Demonstration umweltgerechter Ver- und Entsorgungssysteme für ausgewählte Berg- und Schutzhütten am Beispiel der Lenggrieser Hütte auf 1.338 m ü. NN in den Bayerischen Voralpen/ Deutschland

Aktenzeichen 17400/41
Abschlussbericht:
Projektträger: Deutscher Alpenverein (DAV) e. V. Sektion Lenggries
Dorf 17
83674 Gaißach
weitere Projekte aus der Umgebung
Telefon: 08041-5852
Internet: -
Bundesland: Bayern
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Auf der Suche nach Alternativen für das in die Jahre gekommene Dieselaggregat (40 kVA), das durch hohe Lärm- und Schadstoffbelastungen (ca. 17 to CO2 pro Jahr) verbunden mit einem geringen Wirkungsgrad gekennzeichnet war, nahm die Sektion Lenggries einen Hinweis des Hüttenreferates des DAV Hauptvereins in München auf, die Lenggrieser Hütte umweltfreundlich und energieeffizient zu versorgen. Ziel der Überlegungen war es, für die ganzjährig bewirtschaftete Hütte ein sicheres und technisch nicht zu aufwendiges Energiemanagement zu installieren. Mittels Lastgangmessungen im Herbst 2004 wurde der Energiebedarf ermittelt. Um die Vielfalt der Energieträger zu minimieren fiel die Entscheidung auf ein gasbetriebenes BHKW, unterstützt durch eine Photovoltaikanlage sowie einen Stückholzkessel. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens für die Errichtung des Nebengebäudes, musste auch die Trinkwasserversorgung auf den neuesten Stand der Technik (Zertifizierung der Anlage) gebracht werden.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenFür die Unterbringung der neuen Energieversorgung musste aus Platzgründen ein neues Gebäude erstellt werden, in dem sämtliche Komponenten der Hüttenversorgung übersichtlich untergebracht werden konnten. Die Bauarbeiten hierzu wurden 2005 größtenteils in Eigenleistung getätigt. Im Zuge der Erdarbeiten wurde ein 2,9 to großer Gastank eingegraben. Auf dem Dach des Nebengebäudes konnte im Sommer 2006 eine Photovoltaikanlage mit 3,3 kwp verbunden mit 3 Inselwechselrichtern ( Sunny Island 4,5 kW) einem Batteriesatz 1.200 Ah/60 V installiert werden. Im Zusammenspiel mit dem BHKW (12 kW) versorgen diese Komponenten die Hütte mit einem permanenten Drehstromnetz (AC-Bus). Um in dem Winterhalbjahr die thermische Versorgung sicherzustellen wurde ein Stückholzkessel (35 kW) eingebaut.

Die bestehende Trinkwasserfassung wurde mit einer neuen Abdeckung aus Edelstahl versehen und der Behälter neu gestrichen. Die bestehende UV-Entkeimung (Katadyn Multus 24 V) musste durch eine größere und zertifizierte UV-Entkeimung (Grünbeck) in Verbindung mit zwei Pall-Filtern und einem Rückspülfilter
ersetzt werden. Um einen gleichbleibenden Wasserdruck zu gewährleisten bauten wir eine Druckerhöhungsanlage ein.


Ergebnisse und Diskussion

Im Jahr 2004 konnte das Technikgebäude, in dem ua. die neue Pächterwohnung und Personalschlafräume untergebracht sind größtenteils in Eigenleistung durch Sektionsmitglieder erstellt werden.
Im Sommer 2005 wurde mit dem Einbau der energetischen Komponenten (Photovoltaik, BHKW, Stückholzkessel, Pufferspeicher und UV-Entkeimung ) begonnen. Mitte Oktober war es soweit, daß der Probebetrieb gestartet werden konnte, wobei sich bedingt durch den großen Andrang von Hüttengästen und den gleichzeitigen Betrieb aller energieintensiven Küchengeräte (Mikrowellengeräte) bei Volllast das BHKW seinen Dienst versagte. Daraufhin wurden einige Verbraucher gegenseitig verriegelt. Da der Wirt es jahrelang gewohnt war während der Laufzeit des Dieselaggregats möglichst viele Geräte zu betreiben, war die Umstellung auf ein permanentes Stromnetz mit vermindeter Leistung nicht ohne Prisanz, die das Verhältnis Pächter - Sektion beeinträchtigte. Nach Optimierung des Systems lief die Anlage jedoch nahezu störungsfrei. Nebenbei versorgt die Anlage noch eine Relaistation des BRK mit Strom, um den
Funkverkehr des Rettungsdienstes in Richtung Fall und Jachenau zu gewährleisten.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Präsentation auf der IFAT 2005 in München

Berichte in der regionalen Presse - DAV Mitteilungen Panorama

Aufstellung einer Schautafel im Bereich der Hütte sowie die Erstellung eines Flyers

Darstellung des Ver- und Entsorungsschemas auf der Homepage der Sektion

Berichte in der Tagespresse sowie im Magazin des Gaslieferanten (Tyczka) v. Dez. 2007

Besuch einer Delegation aus Rumänien (IFSMünchen) im März 2009


Fazit

Seit dem Pächterwechsel im Herbst 2007 läuft die Anlage nahezu störungsfrei. Der Wirt betreut die Anlage vorbildlich. Zu bemerken wären die Störungen des BHKW´s im Frühwinter 08/09 bedingt durch unterschiedliche Flüssiggasqualitäten (Aussage Herr K. Weigel KW Energie Technik) die erhebliche Kosten für die Ursachenerhebung verursachte. Überdies entstehen höhere Wartungskosten für die Wartung des BHKW`s ebenfalls bedingt durch die längeren Laufzeiten als in der Entwurfsplanung vorgesehen. Dadurch werden die Pufferspeicher (2 x 1.100 litr.) größtenteils durch das BHKW gespeist und deshalb hätte der Stückholzkessel kleiner dimensioniert werden können.
Von den Hüttenbesuchern findet der Trockenraum, insbesondere der Schuhtrockner, großen Zuspruch und wird sehr positiv bewertet. Aufgrund der im Übermaß vorhandenen thermischen Energie wäre eine Warmwasserversorgung im Sanitärbereich sinnvoll, ist aber aus bautechnischen Gegebenheiten nicht ohne weiteres zu realisieren.

Förderzeitraum: 20.02.2004 - 20.02.2006 (2 Jahre)
Fördersumme: 74.066,00
Förderbereich: I.1.1
Stichworte: Abluft
Publikationen:

DBU-Publikationen zu diesem Projekt
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Umwelttechnik für alpine Berg- und Schutzhütten
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