Erschließung von Beständen und Erarbeitung eines erweiterten Findbuches mit kommentierter Bibliografie zum Thema Natur- und Umweltschutzverbände nach 1945

Aktenzeichen 16748/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.11 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: eco-Archiv im AROEK e. V.
Bahnhofstr. 26
34369 Hofgeismar
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Telefon: 05671/920885
Internet: -
Bundesland: Hessen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Natur wird von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich bewertet. Für die Einen ist eine Wiese potentielles Bauland, für die Anderen schützenswerter Lebensraum wilder Tiere und Pflanzen und für Dritte wichtige Erholungsfläche für den Menschen. Diese unterschiedlichen Bewertungen führen immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Naturschützern, Umweltschützern und Nutzern bzw. Konsumenten (z.B. anlässlich der Umsetzung der FFH-Richtlinie). Die Frage, wer letztlich Recht hat, ist nicht zu beantworten, da es häufig nicht um objektiv messbare Faktoren, sondern um persönliche und gesellschaftliche Bewertungen geht, die zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich ausfallen.
Es besteht allerdings die Möglichkeit, mit diesen Konflikten umzugehen und Kompromisse zu fördern, wenn es gelingt, die Ideen- und Vorstellungswelt der eigenen und der anderen Seite und damit eigenes und fremdes Handeln besser zu verstehen. Daher ist mit diesem Projekt geplant, die Ideen- und Sozialgeschichte der Naturschutz- und Umweltbewegung zu erschließen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUmweltrelevante Objekte werden von Archiven selten als gesonderte Kategorie gesammelt. In der Regel finden sie sich lediglich als Beifang unter politischen, gesellschaftlichen oder naturwissenschaftlichen Kategorien wieder, was eine Umweltgeschichtsschreibung aus mehreren Gründen erschwert. Zum einen ist der Rechercheaufwand sehr hoch, zum anderen entsprechen Aufstellung und Verschlagwortung nur selten dem umwelthistorischem Suchprofil. Es wurden daher innovative Methoden entwickelt und erprobt, um Quellen zur Umweltgeschichte der Wissenschaft besser zugänglich zu machen.
In einem ersten Arbeitsschritt wurden wissenschaftliche Einrichtung mit Bezug zur Umweltgeschichtsforschung aufgelistet und eine Vernetzung angestrebt. In einem zweiten Schritt wurden beispielhafte Erfassungskriterien und ein Findbuch erstellt, das die im eco-Archiv vorhandenen Bestände auflistet und das der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Vertiefend wurden aus diesen Archivbeständen die Archivalien von vier unterschiedlichen Naturschutzverbänden (DNR-Geschäftsstelle, DWBO-Vorstand, BUND-Kreisverband Kassel und Naturfreundejugend-Bundesleitung) intensiv erfasst und präsentiert, um eine vergleichende Analyse zu ermöglichen. Zusätzlich wurde Literatur aus dem Archiv bibliographiert und kommentiert.


Ergebnisse und Diskussion

Mit dem Findbuch wurde eine Plattform für und eine Einladung an sowohl wissenschaftliche als auch außerwissenschaftliche Einrichtungen geschaffen, sich mit der eigenen Geschichte im Hinblick auf das Mensch-Natur-Verhältnis zu befassen. Durch die Auseinandersetzung mit der Geschichte unserer Umwelt wird der Blickwinkel für eine Beurteilung der gegenwärtigen Situation vergrößert. Unterschiedliche Positionen der Beteiligten und vorgebrachte Argumente werden im historischen Kontext verständlicher.
Es werden mit diesem Findbuch historische Quellen angeboten, die z. B. Aufschluss über gemeinsame Traditionslinien in Protestbewegungen und Heimatverbände aufzeigen, oder andererseits Unterschiede in der Ideengeschichte von Verbänden oder Gruppen mit anscheinend identischer Zielsetzung beleuchten. So wird z.B. deutlich, dass Umweltbewegung und Naturschutzbewegung sehr unterschiedlichen Vorstellungswelten entstammen, obwohl sich beide um den Erhalt der natürlichen Umgebung des Menschen bemühen, also eigentlich vergleichbare Ziele verfolgen. Andererseits wird aber auch deutlich, dass es gelingen kann, diese unterschiedlichen Vorstellungswelten hinter sich zu lassen, Kräfte zu bündeln und gemeinsam zu handeln, wie das Beispiel BUND zeigt.
Eine Bewertung und Diskussion der Ergebnisse kann zur Zeit noch nicht erfolgen, da dieses Projekt nicht die Auseinandersetzung mit der Umweltgeschichte selbst führt, sondern Grundlagen für diese Auseinandersetzung zur Verfügung stellt.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Ergebnisse (Findbuch) werden publiziert, der Presse vorgestellt und interessierten Einrichtungen zur Verfügung gestellt.
Es wurde eine Publikation (Klaus-Peter Lorenz: Politische Landschaft - die andere Sicht auf die natürliche Ordnung. Duisburg 2002) erstellt, sie ist im Buchhandel erhältlich.
Für die Zielgruppe der SchülerInnen, LehrerInnen und StudentInnen ist in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Stiftung Naturschutzgeschichte eine Internet-Seite geplant.


Fazit

Ein Archiv ohne Findmittel ist wie eine Schatztruhe ohne Schlüssel. Erst eine intensive Erfassung ermöglicht einen geordneten Zugriff auf die Bestände und damit eine effektive Forschungsarbeit. Die Erfassung von Beständen ist daher eine notwendige aber (kosten-)intensive Grundlagenarbeit. Je intensiver sie erfolgt, desto effektiver können die Bestände genutzt werden, aber umso aufwändiger ist die Arbeit. Es wurde ein gangbarer Kompromiss für eine tragfähige Erfassung erarbeitet und durchgeführt.
Ob die mit diesem Findbuch angestrebten Ziele erfüllt werden, muss die Zukunft zeigen. Ohne Findmittel jedoch werden diese Ziele jedenfalls nicht erreicht.

Förderzeitraum: 11.12.2000 - 30.06.2003 (2 Jahre und 7 Monate)
Fördersumme: 102.252,24
Förderbereich: III.10.3
Themengebiet: Umweltkommunikation
Stichworte: Naturschutz, Umweltkommunikation
Publikationen: