Bauende Biber, beruhigte Bauern: Landwirtschaft und Artenschutz vereinen

Bibermanagement-Pilotprojekt in der Leineaue bei Hannover – DBU stiftet rund 125.000 Euro

Laatzen/Hannover. Langsam erobert der Biber einige seiner frĂŒheren LebensrĂ€ume in Deutschland zurĂŒck. Doch seine RĂŒckkehr verlĂ€uft nicht immer reibungslos: Oft gibt es Konflikte, wenn BiberdĂ€mme AgrarflĂ€chen unter Wasser setzen. Selbst fĂŒr den Naturschutz können Probleme entstehen: Mitunter ĂŒberschwemmt der Biber FlĂ€chen, die als TrockenlebensrĂ€ume geschĂŒtzt sind. In den letzten Jahren konnte der Biber auch im Leinetal zwischen Hildesheim und Hannover nachgewiesen werden, wo er sich inzwischen auch vermehrt. Deshalb stellte heute die Gruppe Laatzen des Naturschutzbundes (NABU) ein neues Projekt zum Bibermanagement vor: „Wir wollen ein integratives Konzept zum Biber- und Auenschutz entwickeln, das auch landwirtschaftliche Belange gleichermaßen berĂŒcksichtigt“, erklĂ€rte Dr. Eick von Ruschkowski, Vorsitzender des NABU Laatzen, bei der Auftaktveranstaltung. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstĂŒtzt das Modellprojekt mit rund 125.000 Euro.

Naturschutz und Bewirtschaftung zusammenbringen

Angetan zeigte sich auch Dr. Matthias Miersch, DBU-Kuratoriumsmitglied und Mitglied im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages, der ebenfalls bei der Veranstaltung sprach: „In landwirtschaftlich genutzten Auen mĂŒssen Naturschutz und Bewirtschaftung zusammengebracht werden. Der NABU startet hier heute ein zukunftsweisendes Projekt, das den FlĂ€chenkonflikt in geschickter Weise aufgreift und nach fairen Kompromissen sucht. Wenn anschließend auch andere Regionen von den Erfahrungen aus der Leineaue profitieren können, ist das natĂŒrlich besonders schön“, sagte der Laatzener.

TragfÀhige und gute Kompromisse als Ziel

„Zuerst wollen wir auf lokaler und regionaler Ebene in der Leineaue die Biber erfassen und dann an alle Betroffenen an einen Tisch bringen“, erlĂ€uterte Ruschkowski. Dabei werde auch Ängsten und Vorbehalten von Landwirten offen begegnet, was die RĂŒckkehr des Bibers angehe. Man wolle zu tragfĂ€higen und guten Kompromissen kommen. Das Projekt habe zwei Schwerpunkte: erstens sollten im Auengebiet zum Beispiel ÜberschwemmungsflĂ€chen bereitgestellt, breite Uferrandstreifen angelegt und bibertypische Gehölze im Uferbereich angepflanzt werden.

Wollen Biberschutz und landwirtschaftliche Interessen unter einen Hut bekommen (v.l.): DBU-Kuratoriumsmitglied Dr. Matthias Miersch (MdB), DBU-Referent Dr. Volker Wachendörfer, der Vorsitzende des NABU Laatzen, Dr. Eick von Ruschkowski, und der Vorsitzende des NABU Niedersachsen, Dr. Holger Buschmann.
© NABU Laatzen
Der Biber ist in die Leineaue bei Hannover zurĂŒckgekehrt. Der NABU Laatzen will daher ein integratives Konzept zum Biber- und Auenschutz entwickeln, das auch landwirtschaftliche Belange gleichermaßen berĂŒcksichtigt. (Symbolfoto)
© Lorenz, Wolfgang/piclease

Rund 100 "Biberberater" werden fĂŒr ganz Niedersachsen ausgebildet

Im zweiten Projektschwerpunkt sollten dann ehrenamtliche „Biberberater“ geschult werden. Niedersachsenweit wĂŒrden in sieben Kursen zunĂ€chst rund 100 Personen dafĂŒr fortgebildet. „Die Ausbildungsinhalte berĂŒcksichtigen insbesondere das komplexe Wechselspiel zwischen dem Lebensraum Flussaue und den angrenzenden landwirtschaftlichen Gebieten“, versprach Ruschkowski. Aber auch die Bevölkerung vor Ort wolle man nicht vergessen: Umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildungsmaßnahmen seien vorgesehen, um das Interesse fĂŒr die faszinierenden Tiere zu wecken.

Projektergebnisse werden anderen Regionen zur VerfĂŒgung gestellt

Das Vorhaben werde mit örtlichen Akteuren wie Landwirtschaftsvertretern, GrundeigentĂŒmern, GewĂ€sserunterhaltungsverbĂ€nden sowie Jagd- und Fischereivertretern umgesetzt, erlĂ€uterte Ruschkowski. Auch der NiedersĂ€chsische Landesbetrieb fĂŒr Wasserwirtschaft, KĂŒsten- und Naturschutz werde eng eingebunden. Nach dem auf zweieinhalb Jahre angelegten Projekt solle dann ein modellhaftes Konzept zum Bibermanagement vorliegen, das auch auf andere Gebiete ĂŒbertragbar sein solle. Zum Projektabschluss werde zudem eine bundesweite Internetplattform eingerichtet, ĂŒber die sich alle im Auen- und Naturschutz sowie im Bibermanagement beteiligten Akteure vernetzen könnten. Auf der Plattform wĂŒrden auch besonders erfolgreiche Natur- und Biberschutzmaßnahmen vorgestellt und erste Anlaufadressen fĂŒr “Biberbetroffene“ aufgelistet.

Gemeinsame Suche nach Lösungen ist richtiger Weg

Volker Wachendörfer, DBU-Naturschutzreferent, zeigte sich in seinem Grußwort hoffnungsvoll: „Direkt mit den Betroffenen zusammenzuarbeiten und gemeinsam Lösungen zu finden, noch bevor große Konflikte entstehen, ist zentral und der absolut richtige Weg. Auf die Projektergebnisse sind wir schon sehr gespannt.“

Ansprechpartner bei Fragen zum Projekt (AZ 28925): NABU Laatzen, Dr. Eick von Ruschkowski, Telefon: 0172-4218701, Telefax: 0511-8756709

Der Biber greift gestaltend in seinen Lebensraum ein. Die charakteristischen Nagespuren an BĂ€umen sind leicht zu erkennen. (Symbolfoto)
© Pauluhn, Georg/piclease

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