Zusammenspiel von Hallenbad und Schule: umweltfreundliche Alternative fĂŒr Altbau

DBU fördert Sanierung mit 125.000 Euro – Konzept auf Ă€hnliche Bauten ĂŒbertragbar

Lohr. Schulfrust statt Lernlust? Bei Schulgebäuden, die älter als 30 Jahre sind, kann dieses Gefühl bei den Pennälern schon aufkommen. Denn der Zahn der Zeit nagt an diesen Gebäuden und lässt Fensterrahmen und Fassaden alt aussehen. Zudem werden viel Strom und Wärme vergeudet. Das führt bei Schulen zu hohen Ausgaben bis hin zu Überlegungen zum Abriss. Eine umweltfreundliche Alternative steht jetzt dem Schul- und Sportzentrum in Lohr am Main bevor: Modernisierung mit dem Ziel 80 Prozent weniger Energieverbrauch und nahezu Passivhausstandard. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt die Planung des Vorhabens mit 125.000 Euro. Heute übergab DBU-Abteilungsleiter Umwelttechnik, Dr. Wulf Grimm, das Bewilligungsschreiben an den Vorsitzenden des Zweckverbandes Schul- und Sportzentrum Lohr und Ersten Bürgermeister der Stadt, Ernst Prüße

Derzeitiger Strom- und Wärmeverbrauch entspricht Bedarf von etwa 180 bis 190 Einfamilienhäusern

Das Schulzentrum in Lohr wurde in den 70er Jahren erbaut, nach Plänen des so genannten „Kasseler Modells“ – eine typische Bauweise der 60er und 70er Jahre, bei der Fertigteile aus Stahlbeton ein schnelles Errichten von Gebäuden ermöglichten. Auf der Grundfläche von rund 25.000 Quadratmetern befinden sich eine Hauptschule, ein Gymnasium, eine unterteilbare Turnhalle und ein Hallenbad. Vor allem die äußeren Betonbrüstungen und -stützen sind heute, rund 30 Jahre später, sanierungsbedürftig. Auf Wärmedämmung wurde damals kein Wert gelegt: „Die Ausgaben für Heiz- und Stromkosten sind beträchtlich“, sagte der Geschäftsführer des Zweckverbandes, Uli Heck. Der Verbrauch für Wärme und Strom in der Schule entspreche dem Bedarf von etwa 180 bis 190 Einfamilienhäusern.

Freuen sich ĂŒber das Projekt (v.l.): Werner Haase (ArchitekturbĂŒro Haase), Ernst PrĂŒĂŸe (Vorsitzender Zweckverband Schul- und Sportzentrum (ZSS)Lohr), Uli Heck (GeschĂ€ftsfĂŒhrer ZSS), Dr. Wulf Grimm (DBU), Thomas Schiebel (Landrat Main-Spessart), Christian Conradi (Schulleiter F.-L.-v. Ertahl Gymnasium), Franz Wolf (Schulleiter G. Woehrnitz Hauptschule).
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In Planung: 80 Prozent weniger Energie verbrauchen

„Mit Hilfe der DBU kann nun ein Konzept für den Umbau der Schule nach Passivhausstandard entwickelt werden“, sagte Grimm heute. Moderne Heizungs- und Lüftungstechnik in Kombination mit der Nutzung erneuerbarer Energien soll künftig das Schulbild des großen Komplexes in Lohr prägen. Grimm: „Auch auf den ersten Blick nicht erkennbare bautechnische Lösungen können zum Ziel führen.“ So könne beispielsweise die höhere Rücklauftemperatur des Schwimmbades zur Heizung in Schule und Turnhalle genutzt werden. Die Anpassung an den jeweiligen Wärmebedarf könne sich so verbessern. Auch die ‚kostenlosen Energieträger’, wie Sonne und Erdwärme, sollen für die Planung unter die Lupe genommen werden. Dabei sei auch eine dem Passivhausstandard entsprechende Hausfassade, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine Wärmepumpe, die mit regenerativ erzeugtem Strom laufen soll, vorgesehen. Ein kohlendioxidneutraler Betrieb solle so für die Schule ermöglicht werden. „Insgesamt sollen hier einmal rund 80 Prozent weniger Energie als zuvor verbraucht werden“, so Grimm. Der Ausstoß des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid könne dadurch ebenfalls um 80 Prozent gemindert werden. Potentiale der Biomassenutzung werden geprüft. 

Moderne soll einziehen: Schulräume an heutige pädagogische Konzepte anpassen

Die Schulräume sollen darüber hinaus an Barrierefreiheit und heutige pädagogische Konzepte angepasst werden. „Der Frontalunterricht ist heute durch neue Medien, kleinere Gruppen und andere Unterrichtsmethoden abgelöst worden“, sagte Grimm. Die energetischen Grundsätze und die damit verbundenen umweltrelevanten Auswirkungen sollen dann auch im Unterricht bearbeitet und vertieft werden. 

Brickwedde: "Vorhaben ist modellhaft für andere Objekte"

„Mit dem vorgesehenen Konzept geht nicht nur eine Schule mit der klimafreundlichen Instandsetzung eines öffentlichen Gebäudes als gutes Vorbild voran“, so DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, „sondern es werden auch Lehrer und Schüler für erneuerbare Energien sensibilisiert“. Da der Konstruktionstyp „Kasseler Modell“ in ähnlicher Bauweise an rund 150 weiteren Standorten zu finden sei, könnten die Ergebnisse bundesweit auf eine Vielzahl ähnlicher Schul- und Verwaltungsbauten übertragen werden. Brickwedde: „Damit ist das Vorhaben modellhaft für andere Sanierungsprojekte.“ 

Für Fragen zum Projekt (AZ: 28279): Uli Heck, Zweckverband Schul- und Sportzentrum Lohr/Main, Telefon: 09352/500420, Fax: 09352/5004210



Wie in Lohr wurden an rund 150 weiteren Standorten Schulen nach dem "Kasseler Modell" gebaut.
© Uli Heck

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