf wissenschaftlicher Grundlage eine historische Kulturlandschaft im UNESCO Welterbegebiet Mittelrhein wieder in ihrem Gesamterscheinungsbild erfahrbar. Gleichzeitig wird ein Rundgang durch Braubach geschlossen, der vom historischen Ortskern über Schloss Philippsburg zur Rheinpromenade mit seinen Rosenanlagen führt.
Die Rekonstruktion eines historisch gut belegten, aber durch anthropogen bedingte Veränderungen völlig zerstörten Renaissancegartens war eine reizvolle Aufgabe. Ihre Realisierung kann in jeder Beziehung als gelungen bezeichnet werden. Die dabei erprobte Vorgehensweise hat sich bestens bewährt und kann sicherlich als modellhafter Leitfaden für weitere, ähnliche Vorhaben angesehen werden.

Förderzeitraum: 07.07.2008 - 07.07.2009 (1 Jahr)
Fördersumme: 25.750,00
Förderbereich: III.9.2
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Kulturgüter, Landnutzung
Publikationen: