Grenzübergreifende Vernetzung historisch wertvoller Parkanlagen (Deutsch-tschechisch-polnisches Gemeinschaftsprojekt)

Aktenzeichen 24461/01
Abschlussbericht:
Projektträger: Stiftung "Fürst-Pückler-Park Bad Muskau"
Orangerie
02953 Bad Muskau
weitere Projekte aus der Umgebung
Telefon: 035771/63110
Internet: https://www.muskauer-park.de
Bundesland: Grenzüberschreitend
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Ziel des grenzübergreifenden Projektes ist die Bestandsaufnahme und wissenschaftliche Untersuchung aus-gewählter Anlagen der Gartenkunst in strukturschwachen Regionen der Grenzgebiete Polen, Tschechien und Deutschland, ihre Aufwertung und Einbindung in ein touristisches Konzept.
Als ein Ergebnis sollen Maßnahmen zur Erhaltung der Parkanlagen, ihrer Aufwertung und touristischer Erschließung getroffen werden und beispielhaft erste Pflegeeinsätze vorgenommen werden. Das Projekt möchte nicht nur zur Verständigung über Grenzen hinweg beitragen, sondern aus dem hohen Bildungs- und Erholungspotential des gartenkulturellen Erbes Ansatzpunkte für einen nachhaltigen Kulturtourismus als regionalen Wirtschaftsfaktor entwickeln.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt gliedert sich in drei Bearbeitungsphasen:
1. Wissenschaftliche Analyse und Erarbeitung eines Zielkonzeptes für den Umgang mit ausgesuchten Petzold-Anlagen
Erforschung und Untersuchung einzelner Parkanlagen durch Gartenhistoriker und Landschaftsöko-
logen unter Beteiligung gartendenkmalpflegerischer Institutionen in Polen und Tschechien
(s. o.: Projektpartner).
2. Fortbildung in der praktischen Gartendenkmalpflege
Im Rahmen des Projektes sind modellhafte polnisch-tschechisch-deutsche praktische Parkseminare
und theoretische Seminare zu unterschiedlichen Problemstellungen der praktischen Gartendenkmal
pflege in Verbindung mit Naturschutz und Landschaftspflege sowie im Hinblick auf den Umgang mit
touristischem Potential geplant.
3. Kulturtouristisches Konzept
Auf der Basis der wissenschaftlichen Untersuchungen zur Bestandsaufnahme erfolgte eine
Bewertung der Möglichkeiten für die Verknüpfung von Petzold-Anlagen im Dreiländreck zu einer
Reiseroute.


Ergebnisse und Diskussion

Im Resümee lässt sich hinsichtlich der aktuellen Bestandssituation in den Petzold-Parkanlagen nachfolgend aufgeführte gleich gelagerte Problematik verdeutlichen:
Nahezu alle Anlagen sind durch Auflassung und anthropogene Eingriffe geschädigt,
Die langjährige Auflassung, bzw. die fehlende fachgerechte Pflege führte in den untersuchten Anlagen zum Verlust der Strukturen, wie Gestaltungselemente, Gehölzbestände, Ausstattungen, teilweise auch der zentralen Baulichkeiten.
In nahezu allen untersuchten Anlagen erfolgte keine der notwendigen, durch Petzold vorgesehenen Entwicklungen innerhalb der Gehölzbestände, ebenfalls mit der Folge des Verlustes von wertvoller Substanz.
Umfassende Kenntnisse zum dendrologischen Bestand in den untersuchten Parkanlagen, bezüglich der von Petzold verwendeten Arten, Sorten, Formen fehlen für nahezu alle untersuchten Anlagen.
Die Genehmigungsphasen im Vorfeld erwiesen sich besonders in Polen und Tschechien als aufwändige und nicht unproblematische Vorgänge. Nicht zuletzt aufgrund des Umweltaspektes. Die Parkanlagen der praktischen Seminare sind vollständig oder in Teilen restriktiv naturschutzrechtlich geschützt bzw. grenzen unmittelbar an Schutzgebiete. Dabei wird dem Denkmalwert in keiner der Anlagen Priorität eingeräumt. Hinzu kommen teilweise Einschränkungen durch die Forstwirtschaft, die eigentumsrechtlich z.B. in Kliczkow, nicht unwesentlich zu beteiligen war.

Bezüglich der grenzübergreifenden kulturtouristischen Verbindung spezieller Petzold-Park-Touren für den allgemeinen Gartentourismus sind aufgrund der aktuellen Bestandssituation schwer vermittelbar. Die erhaltene Struktur der Anlagen ist für Fachpersonal oft kaum erkennbar.
Grenzübergreifende Touren sind teilweise zu weitläufig - besonders der Anschluss an Tschechien ist aufgrund der Entfernungen kaum möglich. Die touristische Infrastruktur ist teilweise noch unvollständig, besonders in Polen gebietsspezifisch noch sehr verhalten.
Das grenzübergreifende Projekt ist grundsätzlich als Modellprojekt positiv und innovativ zu bewerten. Die Zusammenarbeit innerhalb der Gartendenkmalpflege in Europa zu fördern ist ein wichtiger Beitrag, besonders im Hinblick auf die Tatsache, dass sich ein Teil deutscher Garten-Geschichte heute in Polen und Tschechien befindet und seit 1989 intensive und gemeinsame Forschungsarbeit möglich ist.
Der direkte Kontakt mit den Auftragnehmern in Tschechien gestaltete sich als unproblematisch, da auf beiden Seiten die englische Sprache ausreichend beherrscht wurde. Für die Kommunikation mit der polnischen Seite wurde für Besprechungen zumeist eine Dolmetscherin hinzugezogen. Insgesamt muss festgehalten werden, dass Sprachbarrieren ein nicht zu unterschätzendes Hindernis bei der flüssigen Bearbeitung eines internationalen Projektes sein können bzw. einen zusätzlichen Zeitaufwand erfordern, das gilt ebenso für Aufträge und Korrespondenz.
Die ausschließlich externe Vergabe der wissenschaftlichen Inhalte ist als nicht optimal anzusehen. Andererseits ist der Umfang der wöchentlichen Stundenzahl für Organisation und Koordination mit 20 und 16 Wochenstunden ungenügend. Die Durchführung der Seminare, die Organisation mit Arbeitstreffen und Besprechungen, zumeist mehrsprachig, nehmen bereits eine hohe Stundenzahl in Anspruch.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Veranstaltungen und das Projekt wurden in der Fachpresse publiziert und in der regionalen Presse beworben. Für jede Veranstaltung wurde ein spezielles, mehrsprachiges Faltblatt erarbeitet und breitenwirksam über digitale und analoge Medien verbreitet.
In allen Projektländern erfolgte die Dokumentation der Parkpflegeseminare über die regionale Presse und im Nachgang, bspw. in Dobrenice, durch Präsentationen im Rahmen einer TV-Übertragung.


Fazit

Die Bedeutung der Petzold-Anlagen bezüglich der kulturhistorischen Wertschätzung und insbesondere auch als wertvoller Teil der jeweils regionalen Natur- und Kulturlandschaft konnte in weiteren belegten Beispielen manifestiert werden.
Aus gartendenkmalpflegerischer und kulturhistorischer Sicht ist bezüglich der Möglichkeit einer Inventarisierung, Dokumentation und Darstellung der Zeitpunkt des vollständigen Verlustes einiger Anlagen bereits erreicht. Für den Weiterbestand und Erhalt der Relikte ist der Zeitpunkt gut gewählt. Die Grundlage für eine vertiefende Forschungsarbeit und Umsetzung bilden die erzielten Projektergebnisse im Zusammenhang mit den vorliegenden Publikationen.
Politisch trägt das Thema ohne Zweifel zu einer zeitgemäßen Diskussion über Kunst und Kulturwerte unabhängig von Eigentumsfragen und über Fachkreise hinaus bei und hilft bei einer Annäherung in der sensiblen Fragestellung zum zukünftigen Umgang mit derartigen Anlagen.

Förderzeitraum: 14.07.2006 - 14.10.2008 (2 Jahre und 3 Monate)
Fördersumme: 119.950,00
Förderbereich: III.9.2
Stichworte: Sanierung, Park
Publikationen: