Konzept zur Überführung gleichaltriger, einschichtiger und risikoreicher Fichtenwälder in naturnähere, stufige, ungleichaltrige Mischwälder

Aktenzeichen 04940/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.05 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Albert-Ludwigs-Universität FreiburgInstitut für ForstökonomieAbteilung Forstökonomie und Forsteinrichtung
Tennenbacherstr. 4
79085 Freiburg
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Telefon: 0761/203-3689
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Bundesland: Alte und Neue Bundesländer
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Anlaß der Untersuchung war , daß es derzeit noch kein umfassendes Konzept zur Überführung von sowohl ökologisch als auch ökonomisch unbefriedigenden einschichtigen Fichten-Reinbeständen in stufige, naturnähere Mischbestände auf Betriebsebene gibt, das auch ökonomische Konsequenzen der Überführung berücksichtigt.
Ziel der Untersuchung war es, Wege zur Überführung von einschichtigen Fichten-Reinbeständen in stufige, naturnähere Mischbestände am Beispiel eines mittelständischen Forstbetriebes aufzuzeigen und sie ökonomisch zu analysieren.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Überführungskonzept sollte im Rahmen einer klassischen Forsteinrichtung mit einzelbestandesweiser Inventur und Planung entwickelt werden.
Bei der einzelbestandesweise Inventur wurden bis zu fünf Schichten je Bestand ausgeschieden, um vorhandene Vertikalstrukturen so genau wie möglich zu erfassen. Basierend auf einer vorhandenen Waldbiotopkartierung wurden Grundzüge der waldbaulichen Planung und Ziele im Hinblick auf Naturnähe und Baumartenmischunganteile erarbeitet und durch detaillierte Behandlungskonzepte auf der Ebene von Bestandestypen konkretisiert. Über eine exakte Zielbestockungsplanung mit einer Abschätzung des Naturverjüngungspotentiales wurden Umwandlungsflächen hergeleitet. Die Behandlungskonzepte wurden bei der einzelbestandesweisen Planung umgesetzt und auf den Weiserflächen durch Probeauszeichnungen exemplarisch dargestellt. Anhand der Umwandlungsflächen und durch Literaturauswertung konnten die ökonomischen Veränderungen für den Betrieb durch die Baumartenveränderung näherungsweise dargestellt werden. Am Beispiel eines Betriebsklassenmodells wurden Wege aufgezeigt, die ökonomischen Auswirkungen der Strukturveränderungen (Übergang vom Altersklassen- zum gruppenweise ungleichaltrigen Dauerwald) durch die Überführung langfristig zu quantifizieren.


Ergebnisse und Diskussion

Der sehr stark von der Fichte (67% Flächen- , 78% Vorratsanteil) und der II. und III. Altersklasse geprägte Betrieb weist eine sehr schwach ausgeprägte vertikale Strukturierung auf. Auf lediglich 12% der Holzbodenfläche (rund 200 ha) findet sich Verjüngungsvorrat unter Schirm, davon ist nahezu die Hälfte weniger als 50cm hoch. Rund 950 ha des Betriebes wurden dem Bestandestyp Fichte-reinlangfristig zugeordnet, der zu 95% aus Fichte besteht. Diese Fichtenfläche von ca. 910 ha wurde als Überführungsbetriebsklasse ausgewiesen, für die ein detailliertes Überführungskonzept erarbeitet wurde (s.Anlage 1). Dieses Überführungskonzept sieht je nach Ausgangssituation der Bestände (Oberhöhe, Kronenlänge) eine direkte Überführung in einen trupp- bis gruppenweise ungleichaltrigen Dauerwald oder eine Überführung über die Folgegeneration vor. Die Überführung gliedert sich in drei Phasen : 1. Stabilisierung/Auslesedurchforstung 2. Entrümpelung/gestaffelte Verjüngung 3. Variable Zieldurchmesserernte. Bei der Überführung über die Folgegeneration wird als neues Element die Ausweisung und Förderung von 50 Schimbäumen je ha vorgeschlagen.
Der durch die waldbauliche Einzelplanung ermittelte waldbauliche Hiebssatz liegt bei 8,2 Efm/ha und Jahr, davon entfallen rund zwei Drittel auf die Überführungsbetriebsklasse. Die Laubbaum-anreicherung soll mit gruppenweisem Buchen-Vorbau auf einer Fläche von 31,2 ha im nächsten Jahrzehnt begin-nen. Der Erfolg dieser Maßnahme wird entscheidend von einer Änderung der jagdlichen Strategie abhängen, da es organisatorisch und finanziell unmöglich ist, diese Flächen zu zäunen. Der Anbau (ausschließlich Laubbäume) ist lediglich auf einer Fläche von 8,5 ha geplant. Nach der Zielbestockungsplanung wird der Nadelbaumanteil im Betrieb langfristig von derzeit 75 auf 58% sinken.Von den 280 ha Nadelbaumfläche, die der Betrieb langfristig verlieren wird, müssen nach der derzeitigen Einschätzung rund 80% (220 ha) aktiv umgewandelt werden. Den größten Teil dieser Umwandlungsfläche wird der gruppenweise Buchen-Beimischungsvorbau einnehmen. Lediglich 50 ha sollen langfristig flächig umgewandelt werden. Aus dem Vor- und Anbauprogramm der nächsten zehn Jahre und der gesamten Umwandlungsfläche läßt sich ein Zeithorizont für die Dauer der Laubbaumanreicherung mit rund 60 bis 70 Jahren abschätzen.
Bei der ökonomischen Analyse wurden die Veränderungen durch die Überführung in der Liquiditäts- und der Vermögenssphäre des Betriebes sowohl kurz- bis mittelfristig auf der Ebene des Einzelbestands, d.h. während der Überführung, als auch langfristig, d.h. nach Abschluß der Überführung auf der Ebene der Betriebsklasse untersucht und in Form von Prognosen dargestellt. Dabei wurden drei Modellsituationen diskutiert : 1. Die flächige Umwandlung von Nadel- in Laubbaumbestände. 2. Die Laubbaumanreicherung in Nadelbaumbeständen und 3. die Strukturveränderungen durch Übergang von Altersklassen- in Dauerwald. Bei den ersten beiden Modellsituationen kann davon ausgegangen werden, daß es kurz- bis mittelfristig durch die Vorbau-bzw. Umwandlungstätigkeit zu einer Erhöhung der Ausgaben und des Aufwandes kommen wird, während auf der Ertragsseite durch die frühzeitig notwendige Auflichtung mit Einbußen gerechnet werden muß. Langfristig jedoch ist davon auszugehen, dies zeigen auch die Untersuchungen von METTIN (1985, 1986), daß sich durch den angestrebten Laubbaumanteil weder in der Vermögens- noch in der Liquiditätssphäre Nachteile für den Betrieb ergeben werden.
Bei der Untersuchung der Auswirkungen der Strukturveränderungen wurde dem Überführungskonzept ein Z-Baumorientiertes Altersklassenmodell gegenübergestellt. Kurz- bis mittelfristig kann davon ausgegangen werden, daß die ersten drei Phasen der Überführung (s.o.) durch die vorgezogene Entnahme potentieller Z-Bäume für die Liquidität des Betriebes vorteilhaft sind (s.Anlage 2), während es durch das Unterschreiten des im Z-Baum-Modell möglichen Vorrates zu Ertragseinbußen kommt.
Langfristig lassen sich die Veränderungen durch die Überführung für den Betrieb in den wichtigsten Ertrags- und Aufwandsstellen wie folgt prognostizieren : 1. In der Holzernte wird sich die Veränderung der Struktur des Einschlages positiv auswirken. 2. Sowohl bei den Kulturen als auch bei der Jungbestandspflege ist langfristig eine Reduktion des Aufwandes zu erwarten. 3. Bei der Verwaltung hingegen ist damit zu rechnen, daß die Steuerung der Holzproduktion eher komplexer wird, was sich im Aufwandsbereich negativ auswirken kann.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Eine Veröffentlichung ist in Vorbereitung


Fazit

Der Schwerpunkt des Projektes lag in den sehr aufwendigen Außenarbeiten und deren Umsetzung in Form einer für den Betrieb nachvollziehbaren und durchführbaren Planung. Die positiven Reaktionen der vor Ort zuständigen Revierförster und des Waldbesitzers lassen erwarten, daß das am Beispiel dieses Betriebes erarbeitete neue Konzept der Überführung vielen andere Forstbetriebe als Anregung für die Umstellung der Holzproduktion in Richtung Naturnähe und risikoärmere Produktion dienen wird.

Förderzeitraum: 09.06.1994 - 11.02.1997 (2 Jahre und 8 Monate)
Fördersumme: 48.572,73
Förderbereich: II.4.-
Themengebiet: Umweltforschung
Stichworte: Naturschutz, Landnutzung
Publikationen:
Geografisch:


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