Netzwerk ECOCAMPING Baden-Württemberg

Aktenzeichen 18035/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.1 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
Abschlussbericht: Kein Treffer. Bitte versuchen Sie noch die Suche im OPAC.
Projektträger: ECOCAMPING e. V.
Gustav-Schwab-Str. 14 G
78467 Konstanz
weitere Projekte aus der Umgebung
Telefon: 07531/28257-13
Internet: http://www.ecocamping.net
Bundesland: Baden-Württemberg
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Campingtourismus ist ein wichtiger Bestandteil des Tourismussektors in Deutschland und Europa. Durch die Einrichtung und Betreuung eines Netzwerks ECOCAMPING Baden-Württemberg sollten folgende Ziele erreicht werden:
- Einführung eines Umweltmanagementsystems nach EMAS-II auf 19 Campingplätzen zur Reduzierung von Umweltbelastungen auf und durch die Campingplätze (Reduzierung des Frischwasserverbrauchs, Einsatz nicht-regenerativer Energien, Abfallaufkommen, Verkehrsaufkommen, Flächenversiegelung ...)
- Verbesserung der Umweltqualität der Campingplätze und Sensibilisierung der Campingbranche
- Weiterentwicklung der ECOCAMPING-Methodik und Ausweitung des Netzwerks auf Bundesebene als Sanfter Einstieg für Campingplätze in EMAS II.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZum Aufbau einer Netzwerkstruktur in Baden-Württemberg wurden zwei Arbeitsgruppen mit insgesamt 19 Campingplätzen gegründet. Entsprechend der ECOCAMPING-Methodik führten die Campingplätze ein Umweltmanagement ein, das sich an der EG-Ökoaudit-Verordnung (EMAS II) orientiert. Die Methodik: 10 Workshops pro Arbeitsgruppe zu allen umweltrelevanten Aspekten, individuelle Beratungen für die Umweltprüfung, die Festlegung der Umweltziele, der Umweltpolitik und des Umweltprogramms sowie die Erarbeitung einer Umwelterklärung. Von allen Campingplätzen wurden die umweltrelevanten Kennzahlen für die Jahre 1999 bis 2001 erhoben. Zur Unterstützung der Teilnehmer sowie aller an Umweltmanagement interessierter Campingplätze in Deutschland wurde ein Leitfaden und ein Software-Programm entwickelt. Workshops und Beratungen waren zeitlich optimal aufeinander abgestimmt, um den Transfer des gelernten Wissens zu gewährleisten. Um die Ausweitung des Projekts auf andere Regionen zu ermöglichen, wurden zwei Mitarbeiter der Bodensee-Stiftung zu ECOCAMPING-Beratern qualifiziert. Durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit und direkte Kontakte wurden die wesentlichen Akteure in der Campingwirtschaft in Deutschland auf das Projekt aufmerksam gemacht. Insbesondere konnte die Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Campingunternehmer sowie verschiedenen Landesverbänden intensiviert werden. Mit der deutschen Umwelt-Dachmarke Viabono wurde ein Kooperationsvertrag geschlossen. Allerdings wurde wegen Viabono auf die Entwicklung eines eigenständigen Umweltzeichens für Campingplätze verzichtet. Die Ausweitung des Projekts konnte bereits während der Laufzeit erreicht werden, indem im Februar 2002 eine neue Arbeitsgruppe in Bayern mit 16 Campingplätze gestartet wurde. Die Meinungen der Gäste über das Thema Umweltschutz auf Campingplätzen wurden in zwei Gästebefragungen in den Jahren 2001 und 2002 auf einem Teil der beteiligten Campingplätzen ermittelt.


Ergebnisse und Diskussion

Durch das Projekt konnten auf den beteiligten Campingplätzen viele umweltentlastende Maßnahmen realisiert werden. Die Bandbreite reicht von sehr kleinen Maßnahmen wie dem Aufhängen mehrsprachiger Aufkleber zur richtigen Abfallsortierung bis hin zu großen und investitionsstarken Maßnahmen wie der Installation einer Photovoltaikanlage oder dem Kauf eines Blockheizkraftwerks zur Erzeugung von Strom- und Wärme. In Bezug auf das Umweltmanagement konnte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden: alle 19 Campingplätze erfüllten die Kriterien für das ECOCAMPING UMWELTMANAGE-MENT. Sechs Campingplätze wurden erfolgreich nach der strengen EMAS-II-Verordnung geprüft und sind mittlerweile als EMAS-Organisationen in Brüssel registriert. Durch das Projekt ist es gelungen, die gesamte deutsche und teilweise auch die europäische Campingbranche für das Thema Umweltmana-gement und EMAS zu sensibilisieren. Eine Fortsetzung des Projekts über die Laufzeit hinaus konnte durch die Gründung des ECOCAMPING e. V. im April 2002 sichergestellt werden, in dem u.a. auch sechs Landesverbände der Campingunternehmer vertreten sind. Dieser Verein ist auch der Träger des Netzwerks ECOCAMPING, dem mittlerweile bereits 47 Campingplätze angehören.
Stark weiterentwickelt wurde im Rahmen des Projekts zudem die Methodik. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Erstellung eines Leitfadens für Umweltmanagement auf Campingplätzen mit zugehöriger Umweltmanagement-Software. Der Leitfaden versetzt auch Unternehmer, die nicht direkt dem Projekt angehören, in die Lage, auf ihrem Campingplatz ein Umweltmanagementsystem aufzubauen.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Das Projekt wurde die gesamte Laufzeit von einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit begleitet, die auch über die eigentliche Projektregion Baden-Württemberg hinausging. Kommunikationswege waren Medienmitteilungen, Messeauftritte in Brüssel, Stuttgart, München, Hannover, Berlin, Essen und Düsseldorf, Publikationen (Broschüren, Plakate, Berichte), der Internetauftritt www.ecocamping.net, eigene Veranstaltungen (z. B. internationaler Workshops, Präsentationen), Vorträge auf externen Veranstaltungen (ADAC-Forum, Tagungen Campingverbände usw.) sowie eine ECOCAMPING-Ausstellung. Im Frühjahr 2002 erhielt das Projekt den begehrten ADAC-Campingpreis 2002. Der ADAC kennzeichnet die beteiligten Campingplätze zudem in seinem europaweit verbreiteten Campingführer. Die Öffentlichkeitsarbeit wird über das Projektende hinaus durch den ECOCAMPING e. V. weitergeführt.


Fazit

Die Einführung von Umweltmanagement durch eine Kombination aus Workshops und individuellen Beratungen in Zusammenhang mit festen Arbeitsgruppen hat sich bewährt. Die Workshops dienen dem gezielten Informationsfluss und dem Erfahrungsaustausch. Die Durchführung der Workshops auf wechselnden Campingplätzen inklusive Platzbesichtigung steigert zusätzlich die Motivation zur Teilnahme. Die Einbindung der regionalen Behörden und Medien bringt dem gastgebenden Campingplatz einen spürbaren Zusatznutzen an Imagesteigerung und Akzeptanz in seiner Region. Während die Workshops das notwendige Grundwissen zur Einführung des Umweltmanagements vermitteln und der Netzwerkbildung dienen, streben die individuellen Beratungen die konkrete Umsetzung des Gelernten in jedem Betrieb an. Die Verwendung einer umfangreichen Checkliste für die Erstberatung hat sich bewährt, da hier-durch ein strukturiertes und trotzdem noch flexibles, individuelles Vorgehen möglich ist. Besonders hilfreich war laut Umfragen bei den Unternehmern die Erstellung einer ausführlichen Stärken-Chancen-Analyse.
Ebenfalls bewährt hat sich die Vorgehensweise bei der Öffentlichkeitsarbeit. Die verwendeten Kommunikationswege und -mittel sind geeignet, die Projektinhalte einer interessierten Öffentlichkeit nahe zu bringen. Hier sollte vor allem die Intensität der Öffentlichkeitsarbeit weiter ausgebaut werden. Besser erschlossen werden sollten auch die Massenmedien.
Der Leitfaden für Umweltmanagement auf Campingplätzen hat sich bereits in seiner ersten Fassung als begleitende Information der Projektteilnehmer bewährt, wobei nicht wirklich gesagt werden kann, wie viele den Leitfaden tatsächlich als Hilfestellung für das eigene Umweltmanagement genutzt haben. Leider weniger bewährt hat sich die ECOCAMPING-Software, da sie von den Unternehmern nur geringfügig genutzt wird.
Letztendlich sehr gut bewährt hat sich der akteurszentrierte Ansatz von ECOCAMPING. Im Mittelpunkt aller Aktivitäten stehen die Unternehmer, welche durch ECOCAMPING noch besser in Kontakt zu für sie wichtige Gruppierungen gebracht werden: Verbände, Behörden, Politik, Naturschutzorganisationen, Me-dien. Besonders der Einbezug der lokalen Behörden in das Geschehen wurde von den Campingplätzen sehr geschätzt.
Alles in allem kann das Projekt Netzwerk ECOCAMPING als sehr erfolgreich bezeichnet werden. Dass sich ECOCAMPING auch nach der DBU-Förderung weiter ausdehnt und das Projekt bereits in mehreren Regionen Deutschlands nachgefragt wird, ist ein zusätzlicher Indikator für den Projekterfolg.

Förderzeitraum: 01.01.2001 - 01.01.2003 (2 Jahre)
Fördersumme: 102.258,38
Förderbereich: II.7.1
Themengebiet: Umweltforschung
Stichworte: Umweltkommunikation
Publikationen: