MOE-Fellowship: Rudolf Skovira

German Participatory Experiences in Wind Energy Planning – Lessons Learnt for the Czech and Slovak Multilevel Energy Transitions

Kurzfassung des Themas (DE)

Zielsetzung und Hintergrund des Projekts

Vor dem Hintergrund der Ziele der deutschen Energiewende und des Europäischen Green Deals untersucht das Projekt die Beteiligung der Öffentlichkeit und relevanter Interessengruppen an der Planung von Windenergiegebieten in den deutschen Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg, wobei vorläufige Ergebnisse für Berlin vorgestellt werden. Die Studie ist im Kontext der Umsetzung des Windenergieflächenbedarfsgesetzes angesiedelt, das jeden Stadtstaat verpflichtet, bis 2027 0,25 % seiner Landesfläche und bis 2032 0,50 % für Windenergie auszuweisen. Vor diesem Hintergrund analysiert das Projekt, wie formelle und informelle Beteiligungsmechanismen in der Windenergieplanung organisiert und umgesetzt werden und welche Akteure an diesen Prozessen beteiligt sind.

Theoretisch stützt sich die Forschung auf den Ansatz der Multi-Level-Governance (MLG) sowie auf die Konzepte der Input-, Throughput- und Output-Legitimität. Ziel ist es, Beteiligungsmechanismen in den ausgewählten Stadtstaaten zu erfassen, zu bewerten, ob Partizipation die Planungsergebnisse tatsächlich beeinflusst oder lediglich symbolischen Charakter besitzt, Hindernisse und förderliche Bedingungen für legitime Governance-Prozesse zu identifizieren sowie Erkenntnisse für die weiterführende Forschung zu mehrstufigen Energiewenden in Tschechien und der Slowakei abzuleiten.

Beschreibung der Arbeitsschritte und angewandten Methoden

Das Projekt basiert auf einem qualitativen Forschungsdesign, das Dokumentenanalyse und halbstrukturierte Interviews kombiniert. Zunächst wurde eine systematische Dokumentenanalyse durchgeführt, die Gesetzestexte, Planungsdokumente, politische Strategien und Beteiligungsrahmen auf Landes- und Bezirksebene in Berlin für den Zeitraum 2017 bis Mai 2026 umfasste. Die Dokumente wurden mit MAXQDA kodiert und anhand eines gemischt deduktiv–induktiven Ansatzes thematisch ausgewertet.

Anschließend wurden halbstrukturierte Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie mit ausgewählten Bezirksverwaltungen durchgeführt. Zusätzlich wurden schriftliche Stellungnahmen eingeholt, sofern Interviews nicht möglich waren. Die Interviews fanden sowohl online als auch in Präsenz statt, dauerten etwa 30 bis 50 Minuten und wurden unter Einhaltung des Ethikfreigabeverfahrens der Heimatinstitution der Autorin bzw. des Autors durchgeführt.

Abschließend wurden die Ergebnisse aus Dokumentenanalyse und Interviews mittels thematischer Analyse trianguliert, um Beteiligungspraktiken, Governance-Legitimität sowie übertragbare Erkenntnisse für den politischen Kontext in Tschechien und der Slowakei zu bewerten.

Ergebnisse und Diskussion

Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass der formelle Beteiligungsprozess in Berlin derzeit den zentralen Mechanismus der Öffentlichkeitsbeteiligung in der Windenergieplanung darstellt. Zur Erfüllung der bundesrechtlichen Zielvorgaben leitete Berlin im Jahr 2024 Änderungen in der Flächennutzungsplanung ein und identifizierte nach Anwendung rechtlicher Ausschlusskriterien 31 potenzielle Standorte in sieben Bezirken. Keiner der ausgewählten Standorte fiel in die beiden niedrigsten von insgesamt sechs Konfliktkategorien.

Die erste Beteiligungsphase, umgesetzt als einmonatige öffentliche Konsultation im Zeitraum Juni bis Juli 2025, führte zu einer erheblichen öffentlichen Beteiligung mit mehr als 2.600 Rückmeldungen sowie zusätzlichen organisierten Petitionen. Obwohl mehrere Beteiligungsformate angeboten wurden, blieb der Prozess hinsichtlich deliberativer Tiefe und Repräsentativität begrenzt. Eine zweite Runde der formalisierten Beteiligung soll nach den Berliner Abgeordnetenhauswahlen 2026 folgen.

Ein zentrales Ergebnis betrifft die Diskrepanz zwischen vorhandener Beteiligungsinfrastruktur und deren praktischer Anwendung. Obwohl alle betroffenen Bezirke über gut ausgebaute, sowohl auf Landes- als auch auf Bezirksebene finanzierte informelle Beteiligungsstrukturen verfügen, wurden diese trotz des hohen Konfliktpotenzials nicht für die Windenergieplanung genutzt.

Die öffentlichen Anliegen konzentrierten sich vor allem auf den Schutz von Grünflächen, die Nähe zu Wohngebieten und Auswirkungen auf Tierlebensräume, während visuelle und landschaftliche Auswirkungen in den Rückmeldungen keine Rolle spielten.

Aus Governance-Perspektive bleibt die Beteiligung stark top-down geprägt: Akteure auf Bezirksebene verfügen nur über begrenzten formellen Einfluss, während Bottom-up-Engagement hauptsächlich über Petitionen und institutionellen Widerstand statt über strukturierte Beteiligungsmechanismen erfolgt.

Mit Blick auf Tschechien und die Slowakei, wo das Potenzial der Windenergie – insbesondere in der Slowakei – weiterhin stark ungenutzt bleibt, zeigen die gewonnenen Erkenntnisse die entscheidende Bedeutung klar institutionalisierter und konsequent umgesetzter formeller Beteiligungsverfahren in der Windenergieplanung. Während tschechische und slowakische Städte von einer stärkeren staatlichen Finanzierung informeller Beteiligungsstrukturen profitieren würden, verdeutlicht die Berliner Erfahrung, dass deren bloßer Aufbau nicht ausreicht: Sie müssen aktiv bei den Themen eingesetzt werden, bei denen öffentlicher und stakeholderbezogener Austausch besonders erforderlich ist – wie etwa in der Windenergieplanung. 

 

 

Summary of the Topic (EN) 

Objective and Background of the Project

Driven by the objectives of Germany’s Energiewende and the European Green Deal, the project examines public and stakeholder participation in wind energy area planning across the German city-states of Berlin, Bremen, and Hamburg, with interim findings presented for Berlin. The study is situated within the implementation of the Wind Energy Area Requirements Act (Windenergieflächenbedarfsgesetz), which obliges each city-state to designate 0.25% of its territory for wind energy by 2027 and 0.50% by 2032. Against this background, the project investigates how formal and informal participation mechanisms are organised and implemented in wind energy planning and which actors are involved in these processes.The research is theoretically grounded in multilevel governance (MLG) and the concepts of input, throughput, and output legitimacy. Its objectives are to map participatory mechanisms across the selected city-states, evaluate whether participation meaningfully shapes planning outcomes or remains symbolic, identify barriers and enabling conditions for legitimate governance processes, and derive lessons learned for broader research on multilevel energy transitions in Czechia and Slovakia.

Description of the Work Steps and Methods Used

The project applies a qualitative research design combining document analysis and semi-structured interviews. First, a systematic document analysis was conducted covering legislative acts, planning documents, policy strategies, and participation frameworks at both state and district level in Berlin for the period 2017–May 2026. Documents were coded and analysed thematically using MAXQDA following a mixed deductive–inductive approach. Second, semi-structured interviews were carried out with representatives of the Berlin Senate Department for Urban Development, Building, and Housing as well as selected district administrations. Additional written responses were collected where interviews were not possible. Interviews were conducted both online and in person, with durations ranging from approximately 30 to 50 minutes and under following the ethical approval procedure by the author’s home institution. Finally, findings from documents and interviews were triangulated through thematic analysis to assess participatory practices, governance legitimacy, and transferable lessons for Czech and Slovak policy context.

 

Results and Discussion

Interim findings show that Berlin’s formal participation process currently represents the central mechanism of public involvement in wind energy planning. To fulfil federal targets, Berlin initiated amendments to land-use planning in 2024 and identified 31 potential sites across seven districts after applying legal exclusion criteria. None of the selected areas fell into the two lowest out of six conflict categories.

The first participation phase, implemented as a one-month public consultation in June–July 2025, generated substantial public engagement, including more than 2,600 responses and additional organised petitions. Although multiple participation formats were offered, the process remained limited regarding deliberative depth and representativeness and is to be followed by the second round of formalised participation, after the 2026 Berlin state elections. A major finding concerns the disconnect between participation infrastructure and practical application. While all affected districts possess well-developed and both state and district level-funded informal participation structures, these mechanisms were not applied to wind energy planning despite the topic’s high conflict-prone nature. Public concerns concentrated primarily on green space protection, proximity to residential areas, and impacts on animal habitats, whereas visual and landscape impacts were absent in public responses.  From a governance perspective, participation remains strongly top-down, with district-level actors exercising limited formal influence and bottom-up engagement occurring mainly through petitions and institutional opposition rather than structured participatory mechanisms. Reflecting on Czechia and Slovakia, where wind energy potential remains highly underutilised, particularly in Slovakia, the key lessons learnt point to the crucial importance of firmly institutionalised and consistently implemented formal participation in wind energy planning. While Czech and Slovak cities would benefit from stronger state funding for informal participatory structures, Berlin’s experience demonstrates that developing such structures is insufficient on its own: they must be actively applied to the topics where public and stakeholder exchange is most needed, such as wind energy planning.

AZ: 30025/075

Zeitraum

04.02.2026 - 03.02.2027

Land

Tschechien und Slowakei

Institut

Technische Universität Berlin

Betreuer

Prof. Dr. Gesa Geißler