DBU Naturerbe mäht im Kalkflachmoor

Regelmäßige Pflegemaßnahme sichert seltenen Lebensraum auf der Insel Rügen
Mit Spezialtechnik mähte ein umgebauter Pistenbully mit breitem Raupenfahrwerk rund acht Hektar Schilf und Gehölzaufwuchs auf der DBU-Naturerbefläche Prora.
© Klaus Reimers/Bundesforst

Prora. Langsam bahnt sich der umgebaute Pistenbully mit breitem Raupenfahrwerk seinen Weg durch den dichten Schilfteppich am Kleinen Jasmunder Bodden auf der DBU-Naturerbefläche Prora. Jahrzehntelang wurde hier Reet wirtschaftlich zur Dachdeckung genutzt und regelmäßig abgemäht. Durch diese traditionelle Nutzungsform konnte sich dort eine besondere Flora entwickeln. Doch nach Aufgabe dieser Bewirtschaftungsform drohte das Niedermoor langfristig mit Gehölzen wie jungen Birken, Rot-Erlen und Schilf zuzuwachsen und der Offenlandcharakter ginge verloren. „Regelmäßig nach zwei Jahren wird es wieder Zeit, Schilf und Gehölze zurückzuschneiden. Denn ohne regelmäßige Pflege würde der artenreiche und sehr wertvolle Lebensraum nach und nach verschwinden und seltene daran angepasste Pflanzen- und Tierarten würden sprichwörtlich in den Schatten des Erlen- und Birkenaufwuchses gestellt“, erklärt Dr. Jörg Tillmann, stellvertretender Fachlicher Leiter im DBU Naturerbe, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Besonderer Lebensraum: Das stark gefährdete Sumpfglanzkraut wird durch die Pflegemaßnahme geschützt.
© Uwe Fuellhaas/DBU Naturerbe

Grundwasserstand macht Mäharbeiten herausfordernd

Fast ganzjährig ist das kalkreiche Niedermoor durchnässt oder steht zeitweilig auch vollständig unter Wasser. Die extensive Nutzung des Schilfrohrs als wertvolles organisches Baumaterial in der Vergangenheit hielt das Feuchtgebiet langfristig offen. Nach Aufgabe dieser traditionellen Nutzungsform muss die Fläche heute regelmäßig gemäht werden, um den dort entstandenen besonderen Lebensraum für Pflanzenarten wie das stark gefährdete Sumpf-Glanzkraut und Tiere wie den gefährdeten Großen Feuerfalter zu erhalten. „Klassische landwirtschaftliche Technik würde auf diesen nassen Böden versinken. Hier kommen wir nur mit Spezialtechnik weiter“, weiß DBU-Koordinator Klaus Reimers vom Bundesforstbetrieb Vorpommern-Strelitz, der die aufwendige Pflegemaßnahme im Auftrag der DBU betreut. Ein umgebauter Pistenbully mit breitem Raupenfahrwerk mulchte vergangene Woche rund acht Hektar Schilf und Gehölzaufwuchs. Dabei blies die Maschine das geschredderte Mahdgut gleich nach dem Schnitt in einen aufgesattelten Container. „Das Kalkflachmoor ist charakteristisch nicht nur nass, sondern auch nährstoffarm. Einträge wie durch den Rückschnitt von Schilf und Gehölz würden den Nährstoffgehalt erhöhen, Humusmatten bilden und damit konkurrenzschwache Arten unterdrücken. Darum ist es so wichtig, dass wir auch das Mähgut auffangen und zur Erhaltung dieses besonderen Lebensraums diesen kostenaufwendigen Pflegeeinsatz regelmäßig durchführen“, erklärt Tillmann.

In der Vergangenheit hielt die extensive Nutzung des Schilfrohrs als wertvolles organisches Baumaterial das Feuchtgebiet offen. Nun übernimmt das DBU Naturerbe diese aufwendige Pflegemaßnahme.
© Klaus Reimers/Bundesforst

Pflegemaßnahmen im umfassenden Naturerbe-Entwicklungsplan festgelegt

2008 hat das DBU Naturerbe die rund 1.900 Hektar große DBU-Naturerbefläche Prora vom Bund übernommen und legte vor zehn Jahren hier den ersten Naturerbe-Entwicklungsplan für ihre 66 Flächen vor. Nach jahrzehntelanger militärischer Vergangenheit ist das gesamte Gebiet heute als Teil des Nationalen Naturerbes dem Naturschutz gewidmet. „Mit dem Naturerbe-Entwicklungsplan haben wir ambitionierte Ziele zum langfristigen Schutz offener Lebensräume festgelegt, die wir nun durch gezielte Pflegemaßnahmen konsequent in die Tat umsetzen“, sagt Tillmann.

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