Implementation von ökologischen Produkt-Gestaltungskonzepten in Unternehmen der Maschinenbauindustrie

Aktenzeichen 16408/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.11 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
Abschlussbericht: DBU-Abschlussbericht-AZ-16408.pdf (30.07 MB)
Projektträger: econcept Agentur für Nachhaltiges Design
Alteburgerstr. 32
50678 Köln
weitere Projekte aus der Umgebung
Telefon: 0221/4202676
Internet: http://www.econcept.org
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Ziel des Projektes war, die umweltrelevanten Stärken und Schwächen der Heidelberger Produkte herauszustellen und dann Methoden und Instrumente zu entwickeln, die im Unternehmensalltag helfen, die Produkte unter ökologischen (und ökonomischen) Gesichtspunkten zu verbessern. Besonders wichtig war die Integration des produktbezogenen Umweltschutzes in die normalen Geschäftsabläufe von strategischem Management, Produktentwicklung und -gestaltung, Produktion und Marketing.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Implementation von Öko-Design in das Unternehmen Heidelberger Druckmaschinen AG beinhaltete folgende Arbeitsschritte:
1. Umweltanforderungen identifizieren: Analyse der bestehenden bzw. notwendigen Rahmenbedingungen des Marktes und der Gesellschaft,
2. Ökologische Schwachstellen am Markt aufdecken: ganzheitliche Analyse, welche die Schwerpunkte und Ansatzpunkte der ökologischen Optimierung in dem jeweiligen Produktkontext darstellt, analog eine betriebswirtschaftliche Analyse zu Teilbereichen des Produktlebensweges
3. Implementierung der Ergebnisse auf Produktebene: Verankerung in der betrieblichen Organisation mittels Konstruktionshandbüchern, Online-Datenbanken, Organisationsanweisungen, interner Kommunikation und Schulungen (Neugestaltung von Prozessabläufen, Definition von Konstruktionsnotwendigkeiten, Bestimmung der Verantwortlichkeiten und Bereitstellung der notwendigen Dokumentation),
4. Systematische Umsetzung der Ergebnisse in die Produktentwicklung und die Förderung des betrieblichen und gesellschaftlichen Dialogs zu den Zielen und Gestaltungsoptionen ökologischer Produktentwicklung,
5. Ökologischen Mehrwert der Produkte verkaufen: externe Kommunikation, Marketing und Schulung der Mitarbeiter.


Ergebnisse und Diskussion

Folgende Schritte auf dem Weg zum zukunftsfähigen Produkt wurden erarbeitet:
1. Umweltanforderungen identifizieren: wie z.B. Kundenwünsche, unternehmerisches Selbstverständnis, Umwelt- und Innovationsimage, gesellschaftliche Wertvorstellungen, Umwelt-Kosteneffekte und rechtliche Anforderungen. Entwickelt wurde eine Umweltrechtsdatenbank, die den Mitarbeitern über das Intranet zur Verfügung steht.
2. Ökologische Schwachstellen am Produkt aufdecken: Für den Scanner TOPAZ 2+ wurde eine Material- und Energiebilanz erstellt, Fertigung, Nutzung und die Zerlegung beim Entsorger untersucht. Dabei wurden zwei Methoden genutzt: Total Primary Energy und Eco-Indicator 95. Die Analysen zeigten, dass die größten Umweltbelastungen in der Produktions- und Nutzungsphase der Geräte auftreten. Umweltentlastungspotenziale liegen in der Reduktion des Energieverbrauchs im Gebrauch und der Optimierung der Recyclingfähigkeit, insbesondere bezogen auf den Einsatz von Aluminium und Stahl. Das Verfahren der LCA stellte sich für die standardisierte Prüfung der Produktgestaltung als zu aufwendig heraus. Sie bietet aber die Möglichkeit, von den wichtigsten Produktgruppen exemplarisch Input/Outputströme zu analysieren und erlaubt eine Schwachstellenanalyse und Kennzahlbildung zur Produktbewertung. Schlussfolgerung im Projekt war es daher, mit Tools in der Produktentwicklung zu arbeiten, die im Sinne des Life Cycle Thinking wirken, aber Kosten und Zeit sparender angewendet werden können als LCA. Überlegt wurden außerdem Ansätze zu einer LCA nahen, standardisierte Datenbank zur Bewertung von Werkstoffen, Verfahren und Recyclingmethoden.
3. Implementierung der Ergebnisse auf Produktebene: Umgesetzt wurden die Senkung des Energieverbrauchs im Gebrauch und Stand-by-Modus oder die Erleichterung der Demontage des Aluminiums durch eine veränderte Verbindungstechnik. Es wurde auf Beryllium verzichtet. Kunststoff und Aluminium gekennzeichnet, Entsorgungsanweisungen entwickelt und die Zusammenarbeit mit den Lieferanten gestärkt. Beim Nachfolgemodell des TOPAZ 2+, dem Nexscan F4000 wurde der Stromverbrauch um 20% gesenkt, ein netzseitiger Hauptschalter und eine automatische Abschaltung der Durchlichtbeleuchtung eingebaut sowie ein deutlich geringerer Materialeinsatz im Vergleich zum Vorgängermodell erzielt, 90 kg statt 150 kg Gesamtgewicht.
4. Systematische Integration der Ergebnisse in den Produktentwicklungsablauf: Der Heidelberger Entwicklungsprozess ist als Quality Gate Prozess organisiert. Nach bestimmten Abschnitten der Entwicklung wird in den so genannten Gates über die Freigabe des Entwicklungsprojektes für die nächste Phase entschieden. In diese Entscheidungspunkte wurden vom Businessplan bis zur Markteinführung Umweltaspekte in Form von Tools, Kriterien oder Teilnahme der Umweltexperten in den Entscheidungsgremien integriert. Für die alltägliche Arbeit der Produktentwickler wurden im Projekt Tools entwickelt. Z.B. ein Umweltentwicklungshandbuch, das u.a. Check- und Stofflisten, Anweisungen zur Werkstoffauswahl, Werkstoffverträglichkeit, Kennzeichnung und demontageverträglicher Verbindungen enthält. Zur Motivation und Schulung der Mitarbeiter stehen durch die Projektarbeit Plakate, ein Bildschirm und Schulungsunterlagen zur Verfügung. Aufbauend auf den Projektergebnissen wurden bindende Umweltleitlinien für die gesamte Unternehmensgruppe formuliert. Die Guidelines zu den Stoffen, Batterien, Kennzeichnung und Energie international abstimmt, weitere werden folgen.
5. Ökologischen Mehrwert der Produkte verkaufen: Die Heidelberger Aktivitäten im produktbezogenen Umweltschutz wurden intern und extern vorgestellt und kommuniziert.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Erfahrungen aus diesem Projekt wurden in mehreren internen und externen Workshops vorgestellt und diskutiert. Des Weiteren wurden die Ergebnisse in der Fachpresse veröffentlicht und zahlreichen Veranstaltungen und Fachmessen ausgestellt.


Fazit

Rückblickend wird das Projekt als sehr erfolgreich eingeschätzt. Es wurden neue konstruktive Ideen und Konzepte geliefert, die gut in den betrieblichen Alltag zu implementieren sind. Neue Gestaltungskonzepte konnten umgesetzt werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden hinsichtlich der ökologischen Ziele des Unternehmens sensibilisiert und motiviert. Für künftige Projekte wird es Erfolg versprechend sein, noch kleine Schritte zu gehen, um schneller Teilerfolge nachweisen zu können, die alle Beschäftigten überzeugen und zum Mitziehen animieren.

Förderzeitraum: 01.01.1999 - 31.12.2001 (2 Jahre und 12 Monate)
Fördersumme: 51.129,19
Förderbereich: I.1.1
Themengebiet: Umwelttechnik
Stichworte: Umweltkommunikation, Umwelttechnik, Ressourcenschonung
Publikationen: