Computeranimation und interaktive Spiele: Biotechnologie als Erlebnis

Ausstellung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt beim Wissenschaftssommer - Beitrag zum Umweltschutz dokumentieren
Mainz. "Die DBU will zeigen, wie biotechnologische Verfahren und Produkte dazu beitragen können, klassische chemische Verfahren zu ergĂ€nzen oder auch zu ersetzen. Die in Mainz prĂ€sentierten Modellprojekte unserer Biotechnologieausstellung zeigen, dass sich biotechnologische Innovationen disziplinĂŒbergreifend auch in der Chemie ĂŒberall dort durchsetzen, wo sie ökologisch wie ökonomisch die sinnvollere Alternative darstellen. Ein Gewinn also nicht nur fĂŒr die Chemie, sondern auch fĂŒr unsere Umwelt." - Mit diesen Worten skizzierte heute Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, GeneralsekretĂ€r der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das Engagement der grĂ¶ĂŸten Umweltstiftung Europas beim Wissenschaftssommer vom 16. bis 21. September im Rahmen des "Jahres der Chemie", das vom Bundesministerium fĂŒr Bildung und Forschung ausgerufen und von der Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD) veranstaltet wird. Brickwedde: "Wir stehen hinter dem Ziel der Aktion, das Interesse an der Chemie im Speziellen und den Lebenswissenschaften im Allgemeinen gerade auch einer breiten Öffentlichkeit zu wecken und zu fördern, Einblicke zu verschaffen, zu informieren und die Entwicklungen in der Chemie fĂŒr jeden erlebbar zu machen."

Computeranimationen, interaktive Spiele, Schautafeln

Genau diese Absicht verfolge auch die DBU-Ausstellung "Faszination Biotechnologie", die wĂ€hrend des Wissenschaftssommers im KurfĂŒrstlichen Schloss in Mainz zu sehen sein wird. Ein "Tischlein deck dich", Computeranimationen, interaktive Spiele, Schautafeln - die Bandbreite der Darstellungsformen in der Ausstellung sei groß.

Anfassen, Ausprobieren und Verstehen als Motto

Immer wieder könne der Besucher selbst "Hand anlegen", um der Biotechnologie ihre Geheimnisse zu entlocken, denn Anfassen, Ausprobieren und Verstehen sei schließlich das Motto der Ausstellung. Er könne den Anteil von Hefezellen in einem Milliliter Bier schĂ€tzen und durch "Guckis" Mikroorganismen betrachten, die sich bei großer Hitze oder KĂ€lte sowie in der Umgebung von Unterwasservulkanen am wohlsten fĂŒhlen. Mit diesen speziellen Eigenschaften könnten sie industrielle Prozesse umweltfreundlicher gestalten. So setze man in der Textilverarbeitung Enzyme ein, um Baumwolle auf natĂŒrliche Weise zu bleichen. "Dabei wird die Faser weit weniger angegriffen als bei herkömmlichen Verfahren", hob Brickwedde hervor. ÜberprĂŒfen könne dies der Besucher durch BaumwollstrĂ€nge, die jeweils auf chemische und auf biotechnologische Weise behandelt worden sind.

Umweltentlastung verdeutlichen

Neben alltĂ€glichen Anwendungen, die die Ausstellung in ihrem einfĂŒhrenden Teil erlĂ€utert, wolle man vor allem die Umweltentlastung verdeutlichen, die durch die moderne Biotechnologie möglich werde. So habe die Firma Inventus Biotec aus MĂŒnster (Nordrhein-Westfalen) einen Biosensor entwickelt, mit dem bei Transplantationspatienten die AktivitĂ€t der Medikamente in ihrem Blut gemessen werden könne, die eine Abstoßungsreaktion verhinderten. Die Analyse mithilfe des optischen Biosensors erfolge - im Gegensatz zum herkömmlichen Analyseverfahren - lösemittelfrei, wodurch eine betrĂ€chtliche Umweltentlastung erreicht werde.

Wertvolle KulturdenkmĂ€ler fĂŒr nachfolgende Generationen erhalten

Doch auch um wertvolle KulturdenkmĂ€ler fĂŒr nachfolgende Generationen zu erhalten, komme Biotechnologie zum Einsatz. Mittelalterliche KĂŒnstler verwendeten das Milcheiweiß Casein, das auch in Quark enthalten ist, als Bindemittel fĂŒr ihre Farben und trugen damit unter anderem ihre Malereien auf WĂ€nde auf. Diese Eigenschaft habe man sich auch in der Neuzeit zunutze machen wollen, um die GemĂ€lde vor UmwelteinflĂŒssen zu schĂŒtzen. Doch das scheinbar so einfache Wundermittelhabe die Erwartungen nicht erfĂŒllt: Die Schutzschicht sei aufgeplatzt, habe zum Teil die Farbe der Malereien mitgerissen. "Schimmelpilze und Bakterien fanden einen idealen NĂ€hrboden", so Brickwedde.

Gesundheitsbelastungen reduziert

Das Institut fĂŒr Technische Chemie der UniversitĂ€t Hannover habe ein umweltfreundliches, biotechnologisches Verfahren entwickelt, das das Casein von den Kunstwerken entferne wie einen Eiweißfleck von einem Hemd. Spezielle Schaumstoffkissen, die mit einer Enzymlösung getrĂ€nkt sind, werden auf die Wandmalereien gedrĂŒckt. Sie lösen das Casein auf, die Reststoffe werden mit dem Wasser in die Kissen aufgesaugt. Diese an Restauratoren leicht vermittelbare und durch Handwerker erlernbare Methode ermögliche das Abnehmen wandmalereizerstörender Caseinschichten. Dieses Verfahren reduziere die Gesundheitsbelastung und schone die Umwelt, da auf den Einsatz von Lösemitteln verzichtet werden könne.

Potenzial der Biotechnologie bei weitem noch nicht ausgeschöpft

Die Biotechnologie biete ein großes Potenzial zur Lösung von Umweltproblemen. Dieses sei jedoch bei weitem noch nicht ausgeschöpft, geschweige denn, dass das Ausmaß der möglichen Entlastung schon abzuschĂ€tzen sei. Dabei liege der Vorteil der modernen Biotechnologie nicht nur in einer massiven Umweltentlastung, sondern auch oft in einer Kosteneinsparung. Die Bandbreite der Lösungen sei dabei weit gefasst: FĂŒr die Ausstellung habe man die Schwerpunkte Textil, Medizin, Lebensmittel, Bodensanierung, Abwasserreinigung und KulturgĂŒter herausgegriffen. Konzipiert sei die mit 300.000 Euro teure Ausstellung fĂŒr SchĂŒler ab der 11. Klasse. Insgesamt habe die DBU bisher 250 Biotechnologie-Projekte mit 59 Millionen Euro gefördert.
Weitere Infos unter: www.dbu.de/chemie
Vom 16. bis 21. September beim Wissenschaftssommer in Mainz zu sehen: die Ausstellung "Faszination Biotechnologie" der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).
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Selbstversuch: das Steckmodell eines Biosensors in der Ausstellung "Faszination Biotechnologie".
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