Der vorliegende Abschlussbericht entwickelt und implementiert einen integrierten Rahmen zur nationalen Bewertung und praktischen Operationalisierung der Umwelt-, Sozial- und Governance-Dimensionen (ESG) am Beispiel Albaniens. Ziel der Arbeit ist es, ESG nicht lediglich als normatives oder strategisches Konzept zu analysieren, sondern als ein umsetzbares, messbares und politisch steuerungsrelevantes Instrument auf nationaler Ebene zu etablieren. Methodisch basiert der Ansatz auf einem hybriden Bewertungsmodell, in dem das Life Cycle Assessment (LCA) ausschließlich für die Umweltbewertung eingesetzt wird, während die sozialen und Governance-Dimensionen durch strukturierte, normalisierte und gewichtete Indikatoren operationalisiert werden.
Die Umweltanalyse wurde mittels LCA modelliert und in SimaPro implementiert, wodurch eine systemische und aggregierte Bewertung zentraler Umweltwirkungen ermöglicht wird. Die Ergebnisse zeigen, dass Albaniens Umweltprofil in hohem Maße durch Energieverbrauch, verkehrsbedingte Emissionen und materialintensive Wirtschaftsstrukturen bestimmt ist. Diese Faktoren wirken als zentrale Treiber von Klimawirkungen, fossiler und mineralischer Ressourcenverknappung, Landnutzungsdruck sowie Süßwasserökotoxizität. Andere Umweltwirkungen, wie Versauerung oder photochemische Ozonbildung, spielen eine untergeordnete Rolle, was auf strukturelle Ineffizienzen in Energie- und Ressourcennutzung hinweist. Die LCA-basierte Implementierung ermöglicht eine klare Identifikation von Umwelt-Hotspots und stellt eine belastbare Grundlage für die priorisierte Umsetzung umweltpolitischer Maßnahmen dar.
Die soziale Bewertung zeigt insgesamt positive Entwicklungen in zentralen Bereichen wie Gesundheit, Bildung und Humankapital. Gleichzeitig bestehen jedoch weiterhin strukturelle Schwächen in Bezug auf Lebensgrundlagen, Beschäftigungsqualität und die soziale Integration von Minderheiten. Diese Ungleichgewichte begrenzen die gesellschaftliche Resilienz und verdeutlichen, dass eine erfolgreiche ESG-Implementierung zwingend mit inklusiven und sozial ausgewogenen Politiken verknüpft sein muss, um langfristige Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Die Governance-Analyse unterstreicht die entscheidende Rolle institutioneller Kapazitäten für eine wirksame Umsetzung von ESG. Während Fortschritte in der strategischen Planung und im Stakeholder-Engagement erkennbar sind, bestehen weiterhin erhebliche Defizite in der regulatorischen Durchsetzung, der institutionellen Aufsicht sowie in der finanziellen Ausstattung von ESG-relevanten Maßnahmen. Diese Umsetzungsdefizite stellen einen zentralen Engpass für die Transformation von strategischen Zielsetzungen in messbare Ergebnisse dar.
Ergänzend wurde eine eigenständige konzeptionelle Analyse für Deutschland durchgeführt, die nicht als Leistungsvergleich, sondern als Referenzrahmen für die institutionelle und operative Implementierung von ESG dient. Die Analyse verdeutlicht, dass ESG in Deutschland als integriertes Governance-Instrument etabliert ist, das systematisch in Regulierung, Haushaltssteuerung, Berichterstattung und langfristige Entwicklungsplanung eingebettet ist. Dieser konzeptionelle Vergleich hebt hervor, dass Unterschiede zwischen Albanien und Deutschland primär auf den Grad institutioneller Reife und die konsequente Operationalisierung von ESG-Prinzipien zurückzuführen sind und nicht auf divergierende Nachhaltigkeitsambitionen.
Insgesamt zeigt der Bericht, dass nachhaltige Entwicklung in Albanien nur durch ein koordiniertes, multidimensionales Implementierungskonzept erreicht werden kann, das Umweltineffizienzen, soziale Disparitäten und Governance-Lücken gleichzeitig adressiert. Das entwickelte ESG-Implementierungsframework stellt ein transparentes, reproduzierbares und politisch anwendbares Instrument dar, das die Priorisierung von Maßnahmen, die Steuerung von Transformationsprozessen und die institutionelle Verankerung von ESG auf nationaler Ebene unterstützt. Damit leistet der Bericht einen substantiellen Beitrag zur evidenzbasierten Nachhaltigkeitspolitik und zur Weiterentwicklung praxisorientierter ESG-Implementierungsansätze in Transformations- und Entwicklungsländern.