Einrichtung eines modellhaften ökologischen Kindergartens in Hilpoltstein

Aktenzeichen 10261/01
Abschlussbericht:
Projektträger: Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V.Verband für Arten- und Biotopschutz (LBV)Landesgeschäftsstelle Hilpoltstein
Eisvogelweg 1
91161 Hilpoltstein
weitere Projekte aus der Umgebung
Telefon: 09174/4775-0
Internet: https://www.lbv.de
Bundesland: Bayern
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. zeigt mit diesem Projekt, welche Möglichkeiten durch einen Naturschutzverband als Träger eines Kindergartens bestehen, auf Basis der Agenda 21 über die bisherigen Aufgaben eines Natur- und Umweltschutzverbandes hinaus eine neue Aufgabe in der Gesellschaft zu übernehmen. Durch dieses Modell wird gezeigt, welchen Einfluss ein ökologisch-orientierter, integrativer Ansatz auf die Organisationsstruktur, die pädagogische Arbeit und die Außenwirkung einer Einrichtung in Trägerschaft eines Naturschutzverbandes hat.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn der Anfangsphase ging der LBV in Übereinstimmung mit vielen anderen Trägern, die integrative Einrichtungen führen, von der dreigruppigen Struktur seines Arche Noah Kindergartens aus. In einer integrativen und zwei normalen Gruppen erlebten die Kinder ihre Einrichtung als einen Ort, in dem viel spieleri-sche Naturerfahrung, Entwicklung kindlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten am Lernort Natur und die Ausrichtung an dem Prinzip Maria Montessoris Hilf mir es selbst zu tun Leitlinien der Kindergartenarbeit wa-ren. Schon früh wurde der Projektansatz als Methode fester Bestandteil des Arche Noah Kindergartens. Immer wurden die Kinder in die Planung, Vorbereitung und Durchführung von Projekten mit einbezogen, und es wurden die Dimensionen angebahnt, die dem übergeordneten Ziel Gestaltungskompetenz (im Sinne von Prof. Dr. Gerd de Haan/FU Berlin) dienten. Intensive Schulung der Erzieherinnen durch das Umweltbildungsteam des LBV, gemeinsame Weiterentwicklung einer Pädagogik an der Schnittstelle zwi-schen Umweltbildung und Montessori-Pädagogik sowie starke Einbeziehung des Außengeländes bildeten die Grundlagen eines Prozesses, der hin zu einem offenen Haus mit vielfältigem Spiel- und Lernangebot führte. Intensive Elternarbeit, Kommunikation nach außen sowie in den Verband, intensive Beteiligung an der pädagogischen Diskussion auf allen Ebenen kennzeichneten den Fortgang des Projektes. Anpachtung eigener Flächen sowie intensive Nutzung der umgebenden Naturräume verstärkten das Leitbild des achtsamen Umgangs miteinander und wirkten sich positiv auf die pädagogische Arbeit im Arche Noah Kindergarten aus.


Ergebnisse und Diskussion

Mit der Übernahme der Trägerschaft eines Kindergartens begab sich der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. (LBV) auf ein völlig neues Terrain und positionierte sich in der Gesellschaft neu. Neben den Aufgaben des klassischen Naturschutzes übernahm er in diesem neuen Bereich soziale Verantwortung und reihte sich in die Riege der klassischen Träger wie Kirchen, Gemeinden, Arbeiterwohlfahrt etc. ein. Dadurch wurde der Gedanke der nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung in neuem Kontext lebendig. Ausgehend von damals über 10jähriger Erfahrung in der Projektbegleitung von Kindertagesstätten anderer Träger und der Erzieherinnenfortbildung zeigte der LBV mit diesem Projekt, dass ein ökologisch-orientiertes Konzept auch als solide Grundlage eines tagtäglichen Kindergartenbetriebes dient.
Diese Einschätzung beruht nicht nur auf den vielfältigen Diskussionen mit den Eltern, Erzieherinnen und anderen Trägern, sondern auch auf der Einschätzung der GrundschullehrerInnen in Hilpoltstein, die den Arche Noah Kindern große Aufgeschlossenheit, Neugier und Wissbegierde sowie hohe soziale Kompetenz bescheinigen.
Weiterer Indikator für den Erfolg unserer Arbeit ist die Tatsache, dass viele Vorgärten und Gärten im Einzugsbereich des Arche Noah Kindergartens sich in ihrem Erscheinungsbild gewandelt haben und dort viele Elemente erlebnispädagogischer Gestaltung zu sehen sind wie Weidenzäune, Weideniglus oder -tipis, kleine Abenteuerspielplätze mit großen Steinen, Baumstämmen, Tümpeln etc.
Aber auch auf der innerverbandlichen Ebene löste dieses Projekt viele Diskussionen und auch Neuorientierungen aus. Mit einer Satzungsänderung beschlossen die Delegierten des Verbandes einstimmig den Betrieb eines eigenen Kindergartens und eine Verstärkung der Umweltbildung. Der Bereich Bildung und Kommunikation wird mehr und mehr als wichtiger Baustein innerhalb des Gesamtgebildes LBV gesehen und viele Kreisgruppen bemühen sich intensiv um den Aufbau eigener Kindergruppen und suchen Kontakte zu Einrichtungen im schulischen und vorschulischen Bereich.
Im Projektzeitraum konnten wir über 250 vorschulischen Einrichtungen bei Außengeländegestaltung oder dem Einbau ökologischer Bausteine in das Kindergartenkonzept beratend zur Seite stehen und pflegen sehr gute Kontakte zu den Fortbildungseinrichtungen der kirchlichen und kommunalen Träger.
Insgesamt lässt sich sagen, dass der integrative Ansatz, der nicht nur behinderte und nichtbehinderte Kinder einschloss, sondern auch die Eltern, Erzieherinnen sowie das Lebens- und Wohnumfeld der Kinder, der richtige Ansatz war. Auch die Ausdehnung des integrativen Ansatzes auf die natürlichen Lebensräume in der Umgebung des Arche Noah Kindergartens erwiesen sich als wertvolle Hilfsmittel zur Unterstützung der optimalen Entwicklung kindlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten.
Durch die vielfältigen Angebote des offenen Hauses, die freie Entscheidungsfreiheit sowie das intensive Nutzen von Naturräumen in unmittelbarer und weiterer Umgebung der Einrichtung werden die Kinder stark gefordert. Die Unterstützung durch die Erzieherinnen nach dem Leitsatz Hilf mir, es selber zu tun ermöglicht es den Kindern, an diesen anspruchsvollen Aufgaben zu wachsen und sie zu meistern. Durch diese größtmögliche Gestaltungsfreiheit, aber auch einen sicheren Ordnungsrahmen, der den Tagesablauf im Arche Noah Kindergartens bestimmt, finden die Kinder zu einer echten Balance zwischen Anforderungen von außen und eigenen Bedürfnissen.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Printmedien, Funk und Fernsehen berichten regelmäßig. Intensiver Austausch mit fachlichen Gremien auf regionaler und überregionaler Ebene. Beteiligung an Ausstellungen und Messen, Umweltpreis des Bayerischen Fernsehens, Videodokumentation.


Fazit

Die verstärkte Diskussion nach der Pisa-Studie und den Ableitungen, die für die vorschulischen Einrichtungen daraus gezogen werden, fordern den LBV auch weiterhin, den Arche Noah Kindergarten mit seinem erprobten Konzept einer ökologisch-orientierten, integrativen Einrichtung als das zu kommunizieren, wozu er sich in den letzten Jahren entwickelt hat: zu einer Einrichtung, die Gestaltungskompetenz bei Kindern in idealer Weise fördert, die sich lebendig weiterentwickelt und mit Astrid Lindgren ein Ziel hat: starke Kinder.

Förderzeitraum: 19.09.1996 - .. ()
Fördersumme: 102.002,73
Förderbereich: III.8.1
Stichworte: Kinder , Lokale Agenda 21
Publikationen:

DBU-Publikationen zu diesem Projekt
Umweltbildung fördert Kompetenzen von Kindern