Folgeschäden nach Sanierungsmaßnahmen an ausgewählten Bauten

Aktenzeichen 23723/01
Abschlussbericht:
Projektträger: Deutsches Fachwerkzentrum Quedlinburg e. V.
Blasiistr. 11
06484 Quedlinburg
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Telefon: 03946/810-520
Internet: -
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Die Zerstörung historischer Bausubstanz erfolgt oftmals durch das Kaputtsanieren infolge der Unkenntnis über die Entwicklung historischer Bauweisen, der Auswahl ungeeigneter Materialien und Methoden, der falschen Beurteilung des Zusammenwirkens alter und neuer, industriell hergestellter Baustoffe sowie infolge der Missachtung bauphysikalischer Grundregeln. Ziel der Forschungsarbeit ist es, die Ursachen der Zerstörung historischer Substanz bei bereits abgeschlossenen Sanierungen und darin begründeter Folgeschäden zu ermitteln und unter Hinzunahme aktueller Forschungsergebnisse und Langzeiterfahrungen übertragbare Empfehlungen für eine nachhaltige, fachgerechte, Substanz schonende Sanierung aufzuzeigen. Damit wird sowohl ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der aus städtebaulicher Sicht besonders wertvollen innerstädtischen Altbaubestände, als auch für den wirtschaftlichen und verantwortungsbewussten Umgang mit Fördermitteln geleistet.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Mittelpunkt der Forschungsarbeit stand die Erfassung und Analyse von Folgeschäden nach Sanierungsmaßnahmen an ausgewählten Bauten (Fachwerkbauten), wobei die letzte relevante Sanierungsmaßnahme nach Möglichkeit nicht vor 1990 liegen sollte.
Zu diesem Zweck wurden Sanierungsträger, Baubehörden von Städten und Gemeinden mit hohem Fachwerkbestand, Denkmalpfleger und Architekten aus verschiedenen Bundesländern angeschrieben bzw. angesprochen. Die Resonanz auf unser Projektvorhaben war durchweg sehr positiv. Von den aufgerufenen Institutionen wurde uns bestätigt, dass auch in ihrem Handlungsbereich vielfach Schäden nach Baumaßnahmen an Fachwerkhäusern zu verzeichnen waren oder immer noch sind. Mehrfach war es nicht mehr möglich, die Objekte eingehender zu untersuchen, da diese bereits nachsaniert wurden und keine aussagekräftigen Dokumentationen über Schadensbilder oder deren Ursachen angefertigt wurden.
In den Städten und Gemeinden, in denen es möglich und erwünscht war, geschädigte Fachwerkhäuser in unsere Projektbearbeitung aufzunehmen, erfolgte in Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden, dem Sanierungsträger und den Stadtbauämtern eine Objektauswahl angesichts aktuell oder in absehbarer Zeit anstehender Nachsanierungen. Die Auswahl der Objekte erfolgte weiterhin unter den Gesichtspunkten des Handlungsbedarfes in Bezug auf die Schwere der Schäden und im Hinblick auf das fristgerechte Anmelden eventueller Haftungsansprüche, wobei möglichst verschiedenartige Schadensbilder an unterschiedlichen Bauteilen zu dokumentieren waren.

Generell erfolgte zu Beginn der Objektbearbeitung eine behutsame Kontaktaufnahme mit den Bauherren, Nutzern bzw. Planern, um das Projekt vorzustellen, die Probleme zu lokalisieren und die weitere Vorgehensweise festzulegen. In den ersten Gesprächen berichteten uns die Eigentümer bzw. Nutzer von den derzeit vorhandenen Schäden, aber auch von Eckdaten des Sanierungsverlaufes.
Die schadhaften Bauteile an den Fassaden und in den Innenräumen wurden fotografiert, handschriftlich vermerkt und skizziert, um sie später in ein Raumbuch eintragen zu können. Im Projektverlauf konnte die Methode immer besser strukturiert werden, indem wir zur Erstaufnahme einen Fragebogen zur schnellen Bestandsaufnahme (Checkliste als Multiple-Choice-Verfahren) entwickelten, der gleichzeitig die erste Bearbeitungsstufe darstellt. Der Fragebogen fließt in die Bestandsaufnahme ein und dient zugleich einer statistischen Auswertung der Schadensbilder bzw. -ursachen.
Schnell stellte sich heraus, dass aufgrund der Schadensorte, der Schadensbilder, der Zugänglichkeit der Objekte aber auch aufgrund der Befindlichkeiten der Eigentümer unterschiedliche Bearbeitungstiefen vorgesehen werden mussten. Manche Objekte konnten nur von außen besichtigt werden, bei anderen war eine Schadensaufnahme zwar von innen und außen möglich, aber eine Öffnung der Bauteile selbst war undenkbar. Wenige Objekte waren leerstehend.
Die Konkretisierung der Befunde erfolgte unter Hinzuziehung weiterer Expertenmeinungen vor Ort, Sachverständigengutachten, Technische Messungen (z.B. Feuchtegehalt von Bauteilen) und Laboranalysen durch das Rathgen-Forschungslabor in Berlin. Soweit es notwendig und möglich war, wurden die einzelnen Bauteilschichten freigelegt bzw. geöffnet, um einerseits den tatsächlichen konstruktiven Aufbau, andererseits Schadensursachen, wie Feuchtequellen oder Ausführungsmängel zu dokumentieren.
Für eine möglichst zuverlässige Bewertung der Schadensbilder war eine intensive Sichtung von Akten, Vorgängen, Notizen, Rechnungen und Abbildungen sowie deren Auswertung unerlässlich. Die Recherchen in den Unterlagen der Kreisarchive, der Bauämter, Sanierungsträger, Planer und/oder der Bauherren boten meist Aufschluss über den Verlauf der letzten Sanierungsarbeiten und die verwendeten Materialien.
Die Ergebnisse flossen in das im Rahmen dieses Projektes weiterentwickelte Raumbuch für die Schadensaufnahme ein, welches alle relevanten Daten und Befunde bis hin zu Detailzeichnungen konstruktionsbezogen und übersichtlich erläutert und somit die zweite Bearbeitungsstufe beschreibt.
Um die Persönlichkeitsrechte zu wahren erfolgte die Auswertung der Untersuchungsergebnisse anonymisiert und deshalb in einer anderen Sortierung, nämlich nach: Bauteil - Schadensbild - Schadensursache. Die Bauteile sind in Anlehnung an die im Bauwesen üblichen Kostengruppen 100 bis 700 untergliedert.
Aufgrund der geschilderten, z.T. eingeschränkten Möglichkeiten flossen letztendlich die Resultate von ca. 30 näher untersuchten Objekten aus dem Raum Mitteldeutschland in die Bilanzierung der Schadensursachen ein, wobei auch von allen anderen Objekten die Häufigkeit und Art der Schäden an den Fassaden die Bilanzierung untermauern.
Wichtig in der Auswertung der Schadensursachen waren uns neben den technischen Ursachen, wie z.B. produktspezifische, mechanische und bauklimatische Einflüsse insbesondere die nicht technischen Ursachen, wie planungsbedingte, ausführungs- und nutzungsbedingte Faktoren.
Zusätzlich zum Abschlussbericht des Projektes, welcher vorrangig für die Mitglieder der Arbeitsgruppe und die Förderer erarbeitet wurde, erschien unser Leitfaden für Bauherren, Förderer und alle am Fachwerkbau Interessierten unter dem Titel Hilfe - ich habe ein Fachwerkhaus (Anlage 4 des Berichtes) als Broschüre und Internetauftritt auf der Seite des Deutschen Fachwerkzentrums. Die in Kapitel 4 erarbeiteten bauteilbezogenen Schadensblätter stellen einen Querschnitt häufiger Schadensfälle an Fachwerkhäusern dar. Sie dienen zugleich als Ansatz- und Ausgangspunkt für den Aufbau einer Datenbank.
Im Ausstellungsbereich des Deutschen Fachwerkzentrums werden Plakatwände zu den Themen: Schäden am Sockel, an Fachwerkhölzern, an Ausfachungen und Bekleidungen, an Außenbeschichtungen, an Decken und Fußböden, an Fenstern, an nachträglichen Balkonanlagen sowie zu Schimmelpilzen und Einflüssen aus dem Nutzerverhalten präsentiert.


Ergebnisse und Diskussion

Im Sinne eines erfolgreichen Endergebnisses fand eine stetige Kommunikation mit den Arbeitsgruppenmitgliedern statt. In der Auswertung unserer Objektbearbeitung kommen wir zu dem Ergebnis, dass vorwiegend elementare, bauphysikalische Grundregeln verletzt wurden, wodurch der Feuchtehaushalt des Gesamtgefüges aus dem Gleichgewicht gebracht und erhebliche Schäden hervorgerufen wurden.
Obwohl grundsätzlich das Zusammentreffen mehrerer ungünstiger Faktoren letztendlich zum Schaden geführt hat, liegt der Beginn der Schadenskette zu 75 % bei der Planung der Sanierungsmaßnahme.

Das betrifft alle Maßnahmen, die von Beginn an durch den Bauherrn selbständig geplant und ausgeführt, aber auch jene, die nach der Genehmigungsplanung durch den Bauherrn fortgeführt wurden.
Neben dem finanziellen Rahmen und Gestaltungsempfinden des Bauherrn spielt meist die fachliche Unkenntnis über stoffliche, bauphysikalische und ausführungstechnische Zusammenhänge eine entscheidende Rolle bei der Auswahl von Materialien und Verfahren. Modernisieren die Bauherrn oder Nutzer eigenständig, ist die Qualität einer objektbezogenen, umfassenden und fachgerechten Beratung, z.B. durch Produktvertreter, Mitarbeiter von Baumärkten, Handwerkern, mitunter auch Energieberatern eher gering einzuschätzen, da auch sie in der Regel nicht Gewerke übergreifend, baufachlich ausgebildet wurden. Finanzielle Einschränkungen und eine geringere Berufserfahrung auf diesem Spezialgebiet der Altbausanierung sind meist die Ursachen für eine nicht ausgewogene Fachplanung und Bauüberwachung. Meist unterschätzt wird der Einfluss des Nutzerverhaltens bezogen auf das alltägliche Wohnverhalten aber auch in Hinblick auf die laufende Bauunterhaltung durch den Nutzer und/oder Eigentümer.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

- Jahresbericht 2007, Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen 2007/08 des DFWZ QLB e.V.
- 02.03.2007 Fachtagung Bauunterhaltung historischer Gebäude, Herangehensweise und Erfahrungen in Frankfurt/Main
- 16./17.11.2007 25. Workshop Ingenieur und Denkmalpflege Thurnauer Kreis, Schloss Thurnau
- 08.-12.01.2008 Internationale Fachmesse für Bau und Ausbau DEUBAU 2008 in Essen
- 07.02.2008 Präsentation für Vertreter der Städte und Denkmalbehörden im Wetteraukreis, Himbach
- Projektvorstellung in der Broschüre und auf Plakaten des DFWZ QLB anlässlich des 10-jährigen Bestehens, Internetlink über BauBeCon Sanierungsträger GmbH
- Tag des Offenen Denkmals 2007/08, div. Präsentationen im DFWZ QLB, Vortrag: Typische Bauschäden nach Sanierungen und Empfehlungen für nachhaltige Innendämmung
denkmal, Europäische Messe für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung, Leipzig 2008
- Jahresbericht 2008, Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlung 2009 des DFWZ QLB e.V.
- 10.06.2009 Melsungen/Hessen, Vortrag Innendämmung im Fachwerk: Das ökologische Pilotprojekt unter wissenschaftlicher Begleitung und Hinweise zur fachgerechten Planung und Sanierung mit Beispielen aus dem Projekt: Folgeschäden nach Sanierungsmaßnahmen
- 03.07.2009 Kaub/Nordrhein-Westfalen, Vortrag in der Themenreihe Tatort Altbau - Altbaugerechte Innendämmung - Folgeschäden nach Sanierungsmaßnahmen
- 11.11.2009 Potsdam/Brandenburg, Vortrag Energetische Sanierung denkmalgeschützter Gebäude, Typische Bauschäden nach Sanierungen
- 18.11.2009 Wolfhagen/Hessen, Vortrag im Rahmen der Fachwerktriennale Typisch Fachwerk - fachkompetent vitalisieren, Forschungsprojekt Quedlinburg, Bauschäden durch falsches Sanieren
- 26.11.2009 Quedlinburg, Vortrag Bauministerium, Typische Bauschäden nach Sanierungen und Empfehlungen für nachhaltige Innendämmung
- 09.02.2010 AFB - Reihe 14/Wochenblock IX 2010, Planung, Instandsetzung, Sanierung historischer Holzgefüge, Bauphysikalische Grundlagen zum Fachwerkbau Propstei Johannesberg Fulda


Fazit

Betrachtet man die zunehmenden Anforderungen der von der Bundesregierung erlassenen EnEV im Vergleich zu den von der WTA erarbeiteten Anforderungen an die Fachwerkinstandsetzung Merkblätter 8 - 1 bis 8 - 9 und Ergänzungsblätter, lässt sich eine zunehmende Diskrepanz der schadfreien Umsetzung insbesondere von nachträglichen Dämm-Maßnahmen sowie eine zunehmende Verunsicherung bei Planern, Handwerkern, Energieberatern und Bauherren feststellen.
Die Ergebnisse aus dem Bauschadensprojekt verdeutlichen, dass nach wie vor ein Defizit bei den Planungsleistungen und der handwerklichen Umsetzung von Fachwerksanierungen besteht. Das betrifft insbesondere die Methode der Auswahl und Kombination von Baustoffen, Bauteilen und Systemen, aber auch die Fehleinschätzung der daraus resultierenden bauklimatischen Veränderungen. Der Aspekt der Billigsanierung steht meist im Vordergrund der Überlegungen; bautechnisch relevante Gesichtspunkte, wie z.B. Witterungseinflüsse, Einflüsse aus dem Nutzerverhalten, technische Möglichkeiten und Grenzen einer dauerhaften Fugenabdichtung in Fachwerkgebäuden, Anwendung von Berechnungsverfahren und Simulationsprogrammen werden in ihrem Stellenwert unterschätzt.
Daher sollte der Wissensstand für Handwerker, Planer und Institutionen mit Hilfe von berufsbegleitenden Qualifizierungsmaßnahmen deutlich zu verbessert werden, aber auch mit Hilfe von Seminaren und Vorlesungsreihen für Studenten schon berufsvorbereitend ein höherer Wissensstandard angestrebt werden.

Förderzeitraum: 13.10.2005 - 31.12.2009 (4 Jahre und 3 Monate)
Fördersumme: 50.000,00
Förderbereich: I.3.2
Stichworte: Baubestandspflege, Denkmal, Kommunikation, Demonstration
Publikationen: