Initiierung exemplarischer Maßnahmen zur Revitalisierung degradierter Uferabschnitte des Rheins mit hohem Naturschutzpotenzial (Vorphase)

Aktenzeichen 18847/01
Abschlussbericht:
Projektträger: NABU-Naturschutzstation Niederrhein e.V.
Im Hammereisen 27 E
47559 Kranenburg
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Telefon: 02826/91876-02
Internet: -
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Im Widerspruch zu ihrer großen ökologischen Bedeutung, sind Naturschutzbelange an den großen Flüssen stark vernachlässigt. Durch das Bundeseigentum der Flächen in Verbindung mit der Streuung der Zuständigkeiten auf Bund und Länder und damit verbundene Kostenverteilungsprobleme sind ökologisch motivierte Maßnahmen an Bundeswasserstraßen erheblich erschwert. Die Folge ist eine ausgeprägte Strukturverarmung nahezu sämtlicher großen Flüsse in Deutschland.
Für den Rhein wurden mit dem Rheinprogramm 2020 weitreichende Ziele formuliert, darunter die Erhöhung der Strukturvielfalt im Uferbereich und Entwicklung naturnäherer Flussbettstrukturen am Rhein. Die günstige politische Konstellation soll aktiv genutzt werden zur Initiierung und Durchsetzung beispielhafter Maßnahmen am Rhein. Als Schlüsselproblem wird dabei die Initiierung dynamischer Prozesse und naturnaher Flussbett- und Uferstrukturen bei gleichzeitiger Sicherung der Bundeswasserstraßenfunktion gesehen. Anhand der Modellprojekte sollen neue Bündnisse aus Verwaltung, Verbänden und Politik etabliert werden, um zügig zu realen Verbesserungen am Rhein zu kommen. Als Ergebnis liegen je Rheinabschnitt 2 bis 3 konkrete, beispielhafte und vorabgestimmte Maßnahmen vor. Die Realisierung derselben soll sich im Rahmen eines Folgeprojektes unmittelbar anschließen.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAuf der Grundlage inhaltlicher Recherchen sowie Konsultationen der regionalen Verwaltungen und Verbände werden für jeden Rheinabschnitt die spezifischen Problemstellungen erfasst, entsprechende, örtlich konkrete Maßnahmen konzipiert und mit den übergeordneten Verwaltungsebenen abgestimmt. Aus der resultierenden Liste möglicher Modellvorhaben werden in einem zweiten Konsultationsprozess umsetzbare Vorhaben heraus gearbeitet. Zugleich werden frühzeitig die notwendigen Voraussetzungen für eine Umsetzung geklärt.
Ein Workshop soll die Schlüsselakteure aus den Verwaltungen, Bundes- und ggf. Ländereinrichtungen zusammenführen um auf übergeordneter Ebene die Rahmenbedingungen einer zielführenden Kooperation am Rhein und in den Regionen zu diskutieren. Ein Projektbeirat mit maßgeblichen Fachleuten soll das Projekt kritisch begleiten. Die abschließend als realisierbar herausgearbeiteten Modellmaßnahmen werden in Form einer Skizze und mit den zugeordneten Einschätzungen der Behörden umfassend dokumentiert.


Ergebnisse und Diskussion

Es wurden insgesamt 27 beispielhafte Maßnahmen am Rhein erarbeitet. Im Zuge der anschließenden Abstimmungs- und Konsultationsverfahren wurden daraus zehn kurzfristig realisierbare und acht mittelfristig realisierbare Maßnahmen herausgearbeitet, die von den wichtigsten Institutionen und relevanten Behörden auf Bundes- und Länderebene grundsätzlich unterstützt werden.
Für zehn Modellmaßnahmen zwischen Iffezheim und deutsch-niederländischer Grenze konnten die Rahmenbedingungen im Rahmen der Vorlaufphase soweit geklärt werden, dass sich die Realisierung unmittelbar anschließen kann. Es handelt sich vorwiegend um Maßnahmen, die im Rahmen der Unterhaltung des Gewässers und damit ohne aufwändige Genehmigungsverfahren umgesetzt werden können. Thematischer Schwerpunkt dieser Maßnahmen ist der Rückbau vorhandener Uferbefestigungen wie Steinpackungen und -schüttungen mit dem Ziel, wieder naturnahe Ufer- und Biotopstrukturen zu etablieren und wieder morphodynamische Prozesse zu ermöglichen.
Revitalisierungsprojekte am Rhein sind aufgrund der Größenordnung des Stromes, der Vielfalt an Nutzungsinteressen, Zuständigkeiten und Betroffenheiten in der Regel mit einem umfangreichen und langwierigen Planungs- und Abstimmungsprozess verbunden. Entsprechend wurden mittelfristig realisierbare Maßnahmen aufgenommen. Ziel ist es hier, die Maßnahmen durch Koordination der Planungs- und Genehmigungsverfahren innerhalb der avisierten vierjährigen Umsetzungsphase zur Umsetzungsreife incl. Finanzierung zu bringen, um die Realisierung dann anzuschließen zu können. Thematischer Schwerpunkt der acht Projekte in dieser Kategorie ist die Wiederherstellung / Entwicklung defizitärer Flussbettstrukturen wie dynamische Kiesinseln, Flachwasserzonen - geschützt vor schifffahrtsbedingtem Wellenschlag, früheres Ausufern in regelmäßig durchflossene und / oder angebundene Nebenrinnen und Nebengewässer sowie die ökologische Optimierung von Flussbauelementen.
Der Modellcharakter der Maßnahmen bezieht sich dabei zum einen auf die technischen bzw. inhaltlichen Verfahren, zum anderen auf den Kommunikationsprozess und die initiierten Kooperationsmodelle. Letztere sind über den Rhein hinaus auf Bundeswasserstraßen in Deutschland übertragbar.
Ein Projektbeirat, bestehend aus Vertretern der Bundesministerien für Verkehr und für Umwelt und den zugeordneten Fachämtern bzw. -anstalten sowie der Bundeswasserstraßen-Verwaltung wurde mit dem Ziel etabliert, das Projekt inhaltlich und politisch zu begleiten. Der Beirat traf sich im Rahmen eines Workshop, um grundsätzliche Fragen der Kooperation und der Finanzierung im Hinblick auf die Umsetzung der Modellvorhaben zu diskutieren und Lösungsoptionen zu erarbeiten.
Auf der Ebene der konkreten Modellprojekte wurden einzelfallbezogen diverse Kooperationen angestoßen. Neben bilateralen Kooperationsprojekten zwischen NABU und Bundeswasserstraßenverwaltung gibt es auch Arbeitsgruppen unter Beteiligung des jeweiligen Landes, angrenzender Kommunen, des Wasser- und Schifffahrtsamtes und weiterer Beteiligter. Die Zusammensetzung wird jeweils an dem Ziel ausgerichtet, zügig zur Umsetzung von Maßnahmen zu kommen.
Die Weiterführung des Projektes ist in Form einer vierjährigen Umsetzungsphase vorgesehen, in der die kurzfristig realisierbaren Maßnahmen realisiert und die mittelfristigen Maßnahmen umsetzungsfähig gemacht werden sollen. Die gezielte Aufarbeitung und Verfügbarmachung der Ergebnisse aus der Umsetzungsphase für Behörden, Politik und andere Entscheidungsträger sowie die breite Öffentlichkeit ist Bestandteil der Umsetzungsphase.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Da es sich bei den Ergebnissen des Projektes um Zwischenergebnisse handelt, deren Bedeutung und praktische Relevanz von der Bewilligung der folgenden Umsetzungsphase abhängt, wurden Veröffentlichungen bisher auf einige Verbands- und Fachorgane beschränkt. Artikel sind erschienen in Natur-schutz in NRW 3/2002, Naturschutz Heute 3/2002. In Vorbereitung befinden sich Beiträge für die LÖBF-Mitteilungen 4/2002 und das Umweltjournal Rheinland-Pfalz. Zu einzelnen Modellprojekten wurden Artikel in der Regionalpresse initiiert.
Ein Faltblatt, einsehbar unter www.NABU-Naturschutzstation.de, informiert über Projektziele und -struktur. Das Projekt wurde in eine neu gestaltete Homepage aufgenommen (www.NABU-Naturschutzstation.de).
Für einen begrenzten Benutzerkreis der Wasserbau- und Naturschutzverwaltungen sind die Projektpräsentationen, wie sie auf dem Workshop vorgestellt wurden, auf dem Web-Server Wasserblick (www.wasserblick.de) einzusehen.


Fazit

Die Projektkonzeption hat sich bewährt, die gesteckten Ziele wurden nahezu vollständig erreicht. Die Voraussetzungen für die Realisierung von Modellvorhaben sind an allen drei Rheinabschnitten erreicht, so dass eine Umsetzungsphase unmittelbar anschließen kann.

Förderzeitraum: 01.10.2001 - 20.03.2003 (1 Jahr und 6 Monate)
Fördersumme: 100.724,50
Förderbereich: II.7.2
Stichworte: Revitalisierung , Konzept
Publikationen: