Einleitung
Diese Forschung untersucht, wie Kosovo die Verbreitung von Photovoltaik-Anlagen auf Dächern (Rooftop-PV) beschleunigen kann, indem relevante deutsche Praktiken und Politikansätze zur Förderung erneuerbarer Energien angepasst und gleichzeitig Energiegemeinschaften ermöglicht werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Rooftop-PV und gemeinschaftsbasierte Prosumer-Modelle zur Stärkung der Energiewende, zum Ausbau der Solarenergie und zu einer gerechteren, partizipativeren Transformation des Energiesystems beitragen können. Obwohl Kosovos Energiesystem weiterhin stark von Braunkohle geprägt ist, zeigen aktuelle Strategien und Planungsdokumente eine klare Ausrichtung auf den Ausbau erneuerbarer Energien. Gleichzeitig verfügt Kosovo über ein hohes Solarpotenzial, doch die tatsächliche Verbreitung von Dach-PV bleibt bislang vergleichsweise gering, und es bestehen nur begrenzte Erfahrungen mit Energiegemeinschaften.
Ziele
Das übergeordnete Ziel der Forschung ist es, praxisnahe und kontextsensible Ansätze zu identifizieren, mit denen Kosovo den Ausbau von Rooftop-PV und Energiegemeinschaften fördern kann, ohne deutsche Modelle unkritisch zu kopieren. Konkret verfolgt die Studie folgende Ziele:
Synthese internationaler und nationaler Literatur sowie politischer und regulatorischer Dokumente zu Rooftop-PV und Energiegemeinschaften mit Fokus auf Kosovo und Deutschland.
Analyse des politischen, regulatorischen und marktbezogenen Rahmens für Prosumer und Rooftop-PV in Kosovo sowie Identifikation von Lücken zwischen Gesetzgebung und Umsetzungspraxis.
Erhebung qualitativer Perspektiven zentraler Akteursgruppen in Kosovo zu Barrieren, förderlichen Bedingungen und zur Bereitschaft für Energiegemeinschaften.
Entwicklung einer vergleichenden Analyse (Kosovo–Deutschland) und Ableitung von Empfehlungen für politische und administrative Maßnahmen in Kosovo.
Methoden
Die Studie folgt einem qualitativ ausgerichteten Forschungsdesign in drei zentralen Schritten:
Desk-based Review: Strukturierte Auswertung wissenschaftlicher Literatur sowie relevanter Strategie-, Gesetzes- und Regulierungsdokumente (u.a. Energiestrategie 2022–2031, Entwurf NECP 2025–2030, Prosumer-Regelwerke). Ergänzend werden Implementationsberichte, Marktanalysen und regionale Vergleichsfälle einbezogen.
Semi-strukturierte Interviews: Qualitative Interviews mit nationalen Institutionen und Regulierungsbehörden (z.B. ERO, KOSTT, KEDS/KESCO, MoE), kommunalen Akteuren, Marktteilnehmern (Installateure, Zulieferer, Prosumer) sowie Zivilgesellschaft und Entwicklungsorganisationen. Die Interviews werden mit Einverständnis aufgezeichnet, transkribiert, anonymisiert und anschließend thematisch kodiert.
Synthese & Workshop: Die Ergebnisse aus Literaturreview und Interviews werden zusammengeführt und in einem Workshop diskutiert, um Interpretationen zu validieren und gemeinsam realistische Umsetzungspfade für Kosovo zu entwickeln.
Zwischenergebnisse
Die bisherige desk-based Phase hat mehrere zentrale Zwischenbefunde hervorgebracht:
Nationaler Rahmen: Kosovo verfügt im regionalen Vergleich über ein relativ gut entwickeltes Prosumer-Regime (inkl. Net-Billing und klar definierter Registrierung). In der Praxis besteht jedoch eine deutliche Lücke zwischen formalen Regeln und Umsetzung, etwa durch lange Bearbeitungszeiten bis zur Registrierung und Netzanbindung.
Administrative und technische Engpässe: Begrenzte Umsetzungskapazitäten auf kommunaler Ebene und im Verteilnetz führen zu Verzögerungen, Informationsproblemen und teils hohen Transaktionskosten für Antragstellende.
Legalisierung als Schlüsselbarriere: Ein bedeutendes strukturelles Problem ist die fehlende Legalisierung vieler Gebäude, wodurch für zahlreiche potenzielle Prosumer der formale Zugang zu Rooftop-PV erschwert wird. Zwar wurde 2023 eine wichtige Reform umgesetzt, die PV-Anlagen bis 7 kW für Haushalte ohne Baugenehmigung erlaubt, doch für größere Anlagen (z.B. Gewerbe/Industrie) bleibt dieses Problem bestehen.
Kommunale Planungslogik: Der kommunale Entwicklungsplan (MDP) wird nur alle acht Jahre aktualisiert, was Investitionen verzögern kann und die Planungssicherheit für PV-Projekte reduziert.
Regionaler Vergleich: Im Vergleich zu Nachbarländern wie Albanien (bis 500 kW) oder Montenegro (ohne Kapazitätslimit) wirken Kosovos Prosumer-Grenzen (7 kW Haushalte, bis 200 kW Unternehmen) restriktiver und können größere Investitionen hemmen.
Zeitliche Einschränkungen: Die qualitative Interviewphase wurde bisher durch Wahlzyklen (kommunal und national) verzögert, da viele zentrale Stakeholder eingeschränkt verfügbar waren. Die Zeit wurde genutzt, um Literaturbasis und Vergleichsrahmen weiter zu stärken
Nächste Schritte
In der nächsten Projektphase werden die geplanten Interviews durchgeführt und die qualitativen Daten systematisch ausgewertet. Die Ergebnisse werden anschließend mit dem desk-based Review und den deutschen Vergleichserkenntnissen integriert, um kontextsensitive Empfehlungen zu entwickeln. Dabei werden voraussichtlich folgende Schwerpunkte im Vordergrund stehen:
Vereinfachung und Digitalisierung von Genehmigungs- und Netzanschlussverfahren
Umgang mit Legalisierungs- und Planungsengpässen (insbesondere für größere Anlagen)
Weiterentwicklung des Prosumer-Rahmens (z.B. Kapazitätsgrenzen, Anreize, Transparenz)
Entwicklung fairer und inklusiver Modelle für Energiegemeinschaften
Validierung und Ko-Entwicklung der Maßnahmen durch einen Stakeholder-Workshop