Sanierung und modellhafte Sicherung umweltgeschädigter Glasmalereien an der Marienkirche Rostock

Aktenzeichen 24149/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.05 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Ev.-Luth. Innenstadtgemeinde Rostock
Am Ziegenmarkt 4
18055 Rostock
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Telefon: 0381/4923396
Internet: -
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Im Hochchor der Rostocker Marienkirche befinden sich ab 20 Meter Höhe seit 1893 zehn bleiverglaste ornamental bemalte Fenster. Die Gläser wurden durch Bombenschäden und Umwelteinflüsse stark beschädigt. Es wurden die Altgläser restauriert und hinter einer Schutzverglasung mit neuartiger vertikaler Bleistreifenandichtung an das Mauerwerk, installiert. Die Wirksamkeit der Andichtung wurde durch bauphysikalische Messungen über 12 Monate überprüft und bewertet.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNach Ausbau der Chorfenster wurden die Fensterpfeiler stabilisiert. Auf die Altquereisen wurden Edelstahlklemmen aufgesetzt, die bleieingefasste Schutzverglasung aufgeschraubt und neue Windeisen aus Edelstahl eingesetzt. Der äußere vertikale Anschluss an das Mauerwerk wurde statt Mörtel durch eine auf die Glaseinfassung aufgelötete Bleistreifenlippe, die an die Mauersteine angedrückt wird, hergestellt.
Innen zwischen Stein und Schutzverglasung liegt ein Hanfstrick, auf den eine Mörtelfuge aufgebracht wurde Die Malereifenster wurden restauriert.
Die äußere Patina blieb erhalten. Diese Malereigläser wurden dann von innen im Abstand von ca. 80 mm mit der Verschraubung der Schutzverglasung zwischen Deckschienen aus Edelstahl eingeklemmt. Unten und oben sind diese Verglasungen angeneigt, um den Glaszwischenraum zum Kircheninneren zu be- und entlüften. Der untere Rand des Zwischenraumes wurde mit einer Bleiwanne versehen, die möglicherweise anfallendes Kondens- und eindringendes Regenwasser nach außen ableitet. Zur Bestimmung des Zwischenraumklimas und damit zum Nachweis möglicher mikrobiologischer Schädigungen wurde die Luftdichtheit der Schutzverglasung und deren Anschlüsse mit verschiedenen Methoden bestimmt. Im Langzeitversuch über ein Jahr wurde das Klima im Zwischenraum sowie innen und außen stündlich registriert und aufgezeichnet. Parameter hierzu wurden an verschiedenen Stellen je eines Nord- und Süd-fensters ermittelt (Lufttemperaturen und -feuchten, Luftgeschwindigkeit im Zwischenraum, Luftdruckdifferenzen zwischen innen und außen sowie zum Zwischenraum, Mauerwerksfeuchten indirekt mit verschiedenen Methoden über Kalibrierkurven, Feuchteanzeiger in den Bleiwannen.) Mikrobiologische Untersu-chungen an ausgewählten Stellen zum Versuchsanfang und -ende begleiteten die Messungen.


Ergebnisse und Diskussion

isher wurden Kirchefenster dieses Typs beidseitig im Anschlag verputzt. Je nach Qualität fiel der Putz nach gewisser Zeit außen ab und die Fenster wurden am Anschlag undicht. Feuchte konnte eindringen. Unverhofft und aus großer Höhe herabfallende Putzteile sind eine Gefahr. Fenster in großer Höhe sind nur kostenintensiv zu reparieren. Im hier vorliegenden Fall wird kein Vergleich mit der Einputzmethode gesucht, sondern Bezug genommen auf die große Höhe der Fenster und die Luftströmung/Kaminwirkung zwischen Schutzverglasung (außen) und Glasmalereifeldern (innen). Die kunsthistorische Bedeutsamkeit der Malereifenster gestattet eine derartige Andichtung, für die bisher keine Erfahrungen vorliegen.
Aus den Kurz- und Langzeituntersuchungen konnten folgende Erkenntnisse gewonnen werden:
a) Dichtigkeit der Schutzverglasung
Durch qualitative (Ultraschall und Rauch bei Überdruck) sowie quantitative Untersuchungen (längenbezogener Fugendurchlasskoeffizient aF = 0,45 < 1,0 m³/(mh(daPa)2/3 ) wurde die Dichtigkeit der Verglasung und deren Randanschlüsse nachgewiesen. In den Langzeituntersuchungen wurden diese Ergebnisse durch das günstige Verhältnis der Luftdruckdifferenzen zwischen innen, Mitte und außen unterstützt.
b) Tauwasserbildung
Aus den in verschiedenen Höhen und Tiefen der Fenster an der Nord- und Südseite gemessenen Temperaturen und Luftfeuchten konnten die Taupunkttemperaturen an den verschiedensten Stellen bestimmt werden. Sobald die gemessenen Temperaturen unterhalb der Taupunkttemperaturen lie-gen, ist mit Tauwasserausfall und ggf. Schimmelpilzbildung zu rechnen. Für die verschiedenen Messorte wurden das Auftreten von Tauwasser sowie das Vorhandensein von Feuchte in der Bleischale unter Beachtung der Regenangaben des DWD über das Jahr aufgenommen.
c) Thermischer Auftrieb im Glaszwischenraum
Der 80 mm breite Zwischenraum ist oben und unten mit dem Kircheninneren verbunden.
Der thermische Auf- bzw. Abtrieb, der messtechnisch durch Hitzdrahtanemometer und einer Vielzahl von Thermoelementen nachgewiesen wurde, bewirkt, dass die bemalten Scheiben etwa die gleichen oder höhere Temperaturen als die Kircheninnenluft auf gleicher Höhe aufweisen. Die Tauwassergefahr, die ein mikrobiologisches Wachstum auf den Malereien fördert, wird dadurch reduziert. Geringfügige Tauwasserausfälle insbesondere auf der Südseite konnten nachgewiesen werden.
d) Die mikrobiologischen Untersuchungen auf den bemalten Scheiben nach einem Jahr ergaben, dass Pilze und andere Mikroorganismen, deren Ausscheidungsprodukte die Malereien zerstören können, sich in geringem Maße sich auf den Scheiben ansiedeln konnten, aber nicht mehr vital waren. Dies war auf die nur kurzfristige Betauungsperiode zurückzuführen.
e) Das an die Fenster angrenzende Mauerwerk ist als trocken anzusehen und liefert keinen Beitrag zur Feuchtebilanz des Fensterzwischenraumes.
Wegen des letzten milden Winters werden die Messungen fortgesetzt


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

1) Kolloquium am 23.11.2007 in der Nikolaikirche und Marienkirche Rostock
2) Veröffentlichung in der Zeitschrift BAUPHYSIK, W. Ernst & Sohn, Berlin im Jahr 2008


Fazit

Die Messungen und Auswertungen ergaben im konkreten Fall von Fenstern in großer Höhe aus Backsteinmauerwerk eine ausreichende äußere Dichtigkeit des neuartigen Bleistreifenanschlusses.
Die Belüftung zwischen Schutzverglasung und Malereischeibe ist ausreichend für den Erhalt der Glasmalerei.
In ähnlicher Situation kann diese Andichtungsart auch für Einfachverglasungen angewandt werden.

Förderzeitraum: 13.01.2006 - 01.07.2007 (1 Jahr und 6 Monate)
Fördersumme: 65.000,00
Förderbereich: III.9.1
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Umweltforschung, Kulturgüter, Klimaschutz, Umwelttechnik
Publikationen: