Nachhaltige und modellhafte Pflege der national bedeutenden Wandmalereien der Kirche in Eilsum durch Klimamonitoring und Entwicklung von individuellen, angepassten Lösungsstrategien

Aktenzeichen 24270/01
Zusammenfassung / Abstract:
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Projektträger: Evangelisch-reformierte KircheKirchenamt
Saarstr. 6
26789 Leer
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Telefon: 0491/9198-201
Internet: -
Bundesland: Niedersachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Das Projektziel war die Entwicklung und Erprobung einer langfristigen Erhaltungsstrategie am Beispiel der mittelalterlichen Wandmalereien der Kirche in Eilsum. Dabei handelt es sich um Klimaregulierungen im Chorraum und ein Monitoring der pflegebedürftigen Ausmalungen. Die wertvollen Wandmalereien sind durch Feuchteeinwirkung sowie durch biologische Aktivität und standortbedingte Salzbelastung so stark geschädigt, dass eine grundlegende Schadensbeobachtung zur Einleitung einer nachhaltigen Therapie dringend erforderlich ist.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDa eine dauerhafte Entsalzung des Backsteinmauerwerks mit den herkömmlichen Verfahren nicht möglich ist, wurde im Rahmen der bestandssichernden Kontrollen versucht, die bauschädliche Wirkung der Salze durch Stabilisierung des Raumklimas mit speicherprogrammierbaren Regelungsanlagen einzuschränken bzw. zu verhindern.

Flankierend wurde im interdisziplinären Verbund die Zustandserfassung der Wandmalerei in ausgewählten Teilbereichen halbjährlich wiederholt, um dadurch systematisch strukturierte Korrekturen des Raumklimas zu ermöglichen (Referenzflächen-Monitoring). Dabei kamen restauratorische Schadensdokumentationen in Korrelation mit klimatologischen, bauphysikalischen und technischen Untersuchungen, unter Anwendung innovativer Verfahren und Methoden, zum Einsatz.


Ergebnisse und Diskussion

Regulierung des Raumklimas im Chor
Im Chorbereich der St. Petrus-Kirche in Krummhörn-Eilsum wurde zu Beginn des Jahres 2008 eine Lüftungsanlage installiert. Die Steuerung wird von einer automatischen Regelung übernommen, die das Raumklima zum Schutz der Wandmalereien in der Chorapsis in Abhängigkeit von der relativen Raumluftfeuchte beeinflusst. Die Klimaverläufe zeigen, dass sich die relative Luftfeuchtigkeit zunächst oberhalb des definierten Grenzwertes von 65 % bewegte. Die Lüftungsanlage war somit im betrachteten Zeitraum allein nicht in der Lage, die relative Luftfeuchte ausreichend stark abzusenken. Aus diesem Grund wurde im nächsten Schritt die erforderliche Klimakontrolle mittels Temperierung der Raumluft erzielt. Die Regelungsanlage war schon so konzipiert, dass die Integration der Temperiereinrichtung keine grundlegenden Änderungen der Steuerungstechnik erforderte. Aus energetischen Gründen wird die Temperierung immer nur dann eingesetzt, wenn die Klimakontrolle mittels Luftaustausch nicht ausreichend ist. Leider führte der Anschluss der Temperierungsanlage durch eine ortsansässige Firma zu Störungen, die bis Dezember 2009 noch nicht beseitigt waren, aber dringend und nachhaltig behoben werden müssen.

Monitoring an fotografisch erstellten Referenzflächen durch die Amtsrestauratoren
Mit dem Verfahren des Fotovergleichs wurden gute Ergebnisse erzielt. Die gewählte Methode ist einfach zu handhaben, preiswert und alltagstauglich, da insbesondere der Geräteaufwand sehr gering ist. Um Aussagen über den Zustand der Wandmalereien treffen zu können, ist es immer erforderlich, das Objekt direkt durch einen Restaurator in Augenschein nehmen zu lassen. Wichtig ist vor allem, das Objekt ganzheitlich zu betrachten, um gegebenenfalls Veränderungen entsprechend zu bewerten und eingreifen zu können. Der Zustand der Wandmalereien zeigte im Rahmen der Projektlaufzeit keine erkennbare Veränderung. Wie sich die Klimatisierung auf den Zustand der Wandmalereien zukünftig auswirken wird, muss mittels Monitoring festgestellt werden, das seitens der Restauratoren des NLD in Abstimmung mit den Verantwortlichen der Ev.-ref. Kirche fortgesetzt wird. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Instandsetzung und -haltung der Klimasteuerung.

Wandmalerei-Monitoring mittels Multispektralfotografie und Differenzbildtechnik
Das Verfahren wurde im Deutschen Bergbaumuseum entwickelt und in Zusammenarbeit mit dem NLD praxistauglich erprobt. An den gemeinsam bestimmten Referenzflächen wurden im Rahmen der Projektlaufzeit Veränderungen festgestellt, die mit dem bloßen Auge nicht erkennbar sind. Diese werden als Indikatoren betrachtet, deren Relevanz hinsichtlich der zerstörungsfreien Zustandserfassung bzw. der Schadensdiagnose allerdings noch nicht geklärt werden konnten. Die erforderliche interdisziplinäre Untersuchung der indizierten Referenzflächen ist vorgesehen. Im Vordergrund steht dabei die Fortsetzung des Wandmalerei-Monitorings in der Kirche in Eilsum durch die Amtsrestauratoren des NLD. Für die Interpretation der Differenzbilddaten ist insbesondere die restauratorische Untersuchung am Objekt unverzichtbar. Das Wandmalerei-Referenzflächen-Monitoring mittels Multispektralfotografie und Differenzbildtechnik bildet eine methodische Ergänzung der bewährten Verfahren. Ihre besondere Bedeutung wird zukünftig vermutlich in der Früherkennung von Schadensprozessen und in der Schadensvorsorge liegen.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Publikation über das Vorhaben, Zwischen- und Endergebnisse in der Fachliteratur und im Internet schon erfolgt bzw. noch geplant, z. B. Homepage und Schriftenreihe des NLD.


Fazit

Das Projekt diente zur Entwicklung und Erprobung einer langfristigen Erhaltungsstrategie im Sinne der Qualitätssicherung. Dies beinhaltet die erforderliche Klimasteuerung im Chorraum der Kirche von Eilsum in Verbindung mit einem Referenzflächenmonitoring.
Hinsichtlich der Klimasteuerung wurden die kurzfristige Instandsetzung und die langfristige Instandhaltung seitens des Projektträgers zugesagt. Hinsichtlich des Monitorings hat sich gezeigt, dass das bewährte Verfahren der restauratorischen Objektuntersuchung unverzichtbar ist. Das Monitoring mittels Multispektralfotografie und Differenzbildtechnik bildet eine methodische Ergänzung und Erweiterung. Die Ergebnisse dieses Verfahrens bedürfen einer sorgfältigen Überprüfung in Bezug auf die diagnostische Bedeutung bzw. die Schadensrelevanz der festgestellten Veränderungen.
Die Klimaregulierung wird erfahrungsgemäß sehr langsam zu erkennbaren Veränderungen der Wandmalereioberflächen führen. Die Amtsrestauratoren des NLD werden daher das Monitoring in den nächsten Jahren fortsetzen. In diesem Zusammenhang werden die Ergebnisse des Multispektralverfahrens hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Früherkennung von positiven oder negativen Veränderungen im Sinne des Qualitätsmanagements überprüft.

Förderzeitraum: 30.11.2005 - 31.12.2009 (4 Jahre und 1 Monat)
Fördersumme: 56.500,00
Förderbereich: III.9.1
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Umweltforschung, Kulturgüter, Klimaschutz
Publikationen: