27.11.2018 | Am Berg gemeinsam Grenzen überwinden

In den Alpen bringt Naturschutz Einheimische und Geflüchtete zusammen – DBU-Projekt abgeschlossen | In der Projektdatenbank - AZ 35002/03

Reparatur von Wanderwegen © Leonhard Geißler/A.L.M.
Gemeinsam anpacken: Das Reparieren von Wanderwegen in den Bergen baut gleichzeitig Brücken zu Bewohnern der neuen Umgebung.
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Einheimische und Geflüchtete bauten Fledermaus-Nistkästen © Evi Blum/A.L.M.
Mit Hilfestellung des Nationalparks Berchtesgaden bauten Einheimische und Geflüchtete gemeinsam Nistkästen für Fledermäuse und lernten dabei nicht nur viel über die meist nachtaktiven Tiere.
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Wanderung in den Bergen © Anna Heinisch/A.L.M.
Bei einer ausgedehnten Wanderung in den Bergen und den nötigen Pausen gibt es vieles zu entdecken, sodass Emanuel Brhane (r.) und andere Geflüchtete ihre Alltagssorgen schnell vergessen konnten.
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München. Natur gemeinsam kennenlernen, erleben und schützen: Das war das Ziel eines nun abgeschlossenen Projektes des Malteser Hilfsdienstes und des Deutschen Alpenvereins (DAV, beide München) in den vergangenen zwei Jahren. Unter dem Motto „Alpen.Leben.Menschen“ richteten sie sich mit ihrem Projekt gleichermaßen an Einheimische und Geflüchtete, die in den vergangenen Jahren in die Alpenregion gekommen waren. Unterstützt wurden die beiden Vereine dabei fachlich und finanziell mit rund 125.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Rahmen ihres Sonderprogramms „Flüchtlinge und Umwelt“. „Die besondere Natur des Alpenraumes zu erleben und gemeinsam zu schützen, bringt die Menschen ins Gespräch, ganz unabhängig von ihrer Herkunft. So kann der Einzelne mehr über den anderen erfahren, Verständnis entwickeln und gemeinsam lernen“, sagt Erik Waalkes vom Malteser Hilfsdienst. Insgesamt nahmen an 150 Projekt-Veranstaltungen über 1.000 Personen teil, 300 davon mehrfach.

Wissen draußen in der Praxis anstatt drinnen im Seminarraum vermitteln

„Das Projekt und sein positives Ergebnis zeigen genau das, was wir 2016 mit unserem Sonderprogramm erreichen wollten: mithilfe von Umweltengagement einen wichtigen Beitrag zur Integration von Geflüchteten leisten“, betont DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Integration könne nur erfolgreich sein, wenn Geflüchtete und Einheimische daran teilhaben – „ein zentraler Aspekt bei diesem Projekt“, so Bonde. Ausgehend von den vier Projektstandorten im Raum Garmisch-Patenkirchen, Allgäu, Berchtesgadener Land und Rosenheim wurden verschiedene Veranstaltungen organisiert, die sich an beide Gruppen wendeten. „Unser Ziel war es, das Wissen über die einzigartige Natur in den Alpen so häufig wie möglich bei Exkursionen oder dem Bergsport draußen in der Praxis zu vermitteln anstatt in theoretischen Seminaren“, erläutert Stefan Winter vom DAV. So wurden die Berge beim Wandern erkundet, Bergbauern auf ihren Almen bei der Arbeit unterstützt oder – gemeinsam mit dem Nationalpark Berchtesgaden – Nistkästen für Fledermäuse gebaut.

„Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre das nicht möglich gewesen“

Niedrigschwellige, regelmäßige Angebote, die Mitarbeit vieler Ehrenamtlicher sowie der Mehrwert für Flüchtlinge und Einheimische gleichermaßen – für diese Mischung gab es nicht nur den Hauptpreis im Wettbewerb „Soziale Natur – Natur für alle 2017“ der Dekade Biologische Vielfalt der Vereinten Nationen sondern auch den internationalen ARGE ALP-Preis 2017 der Arbeitsgemeinschaft Alpenländer. „Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer aus unseren beiden Vereinen und darüber hinaus wäre das nicht möglich gewesen“, so Waalkes. Viele von ihnen wurden zu „A.L.M.-Lotsen“ weitergebildet, bevor sie sich im Projekt engagierten. In Rahmen von verschiedenen Schulungen erfuhren sie Wissenswertes über interkulturelle Differenzen, Umweltbildung oder mögliche Gestaltung von Touren.

Künftig wollen die Vereine das Projekt mit neuen Akzenten fortführen

„Auch die gute Zusammenarbeit zwischen dem Malteser Hilfsdienst als karitativer Einrichtung und uns als Akteur im Umwelt- und Naturschutz hat großen Anteil am Erfolg des Projektes“, betont DAV-Mitarbeiter Winter. Künftig wollen die beiden Vereine das Projekt – mit neuen Akzenten – fortführen. Dass sich das lohnt, zeigen die Reaktionen von Teilnehmern an bisherigen Veranstaltungen. Der 19-jährige Emanuel Brhane aus Eritrea sagt: „Auf Berge gehen ist schön. Dort kann ich mich mit den Deutschen unterhalten und viel Neues lernen. In meiner Unterkunft spreche ich meistens in meiner Landessprache und komme nicht wirklich raus.“

Ansprechpartner bei Fragen zum Projekt (AZ 91015/84 - 4): Erik Waalkes, Tel. 089|43608-165