Deutscher Umweltpreis an Forscher Schulze und Unternehmer Huber

DBU ehrt Ökosystemforscher und Abwasser-Spezialisten fĂŒr ihre Spitzenleistungen im globalen Umweltschutz
OsnabrĂŒck. Die TrĂ€ger des Deutschen Umweltpreises stehen fest: Der mit 500.000 Euro höchst dotierte Umweltpreis Europas geht an den bayerischen Unternehmer Hans G. Huber (64) und den Ökosystemforscher Prof. Dr. Ernst-Detlef Schulze (65) aus Jena. Huber erhĂ€lt die Auszeichnung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) dafĂŒr, dass er mit großem Engagement gerade auch in Schwellen- und EntwicklungslĂ€ndern anwendbare, qualitativ hochwertige und robuste Technologien zur Frischwasseraufbereitung und Abwasserbehandlung entwickelt und erfolgreich vertreibt. Als Direktor des Max-Planck-Instituts fĂŒr Biogeochemie in Jena erforscht Prof. Schulze GrĂŒnde der globalen KlimaerwĂ€rmung. Er startete das weltweit grĂ¶ĂŸte Projekt, um die Kohlenstoffbilanz in Europa nĂ€her zu berechnen. "So unterschiedlich ihre Arbeitsfelder sind - Zukunftssicherung liegt beiden am Herzen", so DBU-GeneralsekretĂ€r Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde. Den Umweltpreis ĂŒbergeben wird BundesprĂ€sident Horst Köhler am 29. Oktober in Dresden.

Mit Weitsicht gegen KlimaerwÀrmung und Wasserknappheit

"KlimaerwĂ€rmung und Wasserknappheit zĂ€hlen zu den dringendsten globalen Herausforderungen, die es zukĂŒnftig zu lösen gilt. Unsere UmweltpreistrĂ€ger leisten mit ihrer Weitsicht und ihrem Engagement schon heute einen wichtigen Beitrag", betont Brickwedde. Wichtig sei Prof. Schulzes Arbeit vor allem in Hinblick auf das Kyoto-Protokoll: Darin verpflichtet sich Europa, von 2008 bis 2012 bis zu acht Prozent weniger Kohlendioxid in die AtmosphĂ€re zu pusten als 1990. Eine Maßnahme, um den Treibhauseffekt, also die ErderwĂ€rmung, zu verlangsamen.

Brickwedde: Mit Schulze steht Europa an vorderster Front in der Klimaforschung

Schulzes Projekt "CarboEurope" ist die weltweit erste Initiative, die in der Form gesicherte Daten zum Kreislauf des Treibhausgases liefern wird. Wo besonders viel Kohlendioxid in Europa gebunden oder auch frei gesetzt wird - das untersucht Prof. Schulze als Koordinator an mehr als 100 Messstationen. "Ein Schlupfloch im Kyoto-Protokoll ist, dass die Angaben darĂŒber, wie viel Kohlendioxid tatsĂ€chlich in den WĂ€ldern gespeichert und in der Landwirtschaft freigesetzt wird, nur sehr grob geschĂ€tzt werden können. Wer seine Emissionen nicht senken konnte, schĂ€tzt einfach die Filterfunktion seiner WĂ€lder gĂŒnstig ein und erfĂŒllt so die Auflagen. Durch ‚CarboEurope' könnte sich das Ă€ndern", weiß Brickwedde. Als einer der weltweit fĂŒhrenden Ökosystemforscher prĂŒft Schulze zudem, wie der Erdboden weltweit auf eine mögliche KlimaerwĂ€rmung reagiert. "Dank Schulze steht Europa damit an vorderster Front in der Klimaforschung", betont Brickwedde.

In Forschungsinstituten Wissenschaft und Management verbunden

Prof. Schulze besteche nicht nur durch seine international sehr bedeutenden Forschungsarbeiten, sondern auch als erfolgreicher Wissenschaftsmanager. Der Forscher war Mitglied im wissenschaftlichen Beirat fĂŒr globale UmweltverĂ€nderungen (WBGU) und baute neben dem Max-Planck-Institut in Jena auch das Bayreuther Institut fĂŒr terrestrische Ökosystemforschung auf.

Unternehmensphilosophie Huber: Abwasser als Wertstoff betrachten

WĂ€hrend Schulze mit dem Klimawandel eines der zentralen Umweltprobleme anpackt, setzt sich Hans G. Huber fĂŒr effektive WasserkreislĂ€ufe ein und geht damit ein weiteres globales Problemfeld an. "Weg vom Abwasser, hin zum Wertstoff" - die Philosophie des Unternehmers ziehe sich wie ein roter Faden durch seine Produktpalette: Eine komfortable High-Tech-Toilette produziert DĂŒnger statt Abwasser, und seine MembranklĂ€rtechnik erlaubt eine dezentrale Reinigung des Brauchwassers. Das mache sie vor allem fĂŒr EntwicklungslĂ€nder attraktiv: Nach Angaben des Bundesministeriums fĂŒr wirtschaftliche Entwicklung haben rund 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Doppelt so vielen fehle ein Abwassersystem. "Mit seinem herausragenden Engagement leistet Huber einen Beitrag dafĂŒr, dass die Millenniumsziele der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2015 erfĂŒllt werden", betont Brickwedde. So soll die Zahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, und die Zahl derjenigen, die ohne menschenwĂŒrdige und umweltvertrĂ€gliche SanitĂ€r- und Abwassertechnik leben mĂŒssen, bis 2015 halbiert werden.

Brickwedde: Unternehmerischer Mut verbindet Ökologie und Ökonomie weltweit

"Konventionelle Abwasserbehandlungsverfahren wie unsere zentralen KlĂ€ranlagen sind auf die BedĂŒrfnisse Europas ausgerichtet und optimiert worden, aber in vielen EntwicklungslĂ€ndern nicht anwendbar", so Brickwedde. Huber habe frĂŒhzeitig erkannt, dass Wasserreinigung dort dezentral, also direkt vor Ort, ohne teure Kanalisation aufgebaut werden mĂŒsse. "Ihn zeichnen besonderer unternehmerischer Mut und der Wille aus, Potenziale zu erkennen und innovativen Technologien zum Durchbruch zu verhelfen", lobt Brickwedde. Dass Ökonomie und Ökologie sich nicht ausschließen, belegen auch die Unternehmenszahlen: Huber beschĂ€ftigt in Deutschland 470 Mitarbeiter (weltweit 750) und erreicht einen Jahresumsatz von 77 Millionen (weltweit 108 Millionen) Euro.
TrĂ€ger des Deutschen Umweltpreises 2006 der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU): der bayerische Unternehmer Hans G. Huber (64, re.) und der Ökosystemforscher Prof. Dr. Ernst-Detlef Schulze (65) aus Jena.
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