Jedes Jahr gehen nach Schätzungen der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) weltweit rund ein Drittel aller produzierten Lebensmittel verloren oder werden weggeworfen – das entspricht etwa 1,3 Milliarden Tonnen. Die Verluste treten entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf – von der Primärproduktion über Verarbeitung, Handel und Konsum. Ursache sind Ernteverluste, Schäden bei Lagerung oder Transport, die unzureichende Verwertung von Nebenströmen aus der Lebensmittelverarbeitung sowie das Wegwerfen auf Handels- und Verbraucherebene.

Gleichzeitig leiden weltweit Millionen Menschen an Hunger. Lebensmittelverluste und -verschwendung schwächen die Ernährungssicherheit und verringern die Resilienz unserer Ernährungssysteme, da wertvolle Nahrungsmittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette nicht genutzt werden.
Hinzu kommt, dass der Lebensmittelverlust und die -verschwendung nicht nur die Lebensmittel selbst betreffen, sondern auch die für ihre Herstellung eingesetzten Ressourcen. Für die Produktion der Lebensmittel werden große Mengen an Wasser, Energie und landwirtschaftlichen Flächen benötigt. Damit einher gehen erhebliche Treibhausgasemissionen, die Klima und Umwelt belasten. Der Verlust und die Verschwendung von Lebensmitteln ist damit weltweit ein zentrales ökologisches, ökonomisches und soziales Problem.
In Deutschland sind es 10,9 Millionen Tonnen Lebensmittel, die auf dem Weg bis auf unsere Teller verloren gehen oder weggeworfen werden – das entspricht im Durchschnitt 129 Kilogramm pro Bundesbürger. Diese Zahlen hat das Umweltbundesamt für 2023 ermittelt (Lebensmittelabfälle | Umweltbundesamt) und sie umfassen sowohl vermeidbare Abfälle, wie übrig gebliebene Speisereste oder nicht verkaufte Lebensmittel, als auch nicht essbare Bestandteile wie Nuss- und Obstschalen, Strünke, Blätter, Kaffeesatz oder Knochen. Hinzu kommen weitere Lebensmittelverluste entlang der Produktions- und Lebensmittelkette.
Den überwiegenden Anteil verursachen mit rund 58 Prozent private Haushalte. Weitere 16 Prozent der Lebensmittelabfälle fielen in Restaurants, der Gemeinschaftsverpflegung oder dem Catering an, gefolgt von etwa 17 Prozent in der Verarbeitung von Lebensmitteln, rund sieben Prozent im Handel und ungefähr zwei Prozent in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft hat zahlenmäßig einen relativ geringen Anteil an der Gesamtabfallmenge. Das liegt daran, dass überschüssige und verdorbene Lebensmittel, die betriebsintern verwertet werden – etwa als Tierfutter oder in Biogasanlagen –, nicht in der Statistik erfasst werden. Zudem bleiben Verluste vor und während der Ernte beziehungsweise Schlachtung unberücksichtigt, da sie rechtlich nicht als Lebensmittel gelten.

Lebensmittelverluste entstehen vor allem in frühen Phasen der Wertschöpfungskette, etwa bei der Ernte, Lagerung oder beim Transport, wenn Produkte beschädigt werden, verderben oder gar nicht erst geerntet werden. Lebensmittelverschwendung hingegen bezeichnet das Wegwerfen von noch genießbaren Lebensmitteln im Handel, in der Gastronomie oder in privaten Haushalten – häufig aufgrund von Überangebot, Ablaufdaten oder ästhetischen Ansprüchen.
Die Reduzierung von Lebensmittelverlusten ist daher ein wichtiges politisches Ziel auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene. Gerade mit Blick auf die Ernährungssicherheit in Zeiten des Klimawandels und einer wachsenden Weltbevölkerung gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung.
Auf globaler Ebene fordert das Sustainable Development Goal 12 der Agenda 2030, insbesondere Ziel 12.3, die weltweite Lebensmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene zu halbieren. Gleichzeitig sollen Lebensmittelverluste entlang der Produktions- und Lieferketten reduziert werden. Mehr Infos: 17Ziele – Ziele für Nachhaltige Entwicklung – Agenda 2030 der UN
Mit der Farm-to-Fork-Strategy verfolgt die Europäische Kommission das Ziel, das Ernährungssystem nachhaltiger zu gestalten. Die Strategie setzt dabei entlang der gesamten Wertschöpfungskette an und soll unter anderem Lebensmittelverluste und -verschwendung verringern, Ressourcen schonen sowie eine gesunde und nachhaltige Ernährung fördern. Darüber hinaus trägt sie dazu bei, die Ernährungssicherheit zu stärken und die Widerstandsfähigkeit des Ernährungssystems gegenüber Krisen und schwankenden Versorgungslagen zu erhöhen. Mehr Infos: Farm to Fork Strategy – Food Safety – European Commission
In Deutschland greift die Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung der Bundesregierung im Rahmen des Klimaschutzplans 2025 diese Zielsetzung auf: Sie bündelt Maßnahmen von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um Lebensmittelverluste vom Acker bis zum Teller zu verringern und damit Ressourcen zu schonen sowie Klima und Umwelt zu entlasten. Mehr Infos: Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung
Während politische Strategien und nationale Programme die Rahmenbedingungen setzen und auf eine Reduzierung der Lebensmittelverluste abzielen, sind konkrete Maßnahmen und deren Erprobung im Rahmen von Projekten notwendig, um diese Ziele auch umzusetzen und praxisnah zu verankern.
Die DBU fördert Projekte, die Lebensmittelverluste und -verschwendung entlang der gesamten Wertschöpfungskette reduzieren – vom Anbau über die Verarbeitung und den Handel bis hin zu Haushalten und der Außer-Haus-Verpflegung. Ziel ist es, innovative Ansätze für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln zu fördern, dafür Bewusstsein zu schaffen sowie Klima und Umwelt zu entlasten. Dabei legt die DBU besonderen Wert auf praxisnahe Lösungen, die leicht übertragbar sind und positive Effekte sowohl ökologisch als auch ökonomisch erzielen.
Wie die DBU-Förderung konkret wirkt und wie wichtig sie für die Umsetzung nachhaltiger Innovationen ist, zeigt das Beispiel des Start-ups Backdigital. Das Unternehmen reduziert mithilfe zielgenauer Prognosen von Verkaufszahlen Verluste durch nicht verkaufte Backwaren.
„Die Start-up-Förderung der DBU war für unser Vorhaben eine große Unterstützung, um die Vision einer nachhaltigen, KI-gestützten Backstube von der Theorie in die Praxis umzusetzen und dem Projekt die nötige Sichtbarkeit im Markt zu verleihen.“
Malte Pfahl, Geschäftsführer Backdigital GmbH
Bereits in der landwirtschaftlichen Produktion entstehen durch Ernteausschuss, Witterungseinflüsse oder Qualitätsanforderungen Verluste, die in der Statistik oft nicht erfasst werden. So werden Erzeugnisse, die nicht den vom Lebensmittelhandel festgelegten Lieferantenstandards entsprechen, nicht vom Handel angenommen und gelangen gar nicht erst in den Verkauf. Dabei spielen vor allem optische Anforderungen, Größen und Gewichte eine Rolle: Obst und Gemüse, das sowohl genießbar als auch qualitativ einwandfrei sind und die gesetzlichen Normen erfüllen, entsprechen trotzdem häufig nicht den Lieferantenstandards des Handels und werden deshalb bereits auf dem Hof aussortiert. Der Verlust in der Landwirtschaft ist demnach deutlich höher, als die offiziellen Zahlen vermuten lassen. Das folgende DBU-Projekt zeigt beispielhaft, wie innovative Ansätze in der Primärproduktion Lebensmittelverluste effektiv reduzieren.
Das DBU-geförderte Projekt „Stickstoff einsparen und Lebensmittelverluste reduzieren: Neue Ansätze im Freilandgemüseanbau“ der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zeigt am Beispiel von Kohlrabi, Brokkoli, Blumenkohl und Eisbergsalat, wie sich durch eine reduzierte Stickstoffdüngung und innovative Vermarktungsstrategien im Einzelhandel sowohl Ressourcen einsparen als auch Ernteverluste verringern lassen. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es durch die Zusammenarbeit aller Akteure entlang der Wertschöpfungskette möglich ist, die Gemüseproduktion nachhaltiger und zugleich marktfähig zu gestalten. Weitere Informationen: Stickstoff einsparen und Lebensmittelverluste reduzieren: Neue Ansätze im Freilandgemüseanbau – DBU
In der Lebensmittelverarbeitung entstehen Verluste durch produktionsbedingte Ausschussware, Verpackungsfehler oder Reste aus Wasch-, Schnitt- und Kochprozessen. Auch eine ungenaue Produktionsplanung kann dazu führen, dass genießbare Produkte nicht vermarktet werden.
Drei DBU-Projekte zeigen, wie Lebensmittelverluste in Produktion und Verarbeitung reduziert werden können: Das Start-up Backdigital unterstützt Bäckereien mit der Prognosesoftware „BackPlan“ bei datenbasierter Produktionsplanung, ein weiteres Projekt wandelt Riegelreste mithilfe biotechnologischer Verfahren wieder in wertvolle Rohstoffe um, und ein Vorhaben der TU Braunschweig und des Fraunhofer IVV nutzt KI-Sensorik, um Reinigungsprozesse bei der Lebensmittelherstellung bedarfsgerecht zu steuern und so Energie, Wasser sowie Lebensmittelrohstoffe zu sparen.
Im Handel gehen jedes Jahr enorme Mengen an Lebensmitteln verloren – vor allem durch überschüssige Bestände, hohe Anforderungen an Aussehen und Qualität, Verderb während Transport und Lagerung sowie durch den Ablauf von Mindesthaltbarkeitsdaten (MHD).
Drei innovative Ansätze zur Reduktion von Lebensmittelverlusten im Handel zeigen diese DBU-Projekte: Die Hermetia Tech GmbH verwandelt Lebensmittelreste mit ihrer vollautomatisierten Insektenmastanlage in hochwertiges Tierfutter und Dünger, Saving Grains 301 sorgt mit hermetischen, sensorüberwachten Getreidesäcken für sichere Lagerung, Rohstoffqualität und Marktchancen für Kleinbauern in Ghana, und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) identifiziert rechtliche Hemmnisse, entwickelt Handlungsempfehlungen und sensibilisiert Handel, Politik und Verbraucher*innen für die Reduktion von Lebensmittelverschwendung vor allem im Hinblick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum.
Ein großer Teil der Lebensmittelverschwendung entsteht erst beim Endverbraucher, sei es zu Hause oder in der Außer-Haus-Verpflegung. Ungenaue Einkaufsplanung, falsche Lagerung, Mindesthaltbarkeitsdaten oder zu große Portionen führen dazu, dass genießbare Lebensmittel im Müll landen. Durch Aufklärung, innovative Konzepte und angepasste Servier- oder Portionsstrategien lassen sich diese Verluste deutlich reduzieren.
Die folgenden DBU-Projekte haben praxisnahe Ideen entwickelt, wie Lebensmittel bedarfsgerechter und optimal genutzt werden – bei Verbraucher*innen und in der Außer-Haus-Verpflegung, durch Umweltbildung bis hin zu digitalen Tools in Schulen und Kliniken, die nachhaltiges Handeln fördern und Ressourcen schonen.