Pflanzenkohle bietet – unter Einhaltung qualitativer Standards in der Herstellung – die vielversprechende Möglichkeit, Landwirtschaft klimafreundlicher und resilienter zu gestalten. Voraussetzung ist, dass keine Konkurrenzen zu höherwertigeren Verwertungen pflanzlicher Reststoffe entstehen.
Umweltnützliche Potenziale von Pflanzenkohle ergeben sich insbesondere im Bereich der Bodenverbesserung hinsichtlich Nährstoffversorgung, vermindertem Düngemittelbedarf sowie verbesserter Wasserverfügbarkeit und -haltekapazität. Positive Wirkungen können mit Pflanzenkohle auch in der Wasseraufbereitung und Abwasserbehandlung erzielt werden, insbesondere in dezentralen Szenarien oder bei fehlender zentraler Aufbereitung. Durch die stabile Bindung von Kohlenstoff im Boden trägt Pflanzenkohle nicht zuletzt zur langfristigen CO2-Sequestrierung bei und stellt gegenüber der vielerorts aktuell praktizierten ungesteuerten Entsorgung pflanzlicher Reststoffe über Verbrennung ein „Upcycling“ dar.
Die Wirkung von Pflanzenkohle hängt stark von der Qualität, Dosierung und Einbettung in bestehende Agrarsysteme und Habitate ab. Für die sach- und fachgerechte Herstellung sind daher die Anwendung und Einhaltung etablierter Standards notwendig (z. B. European Biochar Standards), wie auch erweiterte Kompetenzen in Rohstoffkunde, Verfahrenstechnik/ Pyrolyse, Analytik und Qualitätssicherung, Umwelt- und Rechtsfragen sowie Anwendungstechnik in der Praxis.
Im DBU-Projektcluster „Pflanzenkohle“ soll ein Länder-Scoping zunächst einen Überblick über den aktuellen Stand der Pflanzenkohleproduktion und -anwendung sowie den Einfluss von Forschungs- und Entwicklungsprojekten für die dortigen Transformations- und Innovationsprozesse verschaffen. Über vertiefende Länderstudien und konkrete Umsetzungsprojekte können diese Potenziale dann von sachkundigen Akteur*innen vor Ort weiterführend ausgelotet, entwickelt und aktiviert werden.
Der regionale Fokus für diesen internationalen Förderschwerpunkt liegt in der DBU-Zielregion in Mittelost- und Südosteuropa. Hier könnte der Einsatz von Pflanzenkohle die erosionsanfälligen und – durch intensive Landnutzung und Trockenperioden – teilweise sehr nährstoffarmen und semi-ariden Böden qualitativ aufwerten. Des Weiteren werden hier vor allem in den ländlichen Gebieten Potentiale zur Verbesserung der Wasserqualität gesehen, insbesondere dort, wo absehbar keine zentralen und hochtechnologischen Behandlungssysteme implementiert werden können.