Einleitung
Die Hauptstadt Pristina steht vor wachsenden ökologischen Herausforderungen, insbesondere im Zusammenhang mit rascher Urbanisierung, Luftverschmutzung und dem Verlust urbaner Grünflächen. Vor diesem Hintergrund zielte das DBU-Fellowship darauf ab, Veränderungen der urbanen Vegetationsbedeckung sowie der Bevölkerungszugänglichkeit zu Grünflächen systematisch zu analysieren. Der Fokus lag auf einer datenbasierten Bewertung der Entwicklung urbaner Grünräume in Pristina zwischen 2017 und 2024 unter Verwendung von satellitengestützten Fernerkundungsdaten. Durch die Kombination von Vegetationsanalyse und Bevölkerungsdaten leistet die Arbeit einen Beitrag zur evidenzbasierten Stadt- und Umweltplanung.
Zielsetzung
Das Fellowship verfolgte folgende Hauptziele:
Quantifizierung der zeitlichen Veränderungen der urbanen Vegetationsbedeckung in Pristina zwischen 2017 und 2024.
Analyse der räumlichen Struktur urbaner Grünflächen sowie ihrer Fragmentierung nach Größenklassen.
Bewertung der fußläufigen Zugänglichkeit zu Grünflächen unterschiedlicher Größe für verschiedene Bevölkerungsgruppen.
Methodik
Die Methodik basiert auf der Analyse multispektraler Sentinel-2-Satellitendaten für die Jahre 2017 und 2024. Auf Basis der roten (Band 4) und nahinfraroten (Band 8) Spektralbänder wurde der Normalized Difference Vegetation Index (NDVI) berechnet. Monatliche NDVI-Komposite ermöglichten die Abbildung saisonaler Vegetationsdynamiken und die Unterscheidung zwischen laubabwerfender und immergrüner Vegetation.Ein NDVI-Schwellenwert von 0,39 wurde mittels Sensitivitätsanalyse bestimmt und zur Klassifikation vegetierter Flächen verwendet. Zusammenhängende Vegetationsflächen wurden zu Grünflächen aggregiert und nach Größe klassifiziert (klein, mittel, groß). Bevölkerungsdaten wurden integriert, um die Grünflächenverfügbarkeit pro Kopf sowie die fußläufige Erreichbarkeit in unterschiedlichen Zeitintervallen zu analysieren.
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Rückgang der urbanen Vegetationsbedeckung in Pristina zwischen 2017 und 2024. Besonders betroffen sind große, zusammenhängende Grünflächen, deren Fläche und ökologische Kontinuität abgenommen haben. Gleichzeitig nahm die Grünfläche pro Kopf infolge des Bevölkerungswachstums ab.Während kleine und mittelgroße Grünflächen auf Nachbarschaftsebene weiterhin relativ gut erreichbar bleiben, ist die ökologische Leistungsfähigkeit des urbanen Grünsystems insgesamt gesunken. Die Zugänglichkeitsanalysen zeigen keine geschlechtsspezifischen Unterschiede, jedoch deutliche altersbezogene Disparitäten, mit sinkender Erreichbarkeit für Kinder und Jugendliche und Verbesserungen für ältere Bevölkerungsgruppen.
Ausblick
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, urbane Grünflächen, insbesondere große Parks, gezielt zu schützen und in zukünftige Stadtentwicklungsprozesse zu integrieren. Die angewandte Methodik bietet eine übertragbare Grundlage für vergleichbare Analysen in anderen Städten und kann zur Unterstützung nachhaltiger, datenbasierter Stadtplanung weiterentwickelt werden.