Schlupfwespen zur biologischen Bekämpfung eines neuen Gemüseschädlings

Aktenzeichen 22267/01
Zusammenfassung / Abstract:
Abschlussbericht: DBU-Abschlussbericht-AZ-22267.pdf (1.74 MB)
Projektträger: AMW Nützlinge GmbH
Außerhalb 54
64319 Pfungstadt
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Telefon: 061 57 / 99 05 95
Internet: -
Bundesland: Hessen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Helicoverpa armigera (H.a.) ist ein neuer Schädling in Deutschland, der vor allem im Gemüse aufritt. Gefährdet sind im europäischen Raum etwa 60 Kulturpflanzen, darunter Tomate, Paprika, Mais, Bohnen, Erbsen, Tabak, Kohlarten und sogar Sonnenblumen. In Afrika und Indien ist H.a. der Hauptschädling an Baumwolle, daher stammt sein Name Baumwollkapselwurm. Pflanzenschutzberater wurden in den letzten Jahren zunehmend mit Anfragen aus Süddeutschland, Österreich, Ungarn und der Schweiz zur Bekämpfung dieses eingewanderten neuen Schädlings konfrontiert. Wanderflüge aus dem Mittelmeerbereich bis in die Niederlande sind nachgewiesen. In Gewächshausbetrieben mit Nützlingseinsatz (u. a. gegen Weiße Fliege, Blattläuse) gefährdet der neue Schädling die Aufrechterhaltung der biologischen Pflanzenschutzmethoden. Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln gegen H.a. kann jedoch durch die Anwendung von Trichogramma-Schlupfwespen vermieden werden. Die kleinen Nützlinge machen die Eier dieses neuen Schädlings unschädlich und haben sich bereits im Baumwollanbau bewährt. Allerdings ist es notwendig, geeignete heimische Trichogramma-Arten auszuwählen und die genaue Vorgehensweise für eine erfolgreiche Bekämpfung von H.a. in Deutschland zu entwickeln.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenInnerhalb von drei Jahren sollten für den Anwender kurzfristig umsetzbare biologische Bekämpfungs-maßnahmen gegen H.a. erarbeitet werden, um damit die bestehende Praxis des Nützlingseinsatzes im Gewächshaus zu schützen. Die Untersuchungen mit heimischen Trichogramma-Zuchtlinien bauen aufeinander auf. Es wurden zunächst unter konstanten Laborbedingungen, dann in Käfigversuchen und schließlich in betroffenen Gewächshausbetrieben Bekämpfungsversuche durchgeführt. Geprüft und verglichen wurde die Suchleistung der Schlupfwespen auf unterschiedlichen Kulturpflanzen. Daraus folgend werden die erforderliche Dosierung und die Ausbringungstechnik für die Praxis erarbeitet. Der natürliche Schädlingsflug wurde mit Pheromonfallen beobachtet und die Eiablage in den Kulturen untersucht, um den optimalen Freilassungszeitpunkt für Trichogramma gegen H.a. zu ermitteln. Der Trichogramma-Einsatz wurde in die bestehenden Pflanzenschutzmaßnahmen der Gewächshausbetriebe integriert.


Ergebnisse und Diskussion

Die Untersuchungen zur Bekämpfung von Helicoverpa armigera haben deutlich gemacht, das es sich um einen ernst zu nehmenden neuen Gemüseschädling handelt. Es konnte ein jährlicher Zuflug in den Oberrheingraben im Raum Freiburg festgestellt werden. Dieser Standort wird für ein ständiges Monito-ring von H.a. empfohlen. Entgegen dem starken Befall 2003 an Tomate, Mais, Lauch und Tabak, wurde H.a. in den Versuchsjahren 2005-2007 geringer an Tabak und sehr selten an Mais, Zierpflanzen und Lauch beobachtet. Tabak wird als attraktive Wirtspflanze gegenüber anderen bevorzugt, wie Laborver-suche belegen. Der Zuflug von H.a. findet im Vergleich zu 1975 um fast zweieinhalb Monate früher statt. In 2007 konnte mit Pheromonfallen ein Zuflug bereits Ende Juli nachgewiesen werden. Eine erste Eiab-lage erfolgte Anfang August. Der frühe Flug korreliert mit den steigenden Temperaturgraden infolge der Klimaerwärmung. Daher ist zukünftig mit zunehmenden Schäden durch H.a. in der Landwirtschaft und im Gemüse- und Gartenbau (Zierpflanzen) zu rechnen. Problematisch für die Praxis ist die Identifikation der sehr variablen Larven und der unscheinbaren Falter. Hier wird den Praktikern eine Bestimmungshilfe angeboten.
Es konnten natürlich auftretende Schlupfwespen und bereits in Zuchten verfügbare Trichogramma-Arten und -Stämme genutzt werden, um eine biologische Bekämpfung des neuen Schädlings zu untersuchen. Aufgrund der eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten von Trichogramma-Eiparasitoiden auf den stark mit Drüsenhaaren besetzten Tabakblättern und einer nicht immer sicheren Prognose mit Hilfe von Phero-monfallen, wurde mit Bracon brevicornis zusätzlich ein Larvalparasitoid gegen H.a. getestet. Dieser wies jedoch keine ausreichende Präferenz auf und parasitierte nach guten Ergebnissen im Laborversuch un-ter praxisnahen Bedingungen H.a. nicht. Die nahe verwandte Brackwespe B. hebetor akzeptierte H.a.-Larven nicht als Wirte. Campoletis sp., ein Larvalparasitoid aus der Familie der Ichneumonidae, erreichte in 2006 mehr als 12% natürliche Parasitierung der Larven von H.a.. Eine Zucht dieser Schlupfwespe, die auf Raupen von Eulenfaltern spezialisiert ist, gelang nicht. Sie wäre für die Zukunft ein interessanter Kandidat als neuer Nützling gegen Gemüseschädlinge.
Während bei Tomaten die Behaarung die Suchleistung nur wenig behinderte, wurde sie auf der Blattoberfläche bei Tabak verhindert. In Akzeptanz-, Parasitierungs- und Suchleistungstests erwiesen sich Stämme der Arten T. brassicae, T. cacoeciae und T. evanescens als geeignet. T. brassicae (BRA Kz) und T. cacoeciae (CAC D 90 O) zeigten eine gute Suchleistung in den Käfigversuchen und eine deutliche Akzeptanz von H.a.. BRA Kz war zudem im Lebenstafel-Test bei 30°C lebensfähiger als andere Stämme, jedoch bereitete dieser Stamm in Massenzucht Parasitierungsprobleme. Daher wurden weitere Versuche mit der Zuchtlinie BRA Da durchgeführt. Für die Art T. cacoeciae spricht trotz der insgesamt geringeren Suchleistung in den Praxistests, dass die Art langlebig ist, nur Weibchen auftreten und sie in Laborversuchen eine hohe Parasitierungsrate auf behaarten Oberflächen aufwies. Für T. evanescens steht trotz geringerer Leistung ein Stamm aus Kohl (EVA 1-DE 97 K) zur Verfügung, der auch gegen andere auftretende Gemüseschädlinge wirksam wäre und in den Bekämpfungsversuchen mit H.a. eine stabile Leistung zeigte. Für die Praxis empfiehlt sich eine Mischung der Zuchtlinien BRA Da und der langlebigen CAC D 90 O, die auf behaarten Oberflächen eine bessere Eignung zeigte. Schließlich wäre ein Anteil der aus dem Gemüse stammenden EVA 1-DE 97 K in einer Mischung zu empfehlen, um weitere Noctuiden wie Mamestra brassicae und Autographa gamma sicher mit zu erfassen.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die laufenden Untersuchungen und die abschließenden Ergebnisse des Projektes wurden während der gesamten Laufzeit auf entsprechenden Fachtagungen präsentiert und zur Diskussion gestellt. Dies waren die Deutsche Pflanzenschutz-Tagung, die Internationale Entomologen-Tagung, die Arbeitstagung Biologischer Pflanzenschutz des Deutschen Pflanzenschutzdienstes und der Arbeitskreis der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Angewandte Entomologie.
Zusätzlich wurde eine Broschüre erstellt, die Gemüsebauern auf diesen neuen Schädling aufmerksam macht und die biologischen Bekämpfungsmöglichkeiten aufzeigt und erläutert.

Veröffentlichungen und Tagungsbeiträge zu diesem Projekt:
- ZIMMERMANN, O., WÜHRER, B., BATHON, H. (2008): Untersuchungen zur Bekämpfung von Helicoverpa armigera in Deutschland - eine Bilanz. Pflanzenschutz-Tagung 2008, Kiel (angemeldet)
- ZIMMERMANN, O., WÜHRER, B., BATHON, H. (2007): Die biologische Bekämpfung von Helicoverpa armigera in Deutschland.Einsatzmöglichkeiten von Trichogramma spp. und Schlupfwespen anderer Gattungen. Entomologen-Tagung 2007, Innsbruck. Mitteilungen der DGaaE 16 (im Druck)
- ZIMMERMANN, O. (2006): Which indigenous beneficials can control the cotton bollworm? A selection of suitable Trichogramma - species to control Helicoverpa armigera in green houses [Welche heimi-schen Arten bekämpfen den Baumwollkapselwurm ? - Auswahl geeigneter Trichogramma - Arten zur Bekämpfung von Helicoverpa armigera im Gewächshaus]. DGaaE-Nachrichten 21 (1): 2S.
- ZIMMERMANN, O., (2006): Baiting studies to survey the occurrence of Trichogramma-species and -strains in agricultural and garden areas in Germany. DGaaE-Nachrichten 21 (1): 2S.
- ZIMMERMANN, O., WÜHRER, B., BATHON, H. (2005): Untersuchungen zur Akzeptanz und Suchleistung von heimischen Trichogramma - Stämmen zur Bekämpfung von Helicoverpa armigera in Deutsch-land. Pflanzenschutz-Tagung 2006, Göttingen. Mitteilungen der Biologischen Bundesanstalt.
- ZIMMERMANN, O. (2005): Der Baumwollkapselwurm - ein neuer Schädling in Gemüsekulturen und seine biologische Bekämpfung mit Trichogramma-Schlupfwespen. Gemüse (3): 20-23.
- ZIMMERMANN, O. (2005): Das Auftreten von Helicoverpa armigera in Deutschland - eine Übersicht und erste Untersuchungen zur biologischen Bekämpfung. In: Tagungsband, Arbeitstagung Biologi-sche Schädlingsbekämpfung, 30.11.-01.12.2005, Griesheim. Pflanzenschutzdienst der Länder. 2 S.
- ZIMMERMANN, O. & WÜHRER, B. (2004): Selection of Trichogramma strains for the biological control of Helicoverpa armigera in Southern Germany and Austria [Auswahl von Trichogramma - Stämmen zur Bekämpfung von Helicoverpa armigera in Süd-Deutschland und Österreich]. Egg Parasitoid News 16, 21-22.


Fazit

Trotz des geringen natürlichen Befalls durch H.a. in in Gemüsekulturen im Versuchszeitraum konnten wichtige Empfehlungen für die Praxis erarbeitet werden. Der Einsatz von Schlupfwespen gegen Helicoverpa armigera steht nun als alternative Bekämpfungsmöglichkeit zur Verfügung. Somit ist ein Verzicht oder zumindest die Reduktion des Einsatzes von chemischen Pflanzenschutzmitteln in Gemüsekulturen gewährleistet. Die Untersuchung von biologischen Bekämpfungsmöglichkeiten gegen einen neuen Schädling im Pflanzenschutz wie im vorliegenden Fall hat Modellcharakter für weitere zukünftige Zuwanderer. Es gilt sie rechtzeitig, im Sinne einer präventiven Bekämpfung, zu untersuchen, um auf Massenzuflüge wie in 2003 angemessen mit biologischen Bekämpfungsmitteln reagieren zu können.

Förderzeitraum: 01.01.2005 - 31.12.2007 (2 Jahre und 12 Monate)
Fördersumme: 235.287,00
Förderbereich: II.5.1
Themengebiet: Umweltforschung
Stichworte: Naturschutz, Landnutzung
Publikationen:
Geografisch:


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