Umweltschutz in Köpfen verankern – DBU investiert in junge Menschen

Bilanz zum "Internationalen Tag der Jugend": Stiftung förderte mit fast 75 Millionen Euro Projekte fĂŒr Jugendliche
OsnabrĂŒck. Wachsende MĂŒllberge, Wasserverschmutzung und Klimawandel interessieren Jugendliche weniger - jedenfalls nach der Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2004" der Philipps-UniversitĂ€t Marburg und im Vergleich zu Ă€lteren Teilnehmern. Es gibt immer mehr junge Leute von 18 bis 24 Jahre, die sich immer weniger fĂŒr Umweltfragen interessieren: Die JĂŒngeren zeigen sich weniger betroffen. "Eine besorgniserregende Entwicklung", meint der Pressesprecher der Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Franz-Georg Elpers, anlĂ€sslich des "Internationalen Tag der Jugend" am 12. August: "Um nachhaltig die Umwelt zu schĂŒtzen, brauchen wir die Jugend." Den Nachwuchs im Blick hat die Stiftung nicht nur mit ihrem Stipendiatenprogrammen. In den vergangenen 15 Jahren hat die DBU rund 240 Kinder- und Jugend-Projekte mit fast 75 Millionen Euro gefördert.

Elpers: "Jugendlichen fehlt oft die NĂ€he zur Natur"

Anders als in den 80er Jahren werde in Schulen Umweltschutz weniger thematisiert. "Da sich das Freizeitverhalten junger Leute geĂ€ndert hat, fehlt ihnen oft die NĂ€he zur Natur", erlĂ€utert Elpers. Und wenn Kinder und Jugendliche schon die BĂ€ume hierzulande nicht kennen wĂŒrden, dann sei es schwer, Interesse fĂŒr den Regenwald zu entwickeln.

Materialpaket zum Regenwald informiert SchĂŒler - Mitmach- und Ideenbuch schafft Tropenwissen

Dass Schokolade nicht auf BĂ€umen wĂ€chst - das ist Jugendlichen klar. Dass die Kakao-Frucht aber aus RegenwĂ€ldern stammt, wissen viele nicht. Mittlerweile seien gut vorbereitetes Wissen und innovative Unterrichtsmaterialien an Schulen Mangelware. Deshalb hat die Tropenwaldstiftung "OroVerde" mit finanzieller UnterstĂŒtzung der DBU in diesem Jahr ein Materialpaket fĂŒr Lehrer und Referendare entwickelt, das den Tropenwald nicht nur unter ökologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten behandelt. Es berĂŒcksichtigt auch soziale und kulturelle Aspekte. "Dieses Paket ist eine ideale ErgĂ€nzung zum OroVerde-Konzept `Tropenwald ist Zukunft`", so Elpers. Dabei handelt es sich um ein Mitmach- und Ideenbuch zum Thema Regenwald, das sich in erster Linie an SchĂŒler, nicht ans Lehrpersonal richtet.

"Umwelt baut BrĂŒcken" zwischen deutschen und auslĂ€ndischen Nachwuchsjournalisten

Mitmachen können Jugendliche auch beim DBU-Projekt "Umwelt baut BrĂŒcken". Über 5.000 SchĂŒlern aus 68 Schulen sowie 20 Partnerzeitungen aus sechs LĂ€ndern mit einer Gesamtauflage von rund 2,8 Millionen Exemplaren nehmen mehr als drei Jahre lang an dem grenzenĂŒberschreitenden Projekt teil. Wie "richtige" Journalisten machen sich Jugendliche ab der neunten Klasse aus 34 Schulen in Deutschland und 34 Partnerschulen aus Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien oder Ungarn auf die Suche nach interessanten Umweltaspekten. Nach gegenseitigen Besuchen und einer Recherche vor Ort schreiben die Nachwuchsjournalisten Artikel und veröffentlichen diese in ihrer Partnerzeitung. Das Projekt fördert die DBU mit ĂŒber zwei Millionen Euro.

Martin Luther-Denkmal restaurieren - eine Aufgabe fĂŒr Gymnasiasten in Sachsen

Dass gute Vorhaben nicht immer viel Geld kosten mĂŒssen, zeigt ein anders Beispiel: Eine Begegnung der besondern Art mit den Reformatoren Martin Luther und Phillip Melanchthon machen SchĂŒler aus Pirna-Kopitz (Sachsen). Alle SchĂŒler des Johann-Gottfried-Herder-Gymnasiums lassen sich einspannen, um ein Denkmal zu restaurieren: In der Vorhalle der Pirnaer Stadtkirche stehen die zwei Prominenten als Sandstein-Statuen. Doch der Erhalt der wertvollen Skulpturen ist gefĂ€hrdet. UmwelteinflĂŒsse schĂ€digten die Abbilder: Krusten haben sich am Stein gebildet, das Material ist porös. Jetzt wollen die Jugendlichen mit finanzieller UnterstĂŒtzung der DBU rund 40.000 Euro fĂŒr die Sanierung sammeln. Im Kunst- oder auch Chemiestunden werden sie außerdem die vorliegenden Schadensbilder und deren Ursachen, aber auch die generelle Bedeutung von DenkmĂ€lern erörtern. "Ein Kulturdenkmal schafft IdentitĂ€t, hilft, sich mit Geschichte und mit dem eigenen Umfeld auseinander zu setzen", weiß DBU-Experte Lutz Töpfer.

Jugendliche aus Deutschland und Tschechien grĂŒnden Ökoschulen

Auch das gerade erfolgreich abgeschlossene DBU-Projekt "Auf eigenen FĂŒĂŸen stehen" unterstreicht: Umweltschutz kann entgegen allen Trends Jugendliche begeistern. SchĂŒler aus elf ausgewĂ€hlten sĂ€chsischen und zehn tschechischen Schulen grĂŒndeten ein Netz von Ökoschulen und pflanzten etwa "BĂ€ume der Freundschaft", besuchten eine Papierfabrik in Eilenburg (Sachsen) und grĂŒndeten ein Umweltkabarett. Gemeinsam arbeiteten sie in Projektgruppen an einem Streuobstwiesenprojekt im Kloster Osek (Tschechien) und erforschten die "Geheimnisse des Wassers". Mit nachhaltigem Erfolg: Acht Schulpartnerschaften und ArbeitsblĂ€tter zu fĂŒnf ökologischen Themen entstanden durch das grenzĂŒberschreitende Jugend-Projekt des Christlich-Sozialen Bildungswerkes Sachsen.

Ansprechpartner fĂŒr Fragen zu den Projekten: "Schokolade wĂ€chst auf BĂ€umen" (AZ 24036): Birte Hesebeck, OroVerde, Telefon: 0228/ 2429014, Telefax: 0228/ 2429055, bhesebeck@oroverde.de, www.oroverde.de

"Umwelt baut BrĂŒcken” (AZ 23302): Dr. Norbert Hilger, IZOP-Institut zur Objektivierung von Lern- und PrĂŒfungsverfahren , Telefon: 02408/5889-14, Telefax: 02408/5889-27, izop@izop.de, www.umwelt-baut-bruecken.de

"SchĂŒlerpartnerschaft fĂŒr Denkmalschutz" (AZ 24194): Heide Ibach, Ibach-Denk-Mal-Stiftung, Bischberg (Bayern, Telefon: 0951/ 68036, Telefax: 0951/ 68039, ibach@denkmal-stiftung.com

"Auf eigenen FĂŒĂŸen stehen" (AZ 19904): ThaddĂ€us Ziesch, Christlich-Soziales Bildungswerk, Sachsen, Telefon: 035796/97129, Telefax: 035796/97116, ziesch@csb-miltitz.de
Eine Begegnung der besondern Art mit den Reformatoren Martin Luther und Phillip Melanchthon machen Jugendliche aus Pirna-Kopitz (Sachsen). Alle SchĂŒler des Johann-Gottfried-Herder-Gymnasiums lassen sich einspannen, um das Denkmal zu restaurieren. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstĂŒtzt das Projekt.
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Projektstart 2005: BundesprĂ€sident Horst Köhler startete das DBU-Förderprojekt "Umwelt baut BrĂŒcken" in Berlin gemeinsam mit den SchĂŒlern aus Westerstede, MĂŒnsterschwarzach, Györ (Ungarn) und Wroclaw (Polen), mit DBU-GeneralsekretĂ€r Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde (8.v.l.), DBU-Kuratoriumsvorsitzendem Hubert Weinzierl (4.v.r.) und Peter Brand vom IZOP-Institut Aachen (6.v.r.).
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