Beispielhafte Behandlung umweltgeschädigter extrem eingedunkelter mittelalterlicher Glasmalereibestände anhand der Chorfenster der Marienkirche in Salzwedel (Sachsen-Anhalt)

Aktenzeichen 17202/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.11 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Ev. Kirchengemeinde St. Marien
An der Marienkirche 4
29410 Salzwedel
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Telefon: 03901/35258
Internet: -
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Die farbige Chorverglasung der Marienkirche ist durch die fast vollständige Verrottung des seit 40 Jahren nicht mehr berührten Halterungssystems der Doppelverglasung mit der drohenden Gefahr eines vollständigen Zusammenbruchs des eingebauten Bestandes hoch gefährdet. Der schwerwiegendste Scha-den besteht in einer Ablagerung von Korrosionsschichten auf bestimmten Glasarten, die das Erscheinungsbild im Ganzen und die Lesbarkeit der Darstellungen im Einzelnen beeinträchtigen, indem Teile der farbigen Scheiben zunehmend lichtundurchlässig, z. T. vollständig intransparent werden.
Diese und andere durch umweltrelevante Einwirkungen aufgetretenen Schäden sollen zukünftig vermieden und mit einer beispielhaften Restauration behoben und dokumentiert werden.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1. Naturwissenschaftlich-technische Untersuchungen für die Konservierung der Glasmalereifelder
- Bestimmung der chem. Zusammensetzung und morphologischen Beschaffenheit von Gläsern und Malschichten an 6-10 Proben aus unterschiedlichen Feldern (Lichtmikroskopie und Elektronenstrahlmikrosonde)
- Untersuchungen des Korrosionsverhalten dieser Gläser an nachgeschmolzenen Modellproben in Klimaschränken
- Durchführung von Korrosionsproduktabnahmen an den Originalproben, 1. mechanisch und 2. mit Ammoniumcarbonat-Lösung (Kompressen)
- Elektronenmikroskopische Kontrolle von Reinigungsmaßnahmen
2. Konservatorische und restauratorische Behandlung der Originalgläser
- Entfernung der Korrosionsprodukte durch, 1. Mechanische Abnahme (Skalpell und Airbrasiv-Verfahren mit weichem Granulat als Erprobung) und 2. Behandlung mit optimierten Ammoniumcarbonat-Lösung.)
3. Dokumentation und Publikation der Ergebnisse


Ergebnisse und Diskussion

Bei den Arbeiten zum Projekt wurde sowohl das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt als auch der Fachbeirat für das Förderprojekt ‚Marienstern kontinuierlich informiert und fachlich eingebunden.
Im speziellen wurde untersucht, inwiefern das Airbrasivverfahren im Vergleich zur Hydrazinbehandlung die fachgerechte Beseitigung von Korrosionsbelägen und die allgemeine Aufhellung bewirkt.
Die Untersuchungen und Anwendungen wurden im engen Kontakt mit Frau Möhrle und der Glaswerkstatt am Kölner Dom (Frau Müller-Weinitschke) durchgeführt.
Bei der Erprobung zeigte es sich , dass das Airbrasivverfahren mehr differenzierte Möglichkeiten durch die Variation von einzusetzenden Düsen und des zu verwendenden Materials bietet, als im allgemeinen - auch in der Fachwelt - bisher angenommen wurde.
Allerdings kommt hier noch eine Komponente hinzu, nämlich das ‚Fingerspitzengefühl des arbeitenden Restaurators, der in der Lage sein muss, das richtige Zusammenspiel von Düsenstärke und des zu versprühenden Materials für das jeweilige Objekt zusammenzustellen. In keinem Fall darf durch die Arbeit die Gelschicht des Glases angegriffen werden.
In dieser Konstellation zeigen die gemachten Versuche bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Beratung durch Frau Möhrle als Modell für weitere Beispiele einen Erfolg bei der fachgerechten Beseitigung von Korrosionsbelägen und der angestrebten Aufhellung verbräunter Gläser.
Voraussetzung für die praktische Anwendung ist jedoch, dass die Verbräunungen auf Manganverbindungen beruhen, die sich in der Korrosionsproduktkruste auf der Außenseite der Gläser befinden.
Das Airbrasivverfahren bedeutet neben Hydrazinbehandlung eine weitere akzeptable Möglichkeit, wobei jedoch stets nur eine teilweise Verbesserung der Transparenz zu erzielen ist. Die Verbräunung der Gel-schicht bleibt vorhanden. Aus diesem Grund kann das Airbrasivverfahren die Hydrazinbehandlung nicht vollständig ersetzen.
Weiterhin wurde im Rahmen des Projektes durch Untersuchungen an Modellproben geprüft, welches quantitative Risiko mit der Anwendung verbunden ist und ob eventuelle Langzeitschäden infolge der Behandlung von Glasmalereien mit Airbrasiv auftreten können, ebenso die Möglichkeit auch biogene Matten abzutragen und die spezielle Anwendung bei Korrosionsansätzen auf Metallteilen oder solche auf Bleistegen der Glasmalereifelder.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Eine Dokumentation und Präsentation der Thematik, im speziellen die Beurteilung des angewandten Feinstrahlverfahrens (Airbrasivverfahren) im Vergleich zur Hydrazinbehandlung wird in der Fachzeitschrift ‚Restauro im Heft 8 / 2001 veröffentlicht.


Fazit

Die dem Projekt zugrunde liegenden und durchgeführten naturwissenschaftlich-technischen Untersu-chungen für die Konservierung der Glasmalereifelder sowie die angewandten Methoden zur konservatorischen und restauratorischen Behandlung der Originalgläser erwiesen sich als exemplarische und beispielgebende Vorgehensweise zur Beseitigung von Umweltschäden an extrem eingedunkelten mittelalterlichen Glasmalereibeständen.
Es konnte sowohl eine allgemeine Aufhellung des Originalbestandes erzielt werden, als auch die in einigen Bereichen vorhandene vollständige Intransparenz beseitigt werden.

Förderzeitraum: 26.04.2000 - 01.11.2001 (1 Jahr und 6 Monate)
Fördersumme: 51.129,19
Förderbereich: III.12.1
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Kulturgüter, Umwelttechnik
Publikationen: