Ein Fluss f├╝r „Neue Ufer“ – Wasser marsch mit Umweltbildung

F├Ârderverein renaturiert Plei├čem├╝hlgraben in Leipzig - DBU f├Ârdert "gl├Ąserne Baustelle" mit rund 550.000 Euro
Leipzig. Ein trister Autoparkplatz und eine Wiese - mehr hatte die Fl├Ąche hinter dem Leipziger Wohnblock an der Grassisstra├če auf den ersten Blick nicht zu bieten. Durch Rohre verdeckt floss dort seit den 50er Jahren aber auch das Wasser des Plei├čem├╝hlgrabens. Mit finanzieller Hilfe der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) konnte der F├Ârderverein "Neue Ufer" in Kooperation mit der Stadt Leipzig nun nicht nur weitere 135 Meter des Flusses aus der W├Âlbleitung befreien und renaturieren: Die Vereinsmitglieder machten sich f├╝r Umweltbildung und -kommunikation stark. In die Projektplanung schlossen sie Anwohner, Sch├╝ler und Studenten mit ein. Inmitten der Stadt entstanden mit hoher B├╝rgerbeteiligung ein gr├╝ner Flussabschnitt mit Fahrradwegen und ein Kinderspielplatz. "Wasser marsch" hie├č es dort am Freitag (23. Juni): DBU-Generalsekret├Ąr Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde gab gemeinsam mit Leipzigs Oberb├╝rgermeister Burghard Jung den Flussabschnitt der ├ľffentlichkeit und den Kindern die Wasserpumpe frei.

Wettbewerbe, Ausstellungen und Internetforen: B├╝rgerbeteiligung pr├Ągte Plei├če├Âffnung

"├ťber 200 Sch├╝ler aus unterschiedlichen Schulen und zahlreiche Studenten der Leipziger Hochschule f├╝r Technik, Wirtschaft und Kultur waren in Kursen und Arbeitsgruppen, F├╝hrungen und Wettbewerben aktiv und kreativ daran beteiligt, die Plei├če├Âffnung zu planen und durchzuf├╝hren", lobte Brickwedde. Dass sich der lange Atem ├╝ber fast sechs Jahre gelohnt habe, beweise eine Studie der Uni Leipzig: "Drei B├╝rgerbefragungen haben gezeigt, dass die anf├Ąngliche Skepsis mancher Anwohner inzwischen einer positiven Beurteilung gewichen ist", betonte Brickwedde. Auch die im Projekt in Zusammenarbeit mit dem Umweltforschungszentrum Halle/Leipzig entwickelte Ausstellung "Wasser in Leipzig - Nutzen, Sch├╝tzen und Erleben" habe einen wichtigen Beitrag geleistet, um die Projektidee zu veranschaulichen und die Akzeptanz in der ├ľffentlichkeit zu erh├Âhen. Brickwedde hob die zahlreichen Beratungsforen und Informationsveranstaltungen f├╝r B├╝rger und Anwohner hervor. Kontinuierlich habe der F├Ârderverein auch im Internet auf Ver├Ąnderungen im Baugeschehen sowie auf einzelne stadt├Âkologische Ma├čnahmen aufmerksam gemacht.

"Nachhaltige Stadtentwicklung" als Wahlgrundkurs an Gymnasien

Damit aber nicht genug: Dass an vier Leipziger Gymnasien rund 120 Oberstufensch├╝lern der Wahlgrundkurs "Nachhaltige Stadtentwicklung" angeboten wurde, freute Brickwedde besonders. "Die Jugendlichen konnten mit der Arbeit vor Ort ihre Urteilsf├Ąhigkeit st├Ąrken und lernten, vorausschauend und vernetzt zu denken", betonte Brickwedde. F├Ąhigkeiten, die umweltbewusstes Handeln befl├╝geln k├Ânnten. Auf Kurs blieben zumindest zwei Schulen auch nach Projektende, meinte der Vorstandsvorsitzende des F├Ârdervereins, Niels Gormsen.

"Gl├Ąserne Baustelle" unterst├╝tzt Lokale Agenda 21 in Leipzig - DBU f├Ârderte dort Projekte mit 25 Millionen Euro

Dieses auch f├╝r andere St├Ądte modellhafte Vorgehen der "gl├Ąsernen Baustelle" habe ma├čgeblich den Lokalen Agenda-Prozess in Leipzig unterst├╝tzt. "├ľkologie, ├ľkonomie und Soziales - alle drei Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung haben unsere Projektpartner ber├╝cksichtigt", meinte Brickwedde. Nachhaltiges Engagement zeigt die DBU in Leipzig seit ihrer Gr├╝ndungszeit: Anfang der 90er Jahre hatte die DBU schon eine Machbarkeitsstudie zur Plei├če├Âffnung gef├Ârdert. So flossen rund 550.000 Euro in das Projekt. Insgesamt unterst├╝tzte die DBU seit 1991 ├╝ber 120 Vorhaben mit rund 25 Millionen Euro in der ostdeutschen Stadt.

"Plei├če ans Licht" - mit der Aktion startete vor zehn Jahren die Renaturierung des Flusses mit ├╝ber tausendj├Ąhriger Geschichte

Der Plei├čem├╝hlgraben geh├Ârt seit je her zu Leipzig: Er entstand um das Jahr 930 von Menschenhand, um M├╝hlen mit Wasser anzutreiben. Seit dem 16. Jahrhundert versorgte der Wassergraben die Stadt ├╝ber ein Holzr├Âhrensystem mit einem Gemisch aus Brunnen- und Plei├čewasser. In der Mitte des 19. Jahrhunderts mauerten die Leipziger nach und nach das Flussufer ein, sodass der Graben einen kanalartigen Charakter bekam. Braune Schaumkronen auf dem Wasser und ein penetranter Phenolgestank charakterisierten seit Ende der 30er Jahre den Plei├čem├╝hlgraben. Anstatt aber nach den Ursachen der Wasserverschmutzung zu suchen, entschied die damalige Stadtverwaltung kurzerhand, den Fluss unterirdisch durch Rohre weiterzuleiten. Mit der Aktion "Plei├če ans Licht" schafften es B├╝rger, die Revitalisierung des Grabens in der st├Ądtischen Planung zu verankern.

Ansprechpartner f├╝r Fragen zum Projekt (AZ 18407): Niels Gormsen, F├Ârderverein "Neue Ufer", Telefon: 0341/ 9601531, Telefax: 0341/ 9601533, info@neue-ufer.de, http://www.neue-ufer.de/old/
Mit finanzieller Hilfe der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) konnte der F├Ârderverein ÔÇ×Neue UferÔÇť in Kooperation mit der Stadt Leipzig nun nicht nur weitere 135 Meter des Plei├čem├╝hlgrabens aus der W├Âlbleitung befreien und renaturieren: Die Vereinsmitglieder machten sich f├╝r Umweltbildung und -kommunikation stark.
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