DBU-Naturerbefläche Günthersleben

Seit Oktober 2016 gehört die Fläche Günthersleben zur Kulisse des DBU Naturerbes. Die rund 150 Hektar große Fläche liegt am Südhang des aus Muschelkalk und Keuper bestehenden Seeberges im südwestlichen Thüringer Becken.

Gebietsbeschreibung und Entwicklungsziele

Bei der DBU-Naturerbefläche Günthersleben handelt es sich um eine trockene Hangfläche. Den größten Teil nehmen Offenlandbereiche ein. Die offenen Landschaften werden als Lebensraum für seltene, auf diese Lebensräume spezialisierte Tier- und Pflanzenarten optimiert und erhalten. Im Nordwesten liegen kleinere Waldflächen. Dort wachsen Eschen, Feld- und Spitzahorn, Mehlbeere und Wildobstbäume. Im Westteil und Südrand sind kleinflächige Nadelholzbestände mit Waldkiefern, Schwarzkiefern und Douglasie in das Offenland eingestreut. Die naturnahen Laubbaumbestände bleiben ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, die Nadelwälder dagegen werden schrittweise in naturnahe Feldgehölze und Wälder umgewandelt. Wertvolle Lebensräume mit hoher Artenvielfalt sind zudem die Übergangsbereiche zwischen Wald und Offenland. Diese werden durch entsprechende Waldrandgestaltung als Schutz- und Brutraum gefördert.

Zur Geschichte der Nutzung

Der Seeberg bei Gotha ist seit der Steinzeit ein Ort menschlicher Aktivität. Erste Siedlungsspuren stammen aus der Zeit um 3.500 vor unserer Zeitrechnung. Die Bronzezeit brachte den Ackerbau, später kam Weinbau hinzu. Frühe Bedeutung erlangte der Seeberg für den Abbau von Sandstein, Kalk und Gips. So wurde der Seeberger Rätsandstein zum Bau der Wartburg und des alten Reichstagsgebäudes in Berlin verwendet. Entscheidend für das heutige Erscheinungsbild der Landschaft war die militärische Nutzung. 1935 übernahm die Wehrmacht die nahegelegene Kaserne Gotha
(heutige Friedenstein-Kaserne) und errichtete ein Munitionslager im nordwestlichen Teil der Fläche. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Region bei Luftangriffen der Alliierten getroffen. Nach einer Phase ziviler landwirtschaftlicher Nutzung übernahm 1974 die Nationale Volksarmee (NVA) das Gelände als Standortübungsplatz. In der Zeit entstanden ein Fahrübungsparcours, Laufgräben und Gebäudefundamente, die teilweise noch heute erkennbar sind. Ab 1992 übernahm die Bundeswehr die Fläche für die Fahr- und Schießausbildung eines Panzeraufklärungsbataillons. 2016 wurde die naturschutzfachlich wertvolle Fläche als Nationales Naturerbe in die Verantwortung des DBU Naturerbes übergeben.