27.09.2012 | Mit Innovation und Leidenschaft zum „Sunny Boy“ der Solar-Industrie

Deutscher Umweltpreis 2012: Einzelwürdigung Günther Cramer, SMA Solar Technology AG

Günther Cramer
Erhält den Deutschen Umweltpreis 2012: Günther Cramer
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Kassel. „Mit seinen technologischen Spitzenleistungen in der Photovoltaik verfolgt Günther Cramer seit mehr als 30 Jahren die Vision, den Systemwandel hin zu einer hundertprozentigen dezentralen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien möglich zu machen. Er will die Solarenergie auch in Regionen bringen, die nicht an das Stromnetz angebunden sind. Gemeinsam mit seinen Gründerkollegen Peter Drews und Reiner Wettlaufer gelang es Cramer, durch konsequentes Fokussieren auf Forschung und Entwicklung die SMA von einem kleinen Ingenieurbüro zum global operierenden Technologie- und Marktführer mit mehr als 5.500 Mitarbeitern zu entwickeln.“ – Mit diesen Worten würdigte heute Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Verleihung des Deutschen Umweltpreises 2012 der DBU an den Mitbegründer und Aufsichtsratschef der SMA Solar Technology AG (Kassel), Günther Cramer (59). Von Bundespräsident Joachim Gauck wird Cramer die Auszeichnung am 28. Oktober in Leipzig entgegennehmen. Sein Preisgeld: 250.000 Euro.

Mit "intelligenten" Wechselrichtern Solarstrom optimal in Netze integrieren

Brickwedde betonte, die von Cramer und seinem Team entwickelten Solar-Wechselrichter hätten nicht nur eine einfache Installation, starke Kostensenkung, maximale Wirkungsgrade und einen zuverlässigen Betrieb von Solarstromanlagen möglich gemacht, sondern seien heute die intelligente Zentrale einer Photovoltaik-Anlage, mit der Solarstrom optimal in die Netze integriert werden könne. Mit großem Engagement verfolge Cramer sein Anliegen, die Branche und den Ausbau der Photovoltaik (PV) voranzutreiben. Brickwedde: „Reden und Handeln waren bei ihm nie ein Unterschied: Ob in alltäglichen unternehmerischen Entscheidungen oder mit Blick auf die ökologischen Zukunftsfragen der Welt.“

Weltweit steigt Interesse an der Nutzung von erneuerbaren Energien

Weltweit steige das Interesse an der Nutzung von erneuerbaren Energien wie der Sonnenenergie. In Deutschland liefere die PV an sonnenreichen Tagen bereits mehr als 30 Prozent der Kraftwerksleistung. Dabei spielten Wechselrichter eine zentrale Rolle, so Brickwedde. Sie sorgten dafür, dass der von den Solarmodulen produzierte Gleich- in netzkonformen Wechselstrom umgewandelt werde und müssten heute insbesondere auch die hochkomplexen Aufgaben der Netzintegration von Solarstrom übernehmen. Ziel dieser Entwicklungen sei es, auch große Anteile von Solarstrom über exakte Prognose des zu erwartenden Solarstroms und dezentrale Speicher reibungslos in das Netz einspeisen zu können.

Günther Cramer
Die Vision, erneuerbare Energien in Entwicklungsländern voranzutreiben, nie aus den Augen verloren: Umweltpreisträger Günther Cramer.
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Wechselrichter mit Wirkungsgrad von 99 Prozent weltweit Spitze

Mit dem Entwickeln der Stringtechnik, die 1996 mit den „Sunny-Boy“-Wechselrichtern eingeführt worden sei, habe SMA einen wesentlichen technologischen Beitrag zum Durchbruch der PV geleistet. Jetzt hätten Fachhandwerker erstmalig ihre Anlagen selbst planen können. Mit immer neuen leistungselektronischen Ansätzen habe SMA zudem die Wirkungsgrade der Wechselrichter auf den enormen Wert von 99 Prozent gesteigert. „Vor 30 Jahren hat SMA als Pionier bei den erneuerbaren Energien begonnen. Heute ist das Unternehmen Technologie- und Weltmarktführer unter den Wechselrichterherstellern, mehr als 5.500 Arbeitsplätze sind entstanden. Die innovativen Produkte decken den gesamten Leistungsbereich ab – von kleinen Solarstromanlagen auf Privathäusern bis hin zu Solarkraftwerken von mehreren Megawatt“, betonte Brickwedde.

Enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschung

Cramer habe als Vorreiter im Entwickeln erneuerbarer Energien früh erkannt, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschung technische Innovationen fördere und dabei technologische Höchstleistungen erzielt werden könnten, erklärte Brickwedde. Sein Unternehmen, die SMA, das sich seit 20 Jahren auf die Systemtechnik für PV spezialisiert habe, bewege sich seit dem Entwickeln der Stringwechselrichter „Sunny Boy“ auf der Sonnenseite des Weltmarktes für Solar-Wechselrichter.

Erneuerbare Energien in Entwicklungsländern verbreiten

Cramer habe aber auch nie seine Vision aus den Augen verloren, das Verbreiten erneuerbarer Energien in Entwicklungs- und Schwellenländern voranzutreiben, in denen noch immer über 1,3 Milliarden Menschen keinen Zugang zu elektrischem Strom hätten. Auf der Basis jahrzehntelanger Erfahrungen habe SMA das Batterie-Wechselrichtersystem „Sunny Island“ entwickelt, mit dem ländliche Gegenden modular netzunabhängig mit Strom versorgt werden könnten. An diese Inselnetze könnten etwa Solarstrom-, Windenergie- oder Wasserkraftanlagen angeschlossen werden – je nachdem, welche Energie vor Ort verfügbar sei. In vielen Entwicklungsländern seien bereits tausende von Inselnetzen auf der Basis von Sunny Island-Konzepten verwirklicht worden.

Günther Cramer und Mitarbeiter
Vor der Technikzentrale der Solar-Akademie in Kassel: Umweltpreisträger Günther Cramer (l.) und sein Mitarbeiter Volker Wachenfeld.
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Drei Stiftungen zum Verbreiten PV-basierter dezentraler Inselsysteme

Darüber hinaus hätten SMA-Mitarbeiter im Rahmen von caritativen Projekten wie in Uganda oder Madagaskar PV-Anlagen in Gesundheits- oder Schulzentren installiert und so die Lebensqualität der Einwohner erhöht. 2011 habe Cramer mit den SMA-Mitbegründern Drews und Wettlaufer drei Stiftungen ins Leben gerufen, mit denen sie gemeinsam insbesondere auch Konzepte und Geschäftsmodelle zum Verbreiten von PV-basierten dezentralen Inselsystemen entwickeln und fördern möchten. Zudem setze sich Cramer seit vielen Jahren sehr intensiv dafür ein, die Region Nordhessen zu einem Zentrum für Erneuerbare Energien von nationalem und internationalem Renommee in der Anwendung, Forschung und Entwicklung sowie Produktion auszubauen.

Firmenphilosophie: Mitarbeiterdiskurs und innovative Gebäudetechnik

Als Präsident des Bundesverbandes Solarwirtschaft habe Cramer u.a. auch das Erarbeiten einer PV-Roadmap initiiert und umgesetzt, die eine klare Perspektive für das Entwickeln der PV in Deutschland aufzeige, an der sich die Branche orientieren und die als Basis für eine konstruktive Diskussion mit der Politik habe dienen können. Eine Vorbildfunktion für andere Unternehmen habe Cramer auch wegen seiner mitarbeiterorientierten Firmenphilosophie, ergänzte Brickwedde. Die SMA-Mitarbeiter würden beispielsweise im Rahmen einer kooperativen Unternehmensführung an wesentlichen Informations- und Entscheidungsprozessen sowie finanziell am Unternehmenserfolg beteiligt und kontinuierlich weitergebildet. Außerdem lege Cramer großen Wert darauf, dass zukunftsweisende nachhaltige Energiekonzepte auch in eigenen Gebäuden zum Einsatz kommen. Gesetzt habe er etwa beim Neubau der SMA-Akademie vollständig auf ein Versorgen aus erneuerbaren Energien durch ein völlig netzunabhängiges Inselstromsystem und für die weltweit größte Solarwechselrichter-Fabrik auf eine kohlendioxid-neutrale Energieversorgung und Effizienztechnologie.

"Cramer stellte sein Berufsleben in den Dienst erneuerbarer Energien"

Brickwedde: „Mit all seiner Leidenschaft und der Vision von einer unabhängigen solaren Energieversorgung weltweit stellte Cramer sein Berufsleben in den Dienst erneuerbarer Energien. Mit seiner mitarbeiterorientierten Unternehmensphilosophie, seinem ökologischen und sozialen Engagement in Deutschland und in den Entwicklungsländern ist er ein großes Vorbild für andere Unternehmen.“

O-Ton Günther Cramer - Beispiel einer technischen Innovation
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© Taalke Nieberding
O-Ton Günther Cramer - Einsatz der String-Technologie
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O-Ton Günther Cramer - kooperative Unternehmensführung
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O-Ton Günther Cramer - Verwendung des Preisgeldes
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