Urwald-Life-Camp - Aufbau von Nationalpark-Treff und Jugendherberge Harsberg im Nationalpark Hainich (Thüringen)

Aktenzeichen 20576/01
Abschlussbericht:
Projektträger: DJH-Landesverband Thüringen e. V.
Zum Wilden Graben 12
99425 Weimar
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Telefon: 03643/85 07 95
Internet: -
Bundesland: Thüringen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Gegenstand des Projektes Urwald-Life-Camp war die Errichtung einer Jugendherberge in Kombination mit einer Nationalparkeinrichtung unter dem Gesichtspunkt, Freizeit, Bildung, Wohnen und Konsum als Einheit zu erleben und die Einrichtung als Knotenpunkt einer nachhaltigen Regionalentwicklung zu etablieren. Besonderes Augenmerk sollte auf einer Bildung im Sinne nachhaltiger Entwicklung liegen. Als Besonderheit wurde der bedürfnisorientierte respektive zielgruppenorientierte Ansatz herausgestellt, d.h. nicht zu versuchen, die Zielgruppe blindlings mit Bildungsangeboten zu konfrontieren sondern deren eigene Interessen und Bedürfnisse mithilfe nachhaltiger Lösungsstrategien zu bedienen. Dadurch sollte es ermöglicht werden, ein breiteres Zielgruppenspektrum anzusprechen, als dies bisher durch klassische Nationalpark- und Einrichtungen der Nachhaltigkeitsbildung erfolgt. Durch innovative Angebote sollte der Erlebnischarakter des Bildungsaspekts hervorgehoben werden, um auch bildungsfernere Zielgruppen anzusprechen. Durch Teilhabe an dem Geschehen, an der grundsätzlichen Ausrichtung des Hauses sowie an der Programmentwicklung sollte für eine hohe Identifikation der Gäste, Partner und der Region mit dem Projekt gesorgt werden.

Während der Projektförderlaufzeit wurde mit der Konzeption des Spiels Nakundu - Abenteuer im Hainichland der Grund für einen quasi das ganze Herbergsgeschehen umfassenden Bildungsansatz im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung gelegt.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Errichtung des Urwald-Life-Camps bestand einerseits aus der physikalischen Schaffung der angeforderten Gegebenheiten, andererseits aus der inhaltlichen Ausarbeitung des pädagogischen Konzepts, das seinerseits Rückwirkungen auf die baulichen Anforderungen zeitigte. Um das sich daraus ergebende Dilemma zu lösen, wurde neben der Projektsteuerungsgruppe eine Programm-AG unter Moderation des Lehrstuhls für Biodidaktik am Institut für Didaktik der Naturwissenschaften der Leibniz-Universität Hannover und unter paritätischer Mitwirkung der Hauptkooperationspartner besetzt, die in zehn Workshops das pädagogische Konzept und die Anforderungen an die baulichen Gegebenheiten ausarbeitete und an die Steuerungsgruppe kommunizierte.

Wesentliche Elemente aus baulicher Sicht sind die Seminarräume, die im Zentrum des Neubaus entstanden sind. Die Projektpartner Nationalpark Hainich und Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal konnten hier maßgeblich an der Gestaltung der Räume mitwirken, um die optimalen Bedingungen für die dort stattfindenden Bildungsangebote zu schaffen. Die Gestaltung auch der angrenzenden Bettentrakte lässt eine hohe Identifikation mit den entsprechenden Schutzgebieten aufkommen, so dass die Zusammenarbeit der drei Partner DJH, Nationalpark und Naturpark deutlich sichtbar ist.

Im Zuge der Ausarbeitung entwickelte die Programm-AG die Grundkonzeption zum Spiel Nakundu - Abenteuer im Hainichland, das zukünftig das zentrale Element zur Nachhaltigkeitsbildung am Standort Harsberg sein soll. Zwischen den zwei Seminarräumen ist mit dem über 200 qm großen Spielsaal bereits der Austragungsort für die Spielabende entstanden. Bestandteil des Spiels sind auch die sogenannten Entdeckerkisten, die zielgruppenorientiert verschiedene Aspekte des Nationalparks, des Naturparks und der Hainich-Region insgesamt pädagogisch vermitteln.

Inhaltlich wurden das Leitbild der Jugendherberge und verschiedene Pauschalprogrammangebote mit deutlichem Bezug zum Nationalpark entworfen. Der rote Faden mit klarer Betonung von Umweltschutz, Regionalität und Fairness wurde und wird noch in das gesamte Herbergsgeschehen eingeflochten.


Ergebnisse und Diskussion

Mit dem Urwald-Life-Camp am Nationalpark Hainich ist ein in mehrfacher Hinsicht besonderes Projekt gelungen: Mit der Fokussierung auf Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung hat sich die Jugendherberge schon während ihrer Anlaufphase deutlich profiliert und die Standortfaktoren optimal berücksichtigt. Die lange und konstruktive Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern hat eine in Deutschland einmalige Verbindung zwischen zwei Schutzgebieten und einem Jugendtourismusanbieter begründet. Mit dem Spiel Nakundu - Abenteuer im Hainichland wurde ein möglicherweise wegweisender Ansatz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung geschaffen, der sich freilich erst etablieren muss.

Herausforderungen lagen insbesondere in der bislang nicht erprobten Partnerstruktur und der damit verbundenen unterschiedlichen Herangehensweise an die Thematik, was zeitintensive Annäherungsprozesse erforderlich machte. Als schwierig stellten sich auch die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen und z.T. stark voneinander abweichenden, z.T. undeutlichen Zielsetzungen der verschiedenen Partner heraus. Diese Probleme konnten durch Mitwirkung des Moderationsteams in professioneller Weise überwunden werden.

Eine weitere Schwierigkeit bei der abschließenden Evaluation besteht freilich auch in der Tatsache, dass die Zusammenarbeit zum Zeitpunkt des Abschlusses des Projektes auf einer alltäglichen Basis gerade erst beginnt und die Ergebnisse dieser und der zukünftigen Zusammenarbeit noch gar nicht abzusehen sind. Insofern können auch die bereits jetzt vielversprechenden Ergebnisse der summativen Evaluation des Projektes, die dem Abschlussbericht beiliegen, nur als vorläufig betrachtet werden. Ein Bestandteil der weiteren Zusammenarbeit der Kooperationspartner wird daher auch die kontinuierliche Beobachtung der Qualität der Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung am Standort Harsberg sein.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Das Urwald-Life-Camp wurde bereits mehrfach in Presse, Funk und Fernsehen präsentiert und kann bereits auf mehrere Besuche von hochrangigen Politikern zurückblicken, wie z.B. den Besuch des Bundespräsidenten am 4. Mai 2010 mit der entsprechenden öffentlichen Aufmerksamkeit. Die steigenden Übernachtungszahlen der Jugendherberge (2007: 8.500, 2008: 13.500, 2009: 16.000) und die Besucherzahlen der Nationalpark-Information (2007: 8.500, 2008: 13.000, 2009: 14.000) zeigen, dass das Projekt auch in der Öffentlichkeit gut angenommen wird.

Eine Präsentation des Projektes ist u.a. auf der Geschäftsführertagung der DJH Landesverbandsgeschäftsführer vom 21.-23.09.2010 vorgesehen. Das Projekt wurde ferner anlässlich eines Lehrersymposiums auf der ITB 2009 vorgestellt. Eine weitere Präsentation ist im Zuge einer Fachtagung für Spiel- und Umweltpädagogen im Urwald-Life-Camp für das Jahr 2012 geplant.


Fazit

Das Projekt Urwald-Life-Camp kann trotz der zwischenzeitlichen Verzögerungen (Verlängerung des Projektzeitraums von ursprünglich 81 auf 95 Monate) als Erfolg gewertet werden. Jährlich werden mit steigender Tendenz (2008: 5300, 2009: 6500) junge Menschen erreicht und für Themen wie die Idee der Schutzgebiete, den Naturschutz und die nachhaltige Entwicklung sensibilisiert. Akteure der Umweltbildung und des Tourismus arbeiten hier Hand in Hand zusammen und bereichern sich gegenseitig sowohl was die Quantität der erreichten Zielgruppe als auch was die Qualität der Angebote angeht. Die regionale Verankerung der Angebote (Programmpartner aber auch Speisenangebot/Warenwirtschaft) und Umweltverträglichkeit (CO2-reduzierte Wärmeerzeugung, Energieeinsparung, Abfalltrennung, CO2-neutraler Briefversand etc.) werden vom Team des Urwald-Life-Camps ernst genommen und gelebt. Managementprozesse finden partizipativ statt um durch Einbeziehung der Mitarbeiter sowohl bei den Arbeitsprozessen als auch bei den Zielen des Urwald-Life-Camps Identifikation mit dem Unternehmen zu stiften.

Die noch offenen Entwicklungsperspektiven werden von allen beteiligten Akteuren als Chance wahrgenommen, das bereits jetzt erfolgreiche Unternehmen auf dem Harsberg noch weiter voranzutreiben, zu profilieren und in seinen Strukturen noch konsequenter anhand der ursprünglichen Ideen zu durchdringen. Mit seinem Partnernetzwerk kann das Urwald-Life-Camp hier auf den nötigen Rückhalt vertrauen, auch zukünftig ein Impulsgeber für die Jugendherbergen in Deutschland zu sein und als Standort für Umweltbildung in Zusammenarbeit mit Nationalparks eine feste Größe im deutschsprachigen Raum zu werden.

Förderzeitraum: 05.08.2002 - 30.06.2010 (7 Jahre und 11 Monate)
Fördersumme: 500.000,00
Förderbereich: III.8.1
Stichworte: Naturschutz, Klima, Energie, Schule, UN-Dekade-Bewerbung
Publikationen:

DBU-Publikationen zu diesem Projekt
Urwald Life Camp