Für Artenschutz und Klimaresilienz: Begrünte Terrassen im Steillagen-Weinbau

Der in einer Rebanlage platzierte Prototyp einer Kirschessigfliegen-Falle informiert mit Minicomputer und Kamera kontinuierlich über die Menge des Befalls. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert die Entwicklung mittels ihrer Förderinitiative zur Pestizidvermeidung. © DLR Rheinpfalz
© DLR Rheinpfalz

An Steilhängen entlang des Rheins, der Mosel, des Mains, des Neckars und der Saale sieht man sie stellenweise noch: horizontal zum Gefälle angelegte und durch Trockenmauern gesicherte Terrassen mit Weinreben. Solche historisch geprägten Kulturlandschaften, die einen hohen Wert für die Artenvielfalt haben, bleiben häufig nur durch regionale Förderprogramme erhalten. Viele wurden in Falllinie umgebaut, um sie rentabler zu gestalten, denn der traditionelle Terrassenweinbau war reine Handarbeit. Das Problem im Zuge des Klimawandels: Wasser fließt schneller ab, sodass einerseits die Böden bei Dürre eher austrocknen und andererseits die Wucht eines Starkregens schon mal ganze Böden samt Rebstöcken mit sich reißen kann.

Begrünte Böschungen sichern terrassierte Rebzeilen

Im Steillagen-Weinbau bietet die moderne Querterrassierung mit hangparallelen Gassen, die befahrbar sind, mehrere Vorteile im Vergleich zum Anbau in Falllinie. Ein DBU-Projekt der Hochschule Geisenheim in Kooperation mit den hessischen Staatsweingütern sowie einem hessischen und einem rheinland-pfälzischen Weinbau-Betrieb zeigt, dass die mit begrünten Böschungen gesicherten Terrassen Extremwetterereignisse abmildern. Von den besonnten wildkräuterreichen Hängen profitieren nachweislich Käfer, Ameisen, Heuschrecken und andere spezialisierte Insekten. Spinnen, Wildbienen und Vögel nutzen die ungestörten Weinbergsbrachen als Nist-, Nahrungs- und Rückzugsraum. Untersuchungsregion war die Unesco-Welterbe-Region Oberes Mittelrheintal. Die Ergebnisse sind auf andere Steillagen-Anbaugebiete Deutschlands übertragbar.

So wenig Pflanzenschutzmittel wie möglich

Eine weitere Herausforderung für den diesjährigen Wein-Jahrgang ist die aus Asien stammende Kirschessigfliege. Kurz vor der Ernte befällt sie gesunde Früchte weichfleischiger Obstarten. Als sinnvoll gelten das Überwachen der Population mit Monitoringfallen sowie regelmäßige Befallskontrollen. Um das Monitoring für Weinbaubetriebe zu erleichtern, entwickeln die Firmen 3win Maschinenbau und Mabri.Vision aus Aachen zusammen mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz speziell mit Minicomputern und Kameras ausgestattete Monitoringfallen, die in den Rebanlagen platziert werden. Winzerinnen und Winzer behalten über eine Smartphone-App alles im Blick. Bei Befall kann dadurch der bestmögliche Zeitpunkt für eine Pflanzenschutzmittel-Anwendung bestimmt werden, um die optimale Wirkung zu erzielen. Ebenso wird die Entscheidung über eine vorgezogene Lese erleichtert, was unnötige Pflanzenschutzmitteleinträge in die Umwelt reduziert. Die DBU fördert das Projekt im Rahmen der Förderinitiative „Pestizidvermeidung“.


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Titelbild: Claudia Kammann