Kirchliche Beiträge zu einer Neuorientierung der Landwirtschaft

Aktenzeichen 21194/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.11 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
Abschlussbericht: Kein Treffer. Bitte versuchen Sie noch die Suche im OPAC.
Projektträger: Clearingstelle Kirche & Umwelt
Don-Bosco-Str. 1
83671 Benediktbeuern
weitere Projekte aus der Umgebung
Telefon: 08857/88224
Internet: http://www.kloster-benediktbeuern.de/clear
Bundesland: Bayern
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Theoretische Basis des Projektes ist das Diskussionspapier mit dem Titel Neuorientierung für eine nachhaltige Landwirtschaft, das nach intensiven Beratungen einer ökumenischen Arbeitsgruppe von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland veröffentlicht wurde. Durch das Projekt soll sich die Intention der Schrift konkretisieren, einen offenen Dialog über notwendige Reformen, tragende Werte und künftige Chancen der Landwirtschaft anzustoßen. Ziel des Projektes ist ein Beitrag zur sozial- und umweltethischen Grundlagenreflexion hinsichtlich einer Neuorientierung der Landwirtschaft sowie die Unterstützung kirchlicher Bildungs- und Praxisinitiativen hierzu. Die Kompetenz der kirchlichen Landverbände und Bildungseinrichtungen soll gestärkt werden, damit die in der Landwirtschaft tätigen Christinnen und Christen in ihnen eine ausgewogene und ermutigende Beratung hinsichtlich der Chancen und Hürden einer nachhaltigen Landwirtschaft finden.
Von der konsequenten Verknüpfung wissenschaftlicher Reflexion christlicher Sozialethik, kirchlicher Verkündigung und zielgruppen- und umsetzungsorientierter Kommunikation wird ein fruchtbarer Lernprozess der unterschiedlichen Ebenen kirchlicher und gesellschaftlicher Akteure erwartet. Das Projekt soll exemplarisch eine dialogoffensive Sozialethik verwirklichen, wie sie in Zukunft aufgrund der pluralistischen Situation für die Kirche immer mehr notwendig sein wird.
Inhaltlich konzentriert sich das Projekt auf Beiträge und Innovationen für eine multifunktionale Landwirtschaft, aus denen sich - so eine zentrale These - in der Summe vieler kleiner Schritte neue Berufsfelder und schließlich ein neues Berufsbild für Landwirtinnen und Landwirte ergeben kann.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAufbauend auf das Diskussionspapier sind Diskussionsforen und Tagungen mit relevanten kirchlichen und gesellschaftlichen Multiplikatoren sowie Arbeitsmaterialien mit Praxisbeispielen für die kirchliche Bildungsarbeit geplant.


Ergebnisse und Diskussion

Das Projekt hat eine intensive ökumenische und deutschlandweite Zusammenarbeit der kirchlichen Akteure im landwirtschaftlichen Bereich ermöglicht und zu einer Bündelung ihrer unterschiedlichen Kompetenzen für einen offensiven Diskurs in Kirche und Gesellschaft geführt (Tagung im März 2004 in Osnabrück, Praxisbuch zum Mehr-Wert nachhaltiger Landwirtschaft, Einzelveranstaltungen in kirchlichen Verbänden und Bildungseinrichtungen). Es hat wesentlich dazu beigetragen, das gemeinsame Wort der EKD und DBK Neuorientierung für ein nachhaltige Landwirtschaft ins Gespräch zu bringen und kontrovers zu diskutieren (1. Auflage 10.000, 2. Auflage im März 2004: 5.000).
Eine theologisch-ethische Diskussion zur Landwirtschaft als zentralem Bewährungsfeld für Armutsbekämpfung, Gerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung wurde angestoßen (Katholikentag in Ulm, Jahrestagung der deutschsprachigen Sozialethiker, Lehrveranstaltungen, Vorträgen, Publikationen).Für die politische Diskussion auf europäischer Ebene wurden Textvorlagen für Stellungnahmen des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) sowie der Vertretung der Europäischen Bischofskonferenzen in Brüssel (COMECE) erfolgreich eingebracht.
In der sozialethisch-theologischen Diskussion haben sich aus dem Projekt folgende Thesen ergeben:
- Der primäre Engpass für weltweite Ernährungssicherung ist nicht die Menge an verfügbaren Nahrungsmitteln auf dem Weltmarkt, sondern der Verlust eigenständiger landwirtschaftlicher Strukturen und Kompetenzen sowie sozial-politische Instabilität in Entwicklungsländern. Nur eine standortangepasste multifunktionale Landwirtschaft ist krisenrobust.
- Die vielfältigen Fehlentwicklungen globaler Agrarpolitik können überwunden werden durch eine Verankerung Ökosozialer Marktwirtschaft auf globaler Ebene, auch in der WTO und den internationalen Finanzmärkten. Angesichts der Klimaveränderungen wird dies zur strategischen Überlebensfrage.
- Der durch Grüne Gentechnik ausgelöste Strukturwandel der Landwirtschaft muss durch intensive Anstrengungen zum Schutz der bestehenden Kultursorten und Wissensbestände besonders in Entwicklungsländern flankiert sowie konsequent auf multifunktionale Nachhaltigkeit statt linear auf Produktionsmaximierung ausgerichtet werden.
- Den Verbrauchern kommt eine Schlüsselrolle zu für die Ermöglichung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Über ihre vielen Bildungseinrichtungen und in Anknüpfung an christliche Traditionen können die Kirchen für eine Ernährungskultur, die nicht auf Verzicht, sondern auf Qualitätsbewusstsein und Wertschätzung beruht, motivieren.
Mit einem Einkaufsvolumen von ca. einer Milliarde Euro pro Jahr bieten die kirchlichen (Groß-)küchen in Krankenhäusern, Verwaltungsgebäuden, Kindertagesstätten, Bildungshäusern, Alten- und Behindertenheimen auch auf institutioneller Ebenen große Potentiale für mehr Verbraucherverantwortung.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Zu einzelnen Etappen des Projektes fanden in Benediktbeuern Pressegespräche am 22.7.2003, 15.1.2004 und 9.9.2004 statt. Darüber hinaus gab es Medienberichte zu Einzelveranstaltungen und Vorträgen. Erreicht wurden lokale und kirchliche Presse sowie die landwirtschaftliche Fachpresse. Zentrale Präsentationsforen der Ergebnisse des Projektes sind kirchliche Texte zum Bereich Landwirtschaft, die unter Mitwirkung der Projektträger entstanden; insbesondere:
- Zentralkomitee der Katholiken: Agrarpolitik muss wieder Teil der Gesellschaftspolitik werden. Plädoyer für eine nachhaltige Landwirtschaft, Bonn November 2003.
- Clearingstelle Kirche und Umwelt, KLB, KLJB, ADL, AG der Umweltbeauftragten u. a. (Hrsg.): ... es soll nicht aufhören Saat und Ernte (Gen 8,22). Ein Praxisbuch zum Mehr-Wert nachhaltiger Landwirtschaft, München 2004 (50 Praxis- und Diskussionsbeiträge; Quellenmaterial für weitere Zusammenarbeit und deren ethische wie praktische Orientierung, Auflage 10.000).
Darüber hinaus sind Vorträge der Tagung Kirchliche Beiträge für eine nachhaltige Landwirtschaft (25. - 26. 3. im ZUK der DBU) auf CD-Rom dokumentiert.


Fazit

Die Kirchen haben ein außerordentlich reiches Spektrum an spezifischen Kompetenzen, Erfahrungen und institutionellen Voraussetzungen für einen Beitrag zu nachhaltiger Landwirtschaft. Prägend ist dabei die produktive Spannung zwischen dem sozialen Zugang der kirchlichen Seelsorge und Entwicklungshilfe, dem ökonomischen Zugang der verbandlichen Seite und dem ökologischen Zugang der Umweltgruppen. Insgesamt steht die traditionell intensive Beziehung zwischen Kirche und ländlicher Bevölkerung angesichts des umfassenden Strukturwandels, der gegenwärtig stattfindet, vor einer tiefen Bewährungsprobe. Deren Bewältigung kann nur gelingen in einer multifunktionalen und zukunftsorientierten Ausrichtung an dem Leitbild der Nachhaltigkeit, das in den Kirchen langsam aber unumkehrbar als Ausdruck christlicher Schöpfungsverantwortung anerkannt wird.

Förderzeitraum: 15.10.2002 - 15.08.2004 (1 Jahr und 10 Monate)
Fördersumme: 80.486,00
Förderbereich: III.11.1
Themengebiet: Umweltkommunikation
Stichworte: Naturschutz, Umweltkommunikation, Landnutzung
Publikationen: