Mit „RUDi“ mehr Umweltschutz

Mehrweg-Warenpräsentation in Supermärkten – DBU-Projekt
Kleine Revolution in der Handelslogistik: Ein Mehrwegsystem namens RUDi (reusable display) wird ab 2024 von einer großen Handelskette bundesweit in Tausenden Supermärkten eingeführt, um Einweg-Warenpräsentationen zu ersetzen sowie rund 165.000 Tonnen Abfall und etwa 315.000 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid zu vermeiden. Grundlage ist ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördertes Projekt.
© EcoRetail

Osnabrück. Es geht um eine kleine Revolution in der Logistik des Lebensmitteleinzelhandels – und um eine Abkehr von kaum nachhaltigen Gewohnheiten für besseren Klimaschutz: Die Innovation heißt „RUDi“ (reusable display, auf Deutsch wiederverwendbare Präsentation), soll in Supermärkten und anderen Geschäften die bisherigen für Sonderware genutzten Warenpräsentationen aus Papier, Pappe und Verbundstoffen ersetzen und folgt der Devise Mehrwert durch Mehrweg. Mit rund 125.000 Euro hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) die Entwicklung der Idee gefördert. Davon überzeugt ist eine große Supermarktkette: Ab 2024 will sie RUDi schrittweise bundesweit an ihren Tausenden Standorten einsetzen.

Riesige Produktpalette für Aufsteller in Supermärkten: von Katzenfutter bis Karottensaft

„Das ist unser Beitrag für mehr Kreislaufwirtschaft im Einzelhandel, stärkeren Ressourcenschutz und zugleich Vorbereitung auf neue in Europa geplante Verpackungsgesetze“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. DBU-Experte Dr. Volker Berding vom Referat Ressourcenmanagement ergänzt: „RUDi spart Geld, Müll und macht die Abläufe effizienter.“ Auch wenn RUDi Erinnerungen an die berühmte Weihnachtsgeschichte um das Rentier Rudolph mit der roten Nase weckt: Anlässe für die bisher üblichen Papp-Aufsteller sind keineswegs nur Weihnachtszeit und Jahreswechsel. Der Blickfang, um den Verkauf von Saisonartikeln anzukurbeln, funktioniert auch bei anderen Gelegenheiten wie Ostern und Karneval. Die Produktpalette ist riesig und reicht von Pralinen über Schokohasen und -nikoläuse bis hin zu Silvesterknallern, Katzenfutter, Konfitüre und Karottensaft.

DACH-Region: jedes Jahr rund 165.000 Tonnen Abfall durch rund 30 Millionen Einweg-Displays

„Dabei gibt es bisher aber einen gewichtigen Nachteil“, sagt Hajo Geugelin, Geschäftsführer des achtköpfigen Betriebs EcoRetail im nordrein-westfälischen Troisdorf und gewissermaßen RUDis Schöpfer. Das stimmt sogar sprichwörtlich. Geugelin: „Jedes Jahr werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz, der sogenannten DACH-Region, rund 30 Millionen Einweg-Displays hergestellt. Das sind jährlich rund 165.000 Tonnen Abfall.“ Die Folge auch: rund 315.000 Tonnen klimaschädliches Treibhausgas Kohlendioxid (CO2). „Das entspricht dem CO2-Ausstoß von etwa 118.000 Autos“, so Geugelin. Für diese Einweg-Displays in der DACH-Region werden ungefähr 165.000 Tonnen Wellpappe und Kartonage produziert, der zum Müll wird. Dazu Bonde: „Das ist ein viel zu hoher Energie- und Ressourcenaufwand für ein Ex-und-Hopp-Produkt.“

Von Kaffee bis Katzenfutter: RUDi (reusable display) heißt ein innovatives Mehrwegsystem, das teils auf Rollen die üblichen Einweg-Displays in Supermärkten ersetzen, sowie Abfall und klimaschädliches Kohlendioxid vermeiden soll. Die Entwicklung der Idee hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit etwa 125.000 Euro gefördert.
© IPP

Zusammenklappbare Boxen aus vollkommen recyceltem Kunststoff

Geugelin erklärt, wie solche wenig nachhaltigen Logistik-Gewohnheiten mithilfe von RUDi bald Geschichte sein sollen: Statt Wegwerf-Aufstellern sind zusammenklappbare Boxen aus vollkommen recyceltem Kunststoff im Einsatz, die je nach gewünschter Displayhöhe übereinander gestapelt und entweder auf einem rollfähigen Untersatz oder einer Viertelpalette montiert werden, beides ebenfalls zu 100 Prozent aus Rezyklat. Danach wird RUDi mit Ware bestückt, bei Bedarf kann der Mehrweg-Aufsteller leicht im Laden verschoben werden. „Die Haltbarkeit ist quasi unbegrenzt“, erläutert der EcoRetail-Geschäftsführer. „Sind Teile nicht mehr zu reparieren, kann man sie schreddern und in ein neues Produkt verwandeln.“

70 bis 80 Prozent Einsparungen bei Kohlendioxid und Kosten

Nach Geugelins Worten ist RUDi Teil eines ausgeklügelten Mehrwegsystems und trägt so zu mehr Kreislaufwirtschaft im Lebensmittel-Einzelhandel bei. Möglich geworden sei all das auch durch die Kooperation mit einem Konsortium verschiedener Logistik- und Technologiefirmen, allen voran IPP. Dieses Unternehmen bietet Logistiklösungen für Lieferketten an; Kreislaufwirtschaft spielt dabei eine wichtige Rolle. Kurzum: „Die Handelslogistik steuert auf eine neue Ära zu“, ist Geugelin überzeugt. Der Effekt könne sich sehen lassen: „Wir gehen von 70 bis 80 Prozent Einsparungen sowohl beim CO2 als auch bei den Kosten aus. Transportwege, Lagerhaltung und Materialmengen werden erheblich reduziert.“

Europäischen Verpackungsverordnung schon bald neue Herausforderung für den Handel

Neben mehr Umweltschutz sind das auch wirtschaftlich gesehen rosige Aussichten für Supermärkte. „Tatsächlich haben noch andere Handelsketten Interesse an RUDi gezeigt“, sagt Geugelin. Doch das ökonomische Einsparpotenzial dürfte nicht das einzige Argument für den Aufbruch in eine neue Ära der Handelslogistik sein. Denn in der Europäischen Union (EU) steht dem Handel per Gesetz bald die nächste Herausforderung ins Haus: die in Arbeit befindliche europäische Verpackungsverordnung (EU-VerpackV). Als Bestandteil des europäischen Grünen Deals, mit dem die EU bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent werden will, wird die EU-VerpackV die seit fast 30 Jahren geltende europäische Verpackungsrichtlinie grundlegend novellieren – und voraussichtlich schon ab 2025 neue Maßstäbe für das Inverkehrbringen, die Rücknahme sowie die Verwertung von Verpackungen setzen. DBU-Generalsekretär Bonde: „Kreislaufwirtschaft ist ein Erfolgsrezept, damit die Transformation zu mehr Umweltschutz und Ressourcenschonung gelingt. Für die Umsetzung brauchen wir besonders die mittelständische Wirtschaft. Und je eher sich Unternehmen in diese Richtung auf den Weg machen, desto größere Marktchancen haben sie.“

Kontakt bei fachlichen Fragen (AZ 36026/01): Hajo Geugelin, +49 2241 8963 200

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