Evaluation und Planung von Maßnahmen für einen Biotopverbund in Land- und Forstwirtschaft des Vorfläming mit Hilfe von Kirchenland

Aktenzeichen 18212/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.11 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Ev. Landeskirche AnhaltsDer Landeskirchenrat

06813 Dessau
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Telefon: 0340/2526-0
Internet: -
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Kirchenland diente bisher ausschließlich der Finanzierung der Pfarrgehälter durch Verpachtung. Nötig ist hier jedoch eine neue Qualität im Umgang mit dem ererbten Eigentum.
Das Vorhaben wird beispielhaft im Vorfläming, einer typischen, ausgeräumten und intensiv genutzten Agrarlandschaft notwendige Maßnahmen für einen Biotopverbund auf landwirtschaftlich und forstlich genutzten, kircheneigenen Flächen vorbereiten. Die intensive Öffentlichkeitsarbeit soll vor Ort Mitmacher, beim Grundbesitzer Kirche in ganz
Deutschland Nachahmer motivieren.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNach der Evaluierung der Wirksamkeit vorhandener Landschaftsstrukturen und der Auswahl geeigneter kircheneigener Flächen mit Handlungsbedarf aus naturschutzfachlicher Sicht unter Nutzung der Landesplanung zum Ökologischen Verbundsystem Sachsen-Anhalt werden vor Ort Arbeits- und Informationskreise für die Teilvorhaben einberufen. Sie setzen sich zusammen aus Mitarbeitern in Kirchlichen Gremien und Ämtern, Naturschutzexperten, betroffenen Landwirten und Anwohnern. Diese definieren die einzelnen Maßnahmen (wie Neuanlage bzw. Pflege/ Erweiterung von Feldhecken, Feldgehölzinseln und Sölle, Streuobstwiesen, Gewässerrenaturierung sowie Waldrandgestaltung und Extensivierung der Nutzung als Pufferzonen in empfindlichen Bereichen) nach naturschutzfachlichen, landschaftsästhetischen, landwirtschaftlich/ forstwirtschaftlichen und öffentlichkeitswirksamen Kriterien.
Evtl. nötige Flächentauschverfahren, Vermessungen, Rechteklärung sowie die Einholung der Einverständnisse Betroffener werden eingeleitet, bevor die Detailplanung der Einzelvorhaben erfolgt.
Vierteljährlich werden die Kirchen Deutschlands, angesprochen über die Umweltbeauftragten, per Infobrief über Ziele und Fortgang des Vorhabens informiert und zum Abschluss zu einem Workshop eingeladen, um diese neue Qualität umweltethischer Arbeit in der Kirche zu verbreiten und zu eigenen Projekten zu motivieren.


Ergebnisse und Diskussion

Die betrachteten Kirchenflächen im Projektgebiet, insgesamt 1088 ha Landwirtschaftliche Nutzfläche uns 331 ha Wald in ca. 60 landbesitzenden Gemeinden) zeichnen sich durch große Vielfalt im Sinne von Lage, Relief, Größe, Bodenqualität, Nutzung und Artausstattung aus. Beobachtete Konflikte bzw. Mängel im Umgang mit den kirchlichen Pachtflächen wurden den Eigentümern mitgeteilt.
Nach Diskussion der Eignung der Flächen für Biotopverbundmaßnahmen, Vergleich mit vorliegenden Naturschutz-Fachplanungen und der gemeindlichen Planungen sowie Abstimmung mit den vor Ort Be-troffenen wurden neun Teilvorhaben ausgewählt, beschrieben und vorbereitet. Diese werden von Arbeitskreisen aus Eigentümern, Pächtern, Verwaltungen, Fachleuten und anderen Interessierten begleitet. Die Teilvorhaben spiegeln die Vielfalt der Landschaftsnutzung ebenso wie vielfältige möglichen Herangehensweisen und auch Kostenrahmen. Investive Maßnahmen wie zwei (in Charakter und Ausführung verschiedene) Bachrenaturierungen, Pflege und Erweiterung einer Feldhecke, Reaktivierung eines Feldsolls in Verbindung mit der Neuanlage von Flurgehölzen, Aufforstung und Waldrandgestaltung, Anlage einer Streuobstwiese werden ergänzt durch Maßnahmen wie: Beteiligung im Rahmen eines Flurneuordnungsverfahrens (Ziel: Biotopverbund in den Begleitplan integrieren und Nutzungsextensivierung in empfindlichen Bereichen), Lösung eines Nutzungskonfliktes an einem Teich (Ziel: wertvolle Feucht- und Sumpfwiesen erhalten) und Anregung und Begleitung einer Bachpatenschaft.
Für die Teilprojekte wurden jeweils angepasste Finanzierungsmodelle entwickelt.
Während vor Ort und auf der Ebene von Kirchenkreisen und Gemeinden eine umfassende Information aller Beteiligten über verschiedene Medien (Infoblatt, Presse, Internet, Exkursionen) sehr erfolgreich lief, sich Kooperationen ergaben, konnten vergleichbare landeskirchliche Initiativen bisher nur in geringem Maße angeregt werden. In den bereits jetzt interessierten Landeskirchen jedoch (Sachsen, Lippe, Brandenburg) werden erste konkrete Projekte vorbereitet und durch das Projektteam unterstützt.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Neben vierteljährlichen Informationsbriefen und Presseartikeln informiert eine attraktive Broschüre über das Projekt. Sie wird in den deutschen Kirchen verteilt, ebenso in den Landesumweltämtern u.a. Schwerpunkt der Öffentlichkeitsarbeit wird zunehmend die Vorstellung der Arbeit in Vorträgen anlässlich kirchlicher Höhepunkte (Synoden, Kirchentage) bzw. auf Einladung durch interessierte Kreise.


Fazit

Die Idee, beispielgebend Kirchenland für Biotopverbund einzusetzen, erwies sich als realistisch. Die Teilvorhaben ergeben in sich keinen Biotopverbund, sondern sind wirksame Elemente eines solchen und ordnen sich in naturschutzfachliche Planungen des Landes Sachsen-Anhalt ein (Ökologisches Verbundsystem). Eine Erhöhung der ökologischen Durchgängigkeit bzw. der Artendiversität am jeweiligen Standort ist bei Umsetzung der Planungen zwingend zu erwarten. Die Erhöhung der Attraktivität der jeweiligen Landschaftsbestandteile ebenso.
Die verschiedenen Charaktere der Vorhaben zeigen die Vielfalt möglicher sinnvoller Biotopverbundmaßnahmen. Die auftretenden Schwierigkeiten bzw. Konflikte gleichen denen anderer Landeigentümer, die Lösungsansätze sind somit nachvollziehbar. Insbesondere, da eines der Kriterien der Arbeit stets eine möglichst geringe finanzielle Belastung der Eigentümer und Pächter war. Diese Punkte dienen der Übertragbarkeit des Gedankens, insbesondere in andere Landeskirchen.
Im Laufe der Arbeit zeigte sich, dass die Ansprache der Landeskirchen zusätzlich in anderer Form erfolgen sollte, um von Neugier und Interesse zur eigenen Aktion zu führen. So ist es notwendig, das Projekt mittels Vortrag/ Ausstellung/ Messestand verstärkt außerhalb der Region zu präsentieren, besonders dann, wenn erste erfolgreiche Umsetzungen der vorliegenden Planungen vorgestellt werden können.
Im Projekt entstandene Querverbindungen zwischen Akteuren in der Projektregion, Hochschulen, Kommunen und den Kirchen waren Voraussetzung für die überwiegend unkonventionellen Lösungsansätze.

Förderzeitraum: 15.09.2001 - 24.01.2003 (1 Jahr und 4 Monate)
Fördersumme: 99.190,62
Förderbereich: II.7.2
Themengebiet: Naturschutz
Stichworte: Naturschutz, Landnutzung
Publikationen: