Untersuchung belegt: Haussanierung und Artenschutz passen unter ein Dach

Leitfaden fĂŒr Vogel- und Fledermausschutz bei GebĂ€udemodernisierung / DBU gab 24.000 Euro

Hannover/OsnabrĂŒck. Klima- und Artenschutz mĂŒssen sich bei der energetischen GebĂ€udesanierung nicht ausschließen. Wer sein Ă€lteres Haus modernisieren, Vogel- und Fledermausarten als „Untermieter“ aber nicht um ihre BrutplĂ€tze und Ruhequartiere bringen will, hat jetzt neue Möglichkeiten zum dauerhaften Schutz der Tiere. In einem zweijĂ€hrigen Forschungsprojekt des Bundes fĂŒr Umwelt und Naturschutz, BUND Region Hannover, wurden an ĂŒber 60 GebĂ€uden beispielhafte Artenschutzmaßnahmen umgesetzt. Hierbei wurden fĂŒr FledermĂ€use, Mauersegler und Haussperlinge ĂŒber 800 Nistmöglichkeiten erhalten oder neu geschaffen. Zusammen mit Nistkastenherstellern wurden spezielle Niststeine fĂŒr den Einbau in die WĂ€rmedĂ€mmung entwickelt, ein Leitfaden zusammengestellt und ein branchenĂŒbergreifendes Netzwerk geschaffen. Umfangreiches Infomaterial kann unter http://region-hannover.bund.net kostenlos heruntergeladen werden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hatte das Projekt mit rund 24.000 Euro unterstĂŒtzt.

GebĂ€udesanierung spielt fĂŒr Energiewende wichtige Rolle

„Die energetische GebĂ€udesanierung spielt fĂŒr das Gelingen der Energiewende eine wichtige Rolle. Bis zu 80 Prozent der Energie, die zum Heizen und zur Warmwasserbereitung verbraucht wird, lassen sich durch Maßnahmen wie die WĂ€rmedĂ€mmung von Dach, WĂ€nden und Kellerdecke, den Einbau von wĂ€rmeisolierenden Fenstern oder die Umstellung auf energieeffiziente Heizsysteme einsparen“, betonte DBU-GeneralsekretĂ€r Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde. Das Problem: LebensrĂ€ume fĂŒr Vögel und FledermĂ€use in und unter DĂ€chern, hinter Fassadenverkleidungen, Fallrohren oder in Fassadennischen können ersatzlos verloren gehen, wenn die Handwerker anrĂŒcken.

Quartiere von Mauersegler und Zwergfledermaus berĂŒcksichtigen

„Gerade Vogelarten wie Mauersegler und Hausrotschwanz oder seltene Fledermausarten wie Zwerg- und BreitflĂŒgelfledermaus sind im stĂ€dtischen Raum auf vielfĂ€ltige GebĂ€udestrukturen angewiesen. Diese werden als Schlaf- und Brutquartiere benötigt. Das jetzt abgeschlossene Projekt zeigt, dass sich Klima- und Artenschutz bei der GebĂ€udesanierung nicht ausschließen mĂŒssen“, erklĂ€rte DBU-Naturschutzreferent Dr. Volker Wachendörfer.

Auch Rauchschwalben nisten gern an HĂ€usern. In einem von der DBU geförderten Projekt wurden nun Wege ermittelt, wie bei einer energetischen Sanierung die BedĂŒrfnisse der Tiere berĂŒcksichtigt werden können, ohne bei der DĂ€mmqualitĂ€t große Abstriche machen zu mĂŒssen.
© J.LĂŒbbert/BUND Region Hannover
Im DBU-geförderten Projekt wurden Niststeine entwickelt, die in die neue WĂ€rmedĂ€mmung integriert werden können. Das Bild zeigt einen Einbaustein fĂŒr Mauersegler.
© J. LĂŒbbert/BUND Region Hannover

Infomaterial wird kostenlos im Internet bereitgestellt

„Wir haben modellhafte Lösungen fĂŒr die hĂ€ufigsten GebĂ€udetypen entwickelt, wie bundesweit bei Modernisierungen die Quartiere erhalten, ersetzt oder neu geschaffen werden können“, sagte Diplom-Biologin Jana LĂŒbbert vom BUND. Die umfangreichen Unterlagen mit Erfahrungen, Tipps und Lösungsmöglichkeiten könnten ab sofort kostenlos auf der Homepage der BUND Kreisgruppe Region Hannover heruntergeladen werden. „Wir konnten ein branchenĂŒbergreifendes Netzwerk aufbauen, in dem Baubranche, Verwaltung und Naturschutz kooperativ und erfolgreich an Lösungen gearbeitet haben“, erklĂ€rte LĂŒbbert.

Zahlreiche Bauherren und Multiplikatoren angesprochen

Nach der Entwicklung der neuen Einbausteine habe man auch eine Nistkastenausstellung fĂŒr Interessierte zusammengestellt. Gemeinsam mit der ehrenamtlichen BUND-Arbeitsgruppe „Mauersegler“ seien im Rahmen des Projektes zahlreiche private Bauherren, Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften, Architekten, Handwerker und Energieberater angesprochen und Baumaßnahmen begleitet worden. Auch nach Projektende wolle man die Beratungen nun engagiert fortfĂŒhren.

Direkter Link zum Informationsmaterial: http://region-hannover.bund.net/themen_und_projekte/schutz_gebaeude_bewohnender_arten/informationsmaterial_zum_downloaden/

Ansprechpartner bei Fragen zum Projekt (AZ 26936): BUND Region Hannover, Telefon 0511-660093

Auch ZwergfledermĂ€use nutzen HĂ€userstrukturen als Quartier. Das im DBU-geförderten Projekt zusammengestellte Infomaterial soll helfen, den Artenschutz bei der energetischen Sanierung besser berĂŒcksichtigen zu können.
© S.Maurer-Wohlatz/ BUND Region Hannover

Medien & Infos