Artenschutz versus Klimaschutz: DEB:ATE! vermittelt zwischen unterschiedlichen Interessenvertretern

ESD for 2030: Dilemmas between Energy and Biodiversity: Addressing, Transforming, Engaging! DEB:ATE!

Obwohl Erneuerbare Energien (EE) für die Energiewende unverzichtbar sind, wurden 2020 in Deutschland auffällig wenig neue Windenergieanlagen errichtet. Einer der Gründe dafür ist ein Nachhaltigkeitsdilemma zwischen den Belangen des Natur- bzw. Artens © Canva/ArtesiaWells
Obwohl Erneuerbare Energien (EE) für die Energiewende unverzichtbar sind, wurden 2020 in Deutschland auffällig wenig neue Windenergieanlagen errichtet. Einer der Gründe dafür ist ein Nachhaltigkeitsdilemma zwischen den Belangen des Natur- bzw. Artenschutzes und des Klimaschutzes.
Die adressierten Nachhaltigkeitsziele des Projekts. © Deutsche Bundesstiftung Umwelt / UN Global Goals
Die adressierten Nachhaltigkeitsziele des Projekts. Das Bild ist verlinkt mit der Aufzeichnung der Kurzvorstellung dieses Projekts auf der digitalen Auftaktveranstaltung zur DBU-Ausschreibung „Nachhaltigkeitsdilemmata und Umgang mit Unsicherheiten“ vom 21. Juni 2021.

Die Kurzvorstellung dieses Projekts auf der digitalen Auftaktveranstaltung zur DBU-Ausschreibung „Nachhaltigkeitsdilemmata und Umgang mit Unsicherheiten“ vom 21. Juni 2021 finden Sie auf unserem YouTube-Kanal.

 

Obwohl Erneuerbare Energien (EE) für die Energiewende unverzichtbar sind, wurden im Jahr 2020 in Deutschland auffällig wenig neue Windenergieanlagen errichtet. Einer der Gründe dafür ist ein Nachhaltigkeitsdilemma zwischen den Belangen des Natur- bzw. Artenschutzes und des Klimaschutzes, das bei Bürgerinnen und Bürger oft heftigen Widerstand gegen den Bau von Windkraftanlagen hervorruft. Das Ziel des hier vorgeschlagenen Projektes DEB:ATE! besteht darin, gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern und Expertinnen und Experten in Sachsen und Nordböhmen nach Auswegen aus diesem Dilemma zu suchen, das aufgrund des Strukturwandels in der Kohleregion Erzgebirge seit Jahren besonders virulent und greifbar ist.

Von der Braunkohleregion zur dekarbonisierten Wirtschaftsregion

Da sich die politischen Rahmenbedingungen für eine Energiewende sowohl in Sachsen als auch in Tschechien derzeit wandeln, bietet sich ein neues Gelegenheitsfenster zur Kompromissfindung zwischen Natur- und Klimaschutz. Das Projekt kann dazu beitragen, vielfach verhärtete Vorbehalte gegenüber erforderlicher Transformationsprozesse von einer klassischen Braunkohleregion zu einer dekarbonisierten Wirtschaftsregion abzubauen und in partizipativen Prozessen zu kooperativen und kollaborierten Lösungen zu gelangen, die auf die gesamte Region und auch darüber hinaus ausstrahlen.

Im engeren Sinne sind die Zielgruppen des Projekts je zehn deutsche und tschechische Regional- und Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker, Umweltexpertinnen und Umweltexperten, Naturschützerinnen und Naturschützer, Vertreterinnen und Vertreter der Energiewirtschaft, die unmittelbar mit der energiepolitischen Entwicklung im sächsisch-böhmischen Grenzgebiet befasst sind. Im weiteren Sinne zielt das Projekt auf eine breite Öffentlichkeit beiderseits der Grenze.

Nachhaltigkeitskonflikte zwischen Windenergie und Artenschutz

Thematisch im Zentrum des Konflikts stehen konkrete, lokal virulente Nachhaltigkeitskonflikte zwischen Windenergie und Artenschutz im Erzgebirge, die mithilfe eines digitalen Runden Tisches aus regionalen und kommunalen Stakeholdern, Expertinnen und Experten und Politikerinnen und Politikern identifiziert werden. Um methodische Wege aus den oft seit Jahren festgefahrenen Auseinandersetzungen aufzuzeigen, initiiert das Projekt anschließend einen breit angelegten Partizipationsprozess, in dem die Beteiligten miteinander in den Austausch treten, Befürchtungen artikulieren, technische Neuerungen diskutieren etc. Durch einen gemeinsamen Study-Trip zu Best-Practice Beispielen soll zudem aufgezeigt werden, wie die Energiewende dezentral und zum ökonomischen Nutzen der Bürgerinnen und Bürger gestaltet werden kann (Bürgerenergie, Energiegenossenschaften). Eine Abschlusskonferenz führt die Ergebnisse zusammen und zeigt Wege zur Verstetigung insbesondere der Kommunikations- und Partizipationsprozesse auf.

Grenzüberschreitender Austausch

Innovativ und modellhaft ist das Projekt einerseits wegen seines ungewöhnlichen grenz-überschreitenden Charakters (s. u.). Obwohl Sachsen und Böhmen nicht nur durch den Naturraum Erzgebirge miteinander verbunden sind, sondern auch durch die Herausforderung einer Abkehr vom Braunkohletagebau, findet bisher kaum ein grenzüberschreitender Austausch zur dringend gebotenen Energiewende statt. Modellhaft ist DEB:ATE! andererseits durch den partizipativen Ansatz, der ein in der Region bestehendes Defizit adressiert: Durch die interaktive Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger in die Standortplanung wird der Weg zu konsensfähigen Lösungen für die bestehenden Dilemmata geebnet und mehr Akzeptanz für die Energiewende geschaffen. Auch der grenzüberschreitende Erfahrungsaustausch zu Modellen der genossenschaftlichen (Bürger-) Energieversorgung gibt neue Impulse für eine in der Region sonst vielfach festgefahrene Debatte über die Windenergie.

 

Projektträger:
Europäische Akademie Berlin e.V.
14193 Berlin
www.eab-berlin.eu/de/projekt/debate

DBU-AZ: 35600/36

Förderzeitraum: Dezember 2020 – Dezember 2021

Stand: 15.07.2021