„Als Wissenschaftler, Politiker und Ökologe Integration Polens in die umweltpolitische Staatengemeinschaft erreicht“

Deutscher Umweltpreis 1996: Professor Dr. Maciej Nowicki (Warschau)
Bonn. "Sein Lebenswerk ist die sozial- und umweltvertrĂ€gliche Entwicklung seines Hei-matlandes, die Integration Polens in die umweltpolitische Staatengemeinschaft. Als Wis-senschaftler, Politiker und Ökologe hat er professionell und erfolgreich dieses Ziel erreicht, Polen wird im Bereich des Umweltschutzes auf der internationalen BĂŒhne wahrgenommen. Vom Sinn seiner Aufgabe ĂŒberzeugt, hat er sich um die globale Zusammenarbeit in der Umweltpolitik verdient gemacht und nimmt den Rang einer Spitzenpersönlichkeit auf dem Gebiet des Umweltschutzes ein, nicht nur in Polen, sondern auch auf der Weltskala." - Mit diesen Worten wĂŒrdigte heute in Bonn Fritz Brickwedde , Gene-ralsekretĂ€r der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), OsnabrĂŒck, die Verleihung des Deutschen Umweltpreises 1996 der Stiftung an den ehemaligen polnischen Umweltminister Professor Dr. Maciej Nowicki (55) aus Warschau.

Vor Medienvertretern in Bonn ging Brickwedde auf das Lebenswerk Nowickis ein. Seit nunmehr fast 30 Jahren suche er als Wissenschaftler nach Lösungen zur Verminderung der starken Luftverunreinigungen in den polnischen Industriegebieten, wobei er vorrangig an einem lĂ€nderĂŒbergreifenden AtmosphĂ€renschutz gearbeitet habe. Brickwedde nannte hier theoretische und experimentelle Arbeiten im Bereich der Staubfiltration, die DurchfĂŒhrung großrĂ€umiger Immissionsmessungen und die Entwicklung noch heute gĂŒltiger Richtlinien zur Messung der Ausbreitung von Luftverunreinigungen in der AtmosphĂ€re.

Die Erkenntnisse ĂŒber die problematische polnische Umweltsituation habe er nicht im "Elfenbeinturm der Wissenschaft" bewahrt, sondern breit in die Öffentlichkeit hinausgetra-gen. Damit habe er entscheidend an der ökologischen Bewußtseinsentwicklung in Polen mitgewirkt. Durch ein von ihm entwickeltes Antismogprogramm habe im Raum Krakau die Luftbelastung um 40 bis 50 Prozent gesenkt werden können.

Doch nicht nur als Wissenschaftler, auch als Politiker habe er an einer Festigung des Umweltbewußtseins in Polen maßgeblichen Anteil. Als Vize-Umweltminister (1989) und Minister fĂŒr Umweltschutz, natĂŒrliche Ressourcen und Forsten (1990 bis 1991) habe er den umweltpolitischen AktivitĂ€ten in Polen ein eigenes, erkennbares Profil gegeben. Beispielhaft nannte Brickwedde hier ein langfristiges Umweltstrategie-Programm, das mehreren osteuropĂ€ischen Staaten noch heute als Muster diene, den Aufbau einer staatlichen Umweltverwaltung und EinfĂŒhrung des europĂ€ischen Umweltrechts, die GrĂŒndung einer Umweltschutzpolizei mit weitreichenden Kontrollbefugnissen, verschiedene multilaterale Abkom-men und VertrĂ€ge im Umweltschutzsektor oder die GrĂŒndung des deutsch-polnischen Umweltrates auf Ministerebene. Auch um die globale Zusammenarbeit im Bereich der Umweltpolitik habe sich Nowicki als stellvertretender Vorsitzender der Kommission fĂŒr nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen verdient gemacht, die das entscheidende Forum der Vereinten Nationen fĂŒr Fragen des globalen Umweltschutzes sei.

Breite internationale Aufmerksamkeit und Anerkennung habe Nowicki schließlich auch mit seiner Idee auf sich gezogen, einen Teil der erlassenen Auslandsschulden Polens in Umweltschutzmaßnahmen zu stecken. So sei die Stiftung "Ecofund" entstanden, deren hauptamtlicher PrĂ€sident Nowicki seit 1992 ist. Unter seiner Leitung habe sich diese Stiftung zu einer ĂŒber Polen hinausgehenden, anerkannten Finanzierungsinstitution fĂŒr zahlreiche Umweltprojekte entwickelt, die investive AktivitĂ€ten zum Schutz der Umwelt in Polen begrĂŒndet habe. Es seien entscheidende Schritte zur Lösung gravierender Umweltprobleme in Mittel- und Osteuropa entwickelt worden.

Intelligent, integer und mit der FĂ€higkeit zu Visionen sei Nowickis Handeln stets geprĂ€gt von der pragmatischen Suche nach Wegen, wie auf der einen Seite die Umweltbelastungen in Polen vermindert beziehungsweise beseitigt werden und auf der anderen Seite die Naturschönheiten Polens mit ihrer europaweiten Bedeutung erhalten bleiben können. Da Umweltbelastungen nicht an nationalen Grenzen halt machten, habe Deutschland als Nachbar Polens in besonderem Maße Interesse an einer erfolgsorientierten Arbeit im Umweltschutz. Insofern komme dem Wirken Nowickis auch fĂŒr die Bundesrepublik in besonderem Maße Bedeutung zu.