Steinmeier: Wir müssen unsere Art zu leben und zu wirtschaften hinterfragen

Verleihung des Deutschen Umweltpreises der DBU in Aachen
Der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Alexander Bonde (Mitte), begrüßt zusammen mit NRW-Vize-Ministerpräsidentin Mona Neubaur Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor dem Eurogress Aachen. Dort wurde heute (Sonntag) der Deutsche Umweltpreis der DBU an Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul sowie an die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen vergeben und vom Bundespräsidenten überreicht.
© Peter Himsel/DBU

Osnabrück/Aachen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft dazu auf, die Art zu leben und zu wirtschaften zu überdenken, „um unseren Kindern und Enkeln einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen“. Das sei jedoch nicht von einem einzelnen Land oder einzelnen Menschen zu bewältigen, sondern eine gemeinsame Aufgabe, „als Weltgemeinschaft, als ganze Gesellschaft“. Beim Festakt zur Verleihung des Deutschen Umweltpreises durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Eurogress Aachen appellierte das Staatsoberhaupt heute (Sonntag) zugleich daran, jede Chance zu nutzen, um sich „nach Kräften gegen die Folgen der Erderwärmung“ zu wappnen.

Bonde: Natürliche Lebensgrundlagen im ureigenen Interesse erhalten und stärken

Rund 1000 Gäste verfolgten den Festakt zur Verleihung des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Eurogress heute (Sonntag) in Aachen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichte die Auszeichnung in Höhe von insgesamt 500.000 Euro, die zu gleichen Teilen an die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen sowie an Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul geht.
© Peter Himsel/DBU

Der Deutsche Umweltpreis der DBU in Höhe von insgesamt 500.000 Euro zählt zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas und geht dieses Jahr zu gleichen Teilen an Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul sowie an die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen. Vossenkaul wird für seine innovativen Weiterentwicklungen bei der Membranfiltertechnologie für die Abwasserreinigung in Kläranlagen ausgezeichnet, Verheyen wegen der Durchsetzung rechtlicher Vorgaben für mehr Umwelt- und Klimagerechtigkeit. In seiner Rede zum Festakt sagte Steinmeier, angesichts der Sorgen um Stabilität und Sicherheit seien „aktuell bei vielen Menschen die Gedanken an Umwelt- und Klimaschutz etwas in den Hintergrund getreten“. Gleichwohl, auch wenn das paradox klinge, „spüren wir den Ernst der Lage ganz wortwörtlich, auch wir Europäer. Die Fieberkurve unseres Planeten zeigt deutlich nach oben“. Gerade Europa treffe der Klimawandel „besonders stark – unser Kontinent erwärmt sich mehr als doppelt so schnell wie alle anderen“. Darauf, so der Bundespräsident, könne es unabhängig von tagespolitischen Geschehnissen nur die Antwort geben, sich mit aller Kraft gegen die Überhitzung des Planeten zu stemmen, „indem wir Treibhausgase reduzieren und vor allem die natürlichen Ressourcen schützen, die helfen, unser Klima zu stabilisieren: Böden und Wälder, Moore und Meere“. Dazu DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: „Wir müssen diese natürlichen Lebensgrundlagen im ureigenen Interesse erhalten und stärken. Deshalb fördern die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und deren Tochter, das DBU Naturerbe, ebensolche Projekte. Und mit dem Meeresnaturschutzfonds steht der DBU ein starkes Instrument zum besseren Schutz von Nord- und Ostsee zur Verfügung.“ Steinmeier bekräftigte, es gebe Chancen, sich gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen. „Und das ist genau, was den Deutschen Umweltpreis so wertvoll macht: dass er uns eine gehörige Portion Tatkraft und Hoffnung einimpft. Wir sind all dem nicht machtlos ausgeliefert.“

Technologischer Fortschritt und Fortentwicklung des Rechts

Mit aller Kraft gegen die Erderwärmung: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier während seiner Rede heute (Sonntag) bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Aachen. Das Staatsoberhaupt, dessen Amtszeit 2027 endet, war zum zehnten Mal in Folge dabei.
© Peter Himsel/DBU

Der Bundespräsident sagte mit Blick auf Verheyen und Vossenkaul, er freue sich, „dass wir heute zwei Menschen auszeichnen, die zum einen für den technologischen Fortschritt, zum anderen für die Fortentwicklung des Rechts Herausragendes geleistet haben“. Verheyen habe als Juristin „vielen Menschen Möglichkeiten aufgezeigt, für ihre Interessen zu streiten, wenn es um den menschengemachten Klimawandel und seine Folgen geht“. Steinmeier an die Adresse Verheyens: „Sie haben ihnen zur Seite gestanden und ihnen Gehör verschafft im Streit mit Konzernen und Regierungen, um unser aller ,Recht auf Zukunft‘, wie Sie es sagen, zu sichern.“ Der Bundespräsident erinnerte an Verheyens „entscheidenden Anteil daran, dass das Bundesverfassungsgericht sein Diktum zur Klimaneutralität bis 2045 gefällt hat“. Laut Steinmeier erweiterte der Beschluss „die heute zu schützenden Grundrechte und Freiheiten um diejenigen der kommenden Generationen“.

EU-Kommunalabwasser-Richtlinie muss bis Juli 2027 in nationales Recht umgesetzt sein

Sofagespräch: Im Talk mit Moderatorin Katie Gallus (links) erzählen Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul und die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen von ihrem Schaffen. Beide wurden heute (Sonntag) von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in einem Festakt im Eurogress Aachen mit dem Deutschen Umweltpreis in Höhe von insgesamt 500.000 Euro ausgezeichnet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreichte die Auszeichnungen.
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Membranfilteringenieur Vossenkaul wiederum sei ein „Technologie-Pionier in herausragender Art und Weise“, so Steinmeier. Mit einer Prise Humor fügte er hinzu: In Aachen eine Laudatio ohne Erwähnung von Karl zu halten, sei fast unmöglich. In diesem Fall gehe es aber nicht um Karl den Großen, sondern um die Kommunalabwasser-Richtlinie der Europäischen Union (EU), kurz ebenfalls KARL. Sie solle durch zusätzliche Verfahren sicherstellen, dass gesundheitsschädliches Mikroplastik, gefährliche Keime und Krankheitserreger, aber auch Rückstände von Arzneimitteln aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Bis Juli 2027 haben die EU-Mitgliedstaaten Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Eine Grundlage dafür seien technische Innovationen. Vossenkauls weiterentwickelte Membrantechnologie leiste dazu einen Beitrag. Diese sei der KARL-Ära weit voraus, weil die Membranfilter aus Hohlfasern bei der Nach- und Umrüstung von Kläranlagen helfen, „und das platz-, energie- und somit kostensparend“, so Steinmeier.

Bundespräsident: Deutscher Umweltpreis ist mir von Jahr zu Jahr weiter ans Herz gewachsen

Blickfang: Bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Aachen erläutert Preisträger Dr.-Ing. Klaus Vossenkaul Moderatorin Katie Gallus anhand eines zu Demonstrationszwecken transparenten Membranmoduls die Technik der Abwasserreinigung mit Hohlfasermembranen.
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Steinmeier nutzte die Rede zu einem persönlichen Resümee. Seit 2017 habe er jedes Jahr den Deutschen Umweltpreis der DBU überreicht, auch wenn er 2020 wegen der damaligen Corona-Pandemie sich lediglich per Videobotschaft habe zuschalten können. „Dieser Preis ist mir von Jahr zu Jahr weiter ans Herz gewachsen“, so der Bundespräsident. Er habe stets „mit Neugier und Spannung auf die Preisverleihung geschaut“ und sich gefreut, „Menschen mit Engagement und innovativen Ideen kennenzulernen“. Deshalb erfülle es ihn „ein wenig mit Wehmut, dass ich ihn heute zum letzten Mal überreichen darf“. Steinmeiers Amtszeit endet im nächsten Jahr.

In einem feierlichen Festakt hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) heute (Sonntag) den diesjährigen Deutschen Umweltpreis in Höhe von gesamt 500.000 Euro in Aachen vergeben. Überreicht wurden die Preise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (vorne, Mitte) an die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen (vorne, links) und Membranfilter-Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul (vorne, rechts). Das Foto zeigt zudem (hinten, von links) den DBU-Kuratoriumsvorsitzenden Kai Niebert, DBU-Generalsekretär Alexander Bonde und NRW-Vize-Ministerpräsidentin Mona Neubaur.
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Hintergrund:
Der 2026 zum 34. Mal verliehene Deutsche Umweltpreis der DBU zeichnet Leistungen von Menschen aus, die vorbildlich zum Schutz und Erhalt der Umwelt beitragen. Für Vorschläge an die DBU sind etwa Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und Naturschutzverbände, wissenschaftliche Vereinigungen, Forschungsgemeinschaften, Medien, das Handwerk und Wirtschaftsverbände berechtigt. Selbstvorschläge sind nicht möglich. Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury unabhängiger Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen Gruppen empfiehlt dem DBU-Kuratorium Preisträgerinnen und Preisträger für das jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fällt die endgültige Entscheidung.
Infos zum Deutschen Umweltpreis und Ausgezeichneten: https://www.dbu.de/umweltpreis.

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