Wie kann die Energieversorgung eines Ortes oder Ortsteils im Jahr 2035 aussehen? Das untersuchte Catherine Adelmann, promovierende Wissenschaftlerin an der Technischen Hochschule Ulm (THU), am Beispiel des Ortsnetzes der Gemeinde Rißtissen bei Ehingen.
Das Besondere an Rißtissen: Dort trifft eine sehr hohe lokale Energieerzeugung aus Laufwasser, einer 1,2-Megawatt-Biogasanlage und einer umfangreichen Aufdach-Photovoltaik auf einen vergleichsweise geringen Verbrauch. In der Zukunftssimulation wurden eine zunehmende Photovoltaik-Erzeugung sowie ein steigender Strombedarf durch Elektromobilität und Wärmepumpen berücksichtigt und die bestehenden Anlagen eingebunden. Das Ziel war es, Flexibilitätspotenziale zu identifizieren und zu nutzen, um Netzrestriktionen zu vermeiden und Investitionskosten für den Netzausbau zu minimieren.
Netzstabilität erhöht, Ausbaukosten vermieden
Das Ergebnis zeigt: Werden die vorhandenen Flexibilitäten so genutzt, dass sie netzdienlich sind – und nicht vornehmlich marktorientiert – erhöht sich die Netzstabilität und es lassen sich Netzausbaukosten vermeiden, die Aufnahmekapazität für Photovoltaik erhöhen und die Versorgungssicherheit verbessern. Empfohlen werden kurzfristig der Bau eines Batteriespeichers und parallel die Flexibilisierung der Biogasanlage samt Entwicklung tragfähiger Geschäftsmodelle wie Energiegemeinschaften und Energy-Sharing-Tarife. Mittelfristig sollten Wirtschaftlichkeit, Betreiberrollen und – unter Einbezug der Mittelspannungsebene – das Potenzial von Langzeitspeichern vertieft untersucht werden.
Die Simulation wurde im Rahmen des Ideenwettbewerbes der DBU-Förderinitiative „Speicher und Netze“ gefördert. „Das Projekt verdeutlicht, dass ohne gezielte Eingriffe zukünftig sehr kostenintensive Netzausbaumaßnahmen erforderlich wären und zeigt somit die Relevanz von Flexibilitäten und einer sinnvollen, integrierten Planung der zukünftigen Netznutzung auf“, so das Fazit von Dr. Katrin Anneser, die die DBU-Förderinitiative betreut.
Mehr zum Projekt unter: www.thu.de/de/Seiten/News_Ideenwettbewerb_Energiemanagement.aspx
AZ 91024/63
Titelbild: Rißtissen im Sommer 2025