ECOBAU - Ökologische Bauberatung

Aktenzeichen 21696/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.05 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Architektenkammer Niedersachsen
Friedrichswall 5
30159 Hannover
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Telefon: 0511/28096-60
Internet: http://www.aknds.de
Bundesland: Niedersachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Ökologische Belange leiden angesichts der stark rückläufigen Bauausgaben unter einem Realisierungsdilemma. Trotz der unstrittigen Einsicht, dass eine Vielzahl unserer Umwelt- und Gesundheitsprobleme sich auf Bauwerke und deren Nutzung beziehen lässt, wird in diesem Gebiet kaum investiert. Gleichwohl besteht auf Verbraucher- und Unternehmerseite hinsichtlich der ökologischen und gesundheitlich unbedenklichen Herstellung und Nutzung von Wohn- und Arbeitsräumen oft große Unsicherheit.
Durch das Projekt ECOBAU soll im Focus Altbauinstandsetzung der Markt für das ökologische Bauen, ökologische Innovationen, Investitionen und Produkte durch Know-how- und Wissenstransfer auf einer breiteren Basis als bisher geöffnet werden. Architekten, Planer und Ingenieure können durch ihre Funktion als gewerkeunabhängige Bauherrenberater das ökologische Bauen direkt und praxisnah vermitteln und als Multiplikatoren und Träger von Fachwissen tätig werden.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt besteht aus drei Bausteinen, wobei der Lehrgang das Kernelement bildet. Er behandelt die Themen Ökologie, Umweltrecht, Umwelt- und Arbeitsmedizin, Baubiologie, Bauchemie, Schadstoffsanierung, Brand-, Schall- und Emissionsschutz, Umwelt-, Arbeits- und Gesundheitsschutz. Der Kurs ist berufsbegleitend über einen Zeitraum von 3 Monaten mit wöchentlich wechselnden Präsenz- und Heimarbeitsphasen organisiert. Der umfangreiche Lehrgangsordner ECOKURS - Fachplanung Umwelt- und Gesundheitsschutz im Hochbau - zu beziehen bei der Architektenkammer Niedersachsen- mit Skripten zu jedem Themengebiet ermöglicht die kontinuierliche Vor- und Nachbereitung der Inhalte. Auf der Internetseite www.ecobau.net steht allen Teilnehmern eine Lern- und Informationsplattform mit u.a. aktuellen Vortragsfolien, Workgroups, umfangreichen Datenbanken, Online-Bibliothek und rechtlichen, normativen und technischen Neuigkeiten dauerhaft zur Verfügung. Der zweite Baustein (Netzwerk) beinhaltet den Aufbau eines Netzwerkes kompetenter Institutionen und Experten zur gemeinsamen Bearbeitung von Fachthemen, zur Organisation weiterer übergreifender Veranstaltungen, sowie die gemeinsam organisierte Beschaffung notwendiger Materialien und Medien, die vertraglich organisierte Zusammenarbeit mit Untersuchungslabors und die gemeinsam organisierte Beschaffung und Wartung von Mess- und Analyseinstrumenten. In Baustein drei (Öffentlichkeitsarbeit) soll eine gezielte Verbraucheransprache sowie eine öffentlichkeitswirksame Aufklärung hinsichtlich des ökologischen und gesunden Planen und Bauens entwickelt werden. Dabei ist besonders die Sensibilisierung des Marktes ein vorrangiges Element, das durch eine bundesweite Zusammenarbeit mit ebenfalls auf diesem Gebiet tätigen Organisationen und Institutionen im Sinne eines gemeinsamen wirtschaftlichen und ökologischen Ziels durchgeführt werden kann.


Ergebnisse und Diskussion

Der Lehrgang wurde in der Pilotphase vom 02.09. bis 10.12.2005 mit 30 Teilnehmern durchgeführt, von denen 24 den Gesamtlehrgang mit Zertifikat abgeschlossen haben. Durch die einzeln - auch auf mehrere Kurse verteilt - zu belegenden Module, wurde eine flexible und trotz des umfangreichen Stoffes auch berufsbegleitende Belegung ermöglicht. Der halbjährlich fortlaufende Charakter gewährleistet einen Abschluss auch bei Belegungslücken. Der Lehrgangsordner, die internetgestützte Lernplattform, die Online-Bibliothek und der im gleichen Medium fortgeführte und unbegrenzt zur Verfügung stehende Informationspool wurden als hilfreiches Werkzeug - auch für die spätere Tätigkeit - empfunden. Die integrierten Workgroups ermöglichten trotz der zum Teil großen räumlichen Distanz der Teilnehmer zwischen den Präsenzphasen ein gemeinsames Arbeiten.
Die Ergebnisse der Evaluation haben gezeigt, dass der Lehrgang Inhalte vermittelt, die in den standardisierten Studiengängen an den Hochschulfachbereichen Architektur- und Bauingenieurwesen bisher keine Berücksichtigung fanden. Vor allem für Bauleistungen im Bestand wurden bis dato wenig Schwerpunkt-ausbildungen angeboten. Die Komplexität moderner und modernisierter Bauten führt zudem nicht selten -in der Praxis auch durch Wirtschaftlichkeitserwägungen- zu einer einseitig ausgerichteten Planung in Richtung Energieeffizienz.
Sinkende Auftragszahlen im Neubausektor und die zunehmende Zahl von Umnutzungen und Altbausanierungen werden künftig zu einer erhöhten Nachfrage von qualifizierten Ingenieuren im Spektrum Altlasten-, Schadstoffsanierung und Ökologie sowohl im Planungs- als auch im Dienstleistungsbereich führen. Auch ein zunehmender Bedarf an beratenden und gutachterlichen Funktionen zur technischen und gesundheitlichen Gebäudebeurteilung ist zu erwarten.
Eine fundierte Ausbildung ist in diesem Tätigkeitsfeld zwingend notwendig und gewährleistet besonders im Focus Mensch und Umwelt ein sensibles und qualifiziertes Vorgehen. Die primäre Beurteilung baulich evozierter Krankheiten, die Kenntnisse zu Wechselwirkungen zwischen Mensch und baulichem Umfeld sowie die Erkennung und Beurteilung von Schadstoffen und die damit verbundene Entscheidungsfähigkeit zu einem verantwortungsvollen Handeln erfordern ein breit gefächertes Grundlagenwissen. Hinsicht-lich der Beschaffung von Mess- und Analyseinstrumenten zeigte sich in dieser Projektphase ein begrenzter Bedarf, da Architekten und Ingenieure i.d.R. in beratender und planender Funktion tätig sein werden und hier die Beteiligung und Koordination von Spezialisten sinnvoller ist. Ein neu eingerichteter Arbeitskreis der Absolventen betonte die Notwendigkeit eines regelmäßigen Erfahrungsaustauschs, da selten nach Standards und Musterabläufen vorgegangen werden kann. Zukünftigen Teilnehmern kann er als wichtiger Informations-Pool dienen und zum Wissenstransfer innerhalb der Gruppe beitragen. Bereits im Zuge der Abschlussaufgabe des Pilotkurses in Form eines selbst gewählten Projekts zeigte sich der Handlungsbedarf und die Vielschichtigkeit des Themas. Dass neu erworbene Wissen wurde zum Teil auch schon bei laufenden Projekten der Planungsbüros eingesetzt. Es wurde deutlich, dass den Teilnehmern erst durch die qualifizierte Herangehensweise Schäden und vor allem gesundheitliche Belastungen in ihrem Ausmaß erkennbar wurden. Krankheitsbilder konnten gedeutet und eingeordnet werden, so dass der Architekt auch im Sinne des Verbraucherschutzes eine wichtige Funktion erfüllen kann.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Elemente Öffentlichkeitsarbeit und Praxissupport sind ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. Radiosendungen, Fachartikel in Tageszeitungen und Verbraucherzeitschriften, aber auch gezielte Architektensprechstunden vor Ort und Messeaktionen sollen das Thema offensiv kommunizieren. Ein zu Beginn der Lehrgangsreihe durchgeführtes Symposium mit 120 Teilnehmern zeigte nicht nur bei Fachleuten starke Resonanz und verdeutlichte die Aktualität und Wertigkeit des Themas. Fachübergreifende Kooperationen und Veröffentlichungen in fachfremden Organen (z. B. Ärzteblatt) betonen den Anspruch an ein interdisziplinäres Handeln. Öffentlichkeitswirksame Vor-Ort-Beratungen und Praxisaktionen sind geplant.


Fazit

Das im Lehrgang vermittelte Wissen über baumedizinische, bauchemische und baubiologische Zusam-menhänge im Gesamtkomplex ‚Bau und die Kenntnis aktueller technischer, rechtlicher und normativer Entwicklungen bietet - verstärkt durch den Anspruch an einen Wissenstransfer zwischen den Baubeteiligten und darüber hinaus - einen effizienten Ansatz für ein ganzheitliches, nachhaltiges und zukunftsfähiges Handeln.
Bilanzierend kann festgehalten werden, dass ein innovatives Weiterbildungskonzept mit einer kontinuierlichen Entwicklung zur Unterstützung und Erweiterung des Berufsfeldes von Architekten institutionalisiert werden konnte.

Förderzeitraum: 01.01.2004 - 31.03.2005 (1 Jahr und 3 Monate)
Fördersumme: 15.000,00
Förderbereich: III.8.3
Themengebiet: Umweltkommunikation
Stichworte: Umweltforschung, Umweltkommunikation, Klimaschutz, Umwelttechnik
Publikationen:

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