Neue Ideen für die Pflege alter Feuersteine

Techniken zum Erhalt des seltenen Geotops auf der DBU-Naturerbefläche Prora erprobt

Eine gemeinsame Pressemitteilung mit dem Landkreis Vorpommmern-Rügen

Moose und Gräser verdecken die offenen Feuersteinfelder und müssen schonend abgezogen werden, um dem Geotopschutz zu genügen.
© Klaus Reimers/Bundesforst

Prora. Stein für Stein eine Besonderheit: Vor rund 4.000 Jahren entstand das an der Ostseeküste einmalige geologische Flächenmonument der Feuersteinfelder. Gewaltige Sturmfluten spülten seinerzeit die Steine als Strandwälle an ihren Platz auf der heutigen DBU-Naturerbefläche Prora auf Rügen. Doch das „Steinerne Meer“ steht unter Vegetationsdruck: Laub- und Nadelstreu werden vom Wind auf die Steinlagen geweht und Birken- und Kiefernsamen keimen dann darin auf, Moose und Gräser verdecken die offenen Feuersteine. „Es bleibt eine dauerhafte Herausforderung, dieses auch für den Naturschutz bedeutende Landschaftselement zu erhalten. Daher haben wir in einer Testwoche verschiedene Techniken zur Erhaltung und Wiederherstellung des offenen Charakters vergleichend im Einsatz, um für die Zukunft den bestmöglichen Pflegeansatz zu erproben und zu entwickeln“, erklärt Dr. Jörg Tillmann, stellvertretender Fachlicher Leiter im DBU Naturerbe, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Ohne Pflege keine sichtbaren Feuersteinfelder

Inselartig etablieren sich Besenheide, Gräser und Moose, die zusehends die Feuersteine teppichartig überwallen. In Folge finden dann junge Kiefern und Birken ein Keimbett. „Ohne Pflege verschwinden die offenen Feuersteinstrukturen unter dem Pflanzenaufwuchs. Dabei darf die Lagerungsstruktur der bundesweit einmaligen Feuersteinfelder nicht verändert werden. Eine riesige Herausforderung, sobald Technik im Einsatz ist“, weiß Tillmann. In der Vergangenheit wurden bereits verschiedene Techniken zur Offenhaltung der Feuersteinfelder ausprobiert. Zudem lichtet der Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz im Auftrag des DBU Naturerbes regelmäßig Birken- und Kiefernbestände westlich der Feuersteinfelder auf, damit weniger Samen und Streu der Bäume in die offenen Steinfelder eingetragen werden. Ebenso entfernen kofinanziert vom DBU Naturerbe Freiwillige des Vereins Bergwaldprojekt alljährlich händisch den Bewuchs auf Teilflächen der Steinfelder. „All diese Bausteine führen aber noch nicht nachhaltig zu dem gewünschten Fortschritt. Daher haben wir uns jetzt in der Testwoche nochmal gezielt Zeit genommen, neue Herangehensweisen zu entwickeln und verschiedene Techniken auch vor dem Hintergrund der Finanzierbarkeit zu prüfen“, erklärt Tillmann. Die Maßnahmen sind gemeinsam mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises Vorpommern-Rügen sowie mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Vorpommern abgestimmt und werden als Pilotprojekt vom DBU Naturerbe finanziert.

Stein für Stein eine Besonderheit: Vor rund 4000 Jahren entstand das geologische Flächenmonument auf der heutigen DBU-Naturerbefläche Prora.
© Bergwaldprojekt e. V.

Eine Testwoche mit großem Technikbaukasten

Das Unternehmen R.-P. Meyer-Luhdorf Biotopmanagement hatte einen ganzen Technikbaukasten für die Testwoche auf der DBU-Naturerbefläche dabei. „An die hydraulischen Ausleger von zwei unterschiedlich großen Baggern mit breitem Gummikettenlaufwerk konnten wir verschiedene Anbaugeräte montieren“, erklärt Klaus Reimers, DBU-Koordinator beim Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz. Neben Schneidgreifern kamen Rechen mit unterschiedlich langen Zinken zum Einsatz: Gezielt wurden überalterte und auseinandergebrochene Wachholderbüsche sowie Kiefern, Birken, Eichen und Rosengewächse mitsamt Wurzeln zwischen den Steinen herausgezogen und Gras- und Heidebewuchs von den Feuersteinen schonend abgezogen, um dem Geotopschutz zu genügen. „Wir haben am westlichen Rand der Feuersteinfelder drei Testbereiche von jeweils einigen hundert Quadratmetern festgelegt, um unterschiedliche Techniken einzusetzen und die Effekte miteinander zu vergleichen. Dabei haben wir beispielsweise bewusst in einigen Testbereichen auch Gewächse stehengelassen oder unterschiedliche Werkzeuge zum Abheben der Vegetationsdecke verwendet“, sagt Reimers. Abgeschnittener Wacholder wird südlich der Feuersteinfelder zwischengelagert und erst nach der gesetzlichen Brut- und Setzzeit im Herbst abgeholt. Um am Ende zu erkennen, welche Technik zum gewünschten Erfolg führt oder ob an einigen Stellen nachgebessert werden muss, beobachten das DBU Naturerbe, die UNB, das StALU und der Bundesforstbetrieb die Testfelder über den Sommer hinweg weiter. „Der Test läuft also weiter – auch wenn die Maschinen die Feuersteinfelder bereits wieder verlassen haben“, sagt Reimers.

Naturschutz ist Gemeinschaftsaufgabe

Ohne Pflege keine sichtbaren Feuersteinfelder: In einer Testwoche kamen unterschiedliche Techniken zum Einsatz, um die Feuersteinfelder von Bewuchs zu befreien.
© Klaus Reimers/Bundesforst

Vor rund 4.000 Jahren entstand das an der Ostseeküste geologische Flächenmonument der Feuersteinfelder. Der ursprüngliche, nährstoff- und vegetationsarme Zustand ist Lebensraum geschützter Reptilien wie Schlingnatter und Kreuzotter sowie seltener Spinnen- und Laufkäferarten. Zudem seien die Feuersteinfelder ein beliebtes Naherholungsziel auf der Insel Rügen. Diesen nach Flora-Fauna-Habitatrichtlinie der Europäischen Union geschützten Lebensraum zu erhalten, bleibe eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der das DBU Naturerbe, das Land Mecklenburg-Vorpommern sowie der Landkreis in unterschiedlichen Rollen gefragt sind. Dabei stehen die Verantwortlichen auf der einen Seite vor der Herausforderung, eine effiziente und zugleich schonende Methode zu finden, um das empfindliche Gleichgewicht der Steinflächen zu bewahren. Dies gelingt auf der anderen Seite jedoch nur, wenn auch gemeinsame Ideen für die Finanzierbarkeit gefunden werden. „Die Komplexität des Gebiets erfordert eine präzise Abstimmung aller Maßnahmen, um das geologische Erbe zu schützen und gleichzeitig den Lebensraum für geschützte Arten zu erhalten“, betont der Landkreis.

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