Sanfter Strom aus natürlicher Wasserkraft: Modell Jägersdorf soll weite Wellen schlagen

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (Osnabrück) fördert Projekt in Thüringen mit fast einer Million Mark
Jägersdorf. Im thüringischen Jägersdorf an der Saale, zehn Kilometer südlich von Jena, soll in absehbarer Zukunft wieder umweltschonend produzierter Strom aus Wasserkraft fließen. Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unter Vorsitz von Bundesbankpräsident Dr. Hans Tietmeyer beschloß in Bonn, für die naturnahe Reaktivierung der Wasserkraftanlage insgesamt knapp eine Million Mark zur Verfügung zu stellen. Jägersdorf ist das erste Förderprojekt aus einem Zehn-Millionen-Mark-Paket, das die größte Umweltstiftung Europas für die Wiederinbetriebnahme stillgelegter Wasserkraftanlagen in den ostdeutschen Bundesländern zur Verfügung stellt.

Wie Generalsekretär Fritz Brickwedde in einer Presseinformation der Stiftung weiter ausführte, ist eine Wasserkraftnutzung am Standort Jägersdorf bis in das 15. Jahrhundert nachweisbar. Die Wasserkraftanlage in ihrer jetzigen Form sei zur Energieerzeugung 1900 in Betrieb genommen und 1967 stillgelegt worden. Die komplette technische Ausrüstung sei demontiert worden. An dem mittlerweile denkmalgeschützten Gebäude seien keine Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt worden, so daß die Gebäudehülle stark sanierungsbedürftig sei. Die Gebäudefundamente befänden sich jedoch noch in technisch einwandfreiem Zustand.

Im Rahmen der Reaktivierung sei beabsichtigt, unterschiedliche Möglichkeiten einer umweltgerechten Wasserkraftnutzung demonstrativ zu berücksichtigen, um so für das Bundesland Thüringen eine Referenzanlage zu schaffen. Dazu sei ein naturnaher Ausbau des oberen und unteren Betriebsgrabens mit Anlegen einer Fischaufstiegshilfe sowie die Wiedereinrichtung der ursprünglichen Stauhöhe vorgesehen. Beabsichtigt sei auch, das ursprünglich vorhandene Einlaufbauwerk wieder einzurichten. Nach Fertigstellung sei mit einer Leistung von 250 Kilowatt zu rechnen.

Während maschinen- und elektrotechnische Reaktivierungsmaßnahmen im Krafthausbereich wie auch die Sanierung der denkmalgeschützten Gebäude nicht Gegenstand der Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt seien, wolle die Stiftung über die Förderung der wasserbautechnischen Maßnahmen der umweltgerechten Kleinwasserkraftnutzung über ein solches Demonstrationskraftwerk den Weg ebnen.

Den privaten Betreibern der Anlage stünden für die Erarbeitung der Aspekte Landschaftsbau und -ökologie sowie Wasserbau als Kooperationspartner die Fachbereiche Bauingenieurwesen und Landschaftsplanung der Universität Gesamthochschule Kassel zur Seite.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert nach den Worten ihres Generalsekretärs die Kreativität kleiner und mittlerer Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreiz für ökologische Innovationen in diesen Betrieben. Brickwedde: "Die Umweltstiftung setzt durch die Förderung umwelt- und gesundheitsfreundlicher Produktionsverfahren auf einen vorbeugenden und integrierten Umweltschutz. Sie mindert das Einstiegsrisiko für Unternehmen in umweltschonendere Produktionstechniken und fördert, was die Umwelt direkt und praktisch schützt." Gleichzeitig unterstütze sie Kooperationsprojekte in der Anwendung von Umwelttechnik und den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen öffentlichen oder privaten Stellen. Modellhaft werden auch, so Brickwedde, national wertvolle Kulturgüter im Hinblick auf schädliche Umwelteinflüsse bewahrt und gesichert. Seit Gründung der Stiftung 1990 wurden insgesamt über 950 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 550 Millionen Mark gefördert.