Sozial und ökologisch nachhaltige Gewerkschaftspolitik

ESD for 2030: Education for Sustainable Unionists: Capacity Building für ökologische Gewerkschaftspolitik zur Überwindung sozial-ökologischer Zielkonflikte in Gewerkschaften

Ökologische Gewerkschaftspolitik, die im Projekt weiter vorangebracht werden soll, zielt darauf ab, Lösungen zu entwickeln. Ihr Ziel ist es, Transformationsprozesse in der Arbeitswelt anzustoßen, welche sowohl sozial als auch ökologisch nachhaltig  © Canva/Kuzma
Ökologische Gewerkschaftspolitik, die im Projekt weiter vorangebracht werden soll, zielt darauf ab, Lösungen zu entwickeln. Ihr Ziel ist es, Transformationsprozesse in der Arbeitswelt anzustoßen, welche sowohl sozial als auch ökologisch nachhaltig sind.
Die adressierten Nachhaltigkeitsziele des Projekts. © Deutsche Bundesstiftung Umwelt / UN Global Goals
Die adressierten Nachhaltigkeitsziele des Projekts. Das Bild ist verlinkt mit der Aufzeichnung der Kurzvorstellung dieses Projekts auf der digitalen Auftaktveranstaltung zur DBU-Ausschreibung „Nachhaltigkeitsdilemmata und Umgang mit Unsicherheiten“ vom 21. Juni 2021.

Die Kurzvorstellung dieses Projekts auf der digitalen Auftaktveranstaltung zur DBU-Ausschreibung „Nachhaltigkeitsdilemmata und Umgang mit Unsicherheiten“ vom 21. Juni 2021 finden Sie auf unserem YouTube-Kanal.

 

Gewerkschaften und Betriebe stehen inmitten des Zielkonflikts zwischen Arbeit und Ökologie. Auf der einen Seite muss die Produktionsweise in kürzester Zeit klimaneutral gestaltet werden, auf der anderen Seite braucht es Zeit, die betriebliche Mitbestimmung, gute Arbeitsverhältnisse und die Qualifizierung der Beschäftigten auszubauen und an die neuen Produktionsweisen anzupassen.

Soziale Sicherheit unter Bedingungen einer Nachhaltigkeitstransformation

Der ökologische Umbau nicht-nachhaltiger Sektoren in Bezug auf Produkte und Produktionsverfahren (u. a. grüner Stahl, E-Mobilität, Wasserstofftechnologie) binnen weniger Jahre stellt eine zentrale Herausforderung und Unsicherheit für die Beschäftigten in den kommenden Jahrzehnten dar – wie die Sicherung von Arbeit und betrieblicher Mitbestimmung in der Green Economy. Mit diesen Dilemmata und Unsicherheiten müssen Gewerkschaften umgehen und Wege finden, wie soziale Sicherheit unter Bedingungen einer Nachhaltigkeitstransformation z. B. durch die Sicherung betrieblicher Mitbestimmung, neue Allianzen oder den Ausbau beruflicher Bildung für eine nachhaltige Entwicklung gewährleistet werden kann.

Transformationsprozesse in der Arbeitswelt anstoßen

Ökologische Gewerkschaftspolitik, die im Rahmen des Projektes weiter vorangebracht werden soll, zielt darauf ab, Lösungen zu entwickeln. Ihr Ziel ist es, Transformationsprozesse in der Arbeitswelt anzustoßen, welche sowohl sozial als auch ökologisch nachhaltig sind. Ein solches um ökologische Nachhaltigkeit erweitertes Anforderungsprofil an Gewerkschaftspolitik erfordert neue Kompetenzen. Das Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Transformationskompetenzen von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern im Umgang mit bestehenden Nachhaltigkeitsdilemmata sowie den Unsicherheiten zu stärken.

Um das Projektziel für die Zielgruppe der Betriebsrätinnen und Betriebsräte und gewerkschaftliche Vertretungen bestmöglich umzusetzen, ist folgender Ablauf geplant:

  1. Bestandsanalyse: Hier werden Nachhaltigkeitsdilemmata von Gewerkschaftsarbeit auf betrieblicher Ebene herausgearbeitet. Das methodische Vorgehen beruht auf einer umfangreichen Literaturrecherche und Expertinnen und Experteninterviews mit Betriebsräten und Gewerkschaftssekretärinnen.
  2. Methodische Umsetzung zur Ko-kreativen Lösungsentwicklung: Die in der Bestandsanalyse entwickelten Nachhaltigkeitsdilemmata stellen die leitende Problemstellung im ko-kreativen Design-Thinking-Prozess dar. Die Teilnehmenden aus Gewerkschaften und Umweltbewegung entwickeln hierbei Prototypen als Lösungsansätze einer ökologischen Gewerkschaftspolitik.
  3. Fortbildung zum Thema „Ökologische Gewerkschaftspolitik“: Kern des Projekts ist die Ausarbeitung einer Fortbildung für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aufbauend auf der Bestandsanalyse und den Lösungsansätzen. Sie folgt dem Ansatz transformativer Bildung, der sich u. a. dadurch auszeichnet, dass darin situationsspezifische Lösungsstrategien entwickelt werden. Das kann bezogen auf Dilemmata und Unsicherheiten z. B. die Beschäftigung mit der Beschleunigung von unsicheren Investitionen in nachhaltige Produktionsweisen (u. a. grüner Stahl, E-Mobilität, Wasserstoff) unter Aufrechterhaltung betrieblicher Mitbestimmung und dem Erhalt guter Arbeitsplätze bedeuten. Die Fortbildung „Ökologische Gewerkschaftspolitik” gliedert sich entsprechend des experimentellen Lernens in vier Teile: Problemanalyse, Visionsentwicklung, Praxisprojekt und Evaluation. Kernzielgruppen sind Betriebsräte und aktive Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter von kleinen und mittelgroßen Unternehmen sowie die Gewerkschaftssekretärinnen der jeweiligen Branchen.
  4. Evaluation: Die Umsetzung der Fortbildung wird wissenschaftlich begleitet, durch qualitative Interviews mit den Teilnehmenden, teilnehmende Beobachtung während der Fortbildungswoche sowie der Begleitung der Praxisprojekte. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit der Lehrkräftebildung der TU Berlin. Die Ergebnisse dienen als Basis, um den Modellcharakter der Bildungsmodule sicherzustellen.

Das Projekt zeichnet sich insbesondere durch die besondere Zielgruppe der Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter und die innovativen Lernformate (u. a. Ko-Kreation) aus. Indem Gewerkschaften und Umweltakteure zusammen mit ko-kreativen Methoden Prototypen ökologischer Gewerkschaftspolitik entwickeln, werden neue Brücken geschaffen. Die Dokumentation der Fortbildung und ein Methodenheft garantieren die Modellhaftigkeit und künftige Durchführung der Fortbildung in weiteren gewerkschaftlichen Bildungswerken.

 

Projektdurchführung
Technische Universität Berlin
Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre
Fachgebiet Arbeitslehre/Ökonomie und Nachhaltiger Konsum
10587 Berlin
www.ecological-unionism.eu

DBU-AZ: 35600/93

Förderzeitraum: März 2021 - Februar 2023

Stand: 15.07.2021