Kunststoffe umweltfreundlich verarbeiten - Sprühen ohne Styrol und Lösemittel

Die Lätzsch GmbH Kunststoffverarbeitung hat ein Sprühverfahren für Polyurethan-Kunststoffe entwickelt. Damit ließe sich eines Tages die aufwändige und umweltschädliche Laminierung von glasfaserverstärkten Kunststoffen möglicherweise vollständig ersetzen.

PUR-Sprühen
Über einen Sprühkopf wird schnell härtendes PUR in eine offene Form gesprüht – das Verfahren kommt ohne Styrol und Lösungsmittel aus.

Das Steuerpult für den ICE, das Führerhaus eines „Pistenbullies“ in Tirol und der Kotflügel vom John Deere-Traktor haben eines gemeinsam – sie alle sind Produkte aus dem Hause Lätzsch. Der mittelständische Kunststoffverarbeiter aus Thierbach bei Leipzig hat sich spezialisiert auf die Produktion von Faserverbundkunststoffen für Reisebusse, Schienen- und Nutzfahrzeuge. „Mit dem Verfahren betreten wir technologisches Neuland“, sagt Karl-Heinrich Lätzsch, Geschäftsführer der Lätzsch GmbH. „Industriell wird das bisher nirgendwo angewendet“. Gemeint ist eine innovative Sprühtechnik für Polyurethan-Kunststoffe (PUR). Das Sprühverfahren Multitec® ist eine hocheffiziente und umweltfreundliche Alternative zu glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK) aus styrolhaltigen Polyesterharzen. Die konventionelle Faserverbundtechnik, besonders die Laminierung per Hand, hat erhebliche Nachteile: Die Belastungen von Mensch und Umwelt mit giftigen Styroldämpfen, ein hoher manueller Arbeitsanteil und lange Prozess- und Reaktionszeiten.

Schnell und umweltschonend

Das neue Multitec®-Verfahren kommt ganz ohne Styrol und Lösungsmittel aus. Über einen Sprühkopf wird dabei schnell härtendes, mehrkomponentiges PUR in eine offene Form gesprüht. „Nach drei Minuten können Sie das Teil ausformen. Das härtet sehr schnell aus“, berichtet Lätzsch. „Aufwändiges Entlüften und weitere Nacharbeiten sind nicht mehr nötig.“ Weniger Arbeitsschritte, eine schnelle und einfache Verarbeitung und die flexible Nutzung je nach Anwendungsfall – das sind weitere Pluspunkte.

Erfolgreich in Ost und West

„Wir müssen nach vorne schauen und uns technologisch weiterentwickeln. Dabei unterstützt uns die DBU in hervorragender Weise.“ betont Lätzsch. Zusammen mit seinem Bruder Hans-Joachim hat der gelernte Bauingenieur das Familienunternehmen inzwischen von Vater Manfred Lätzsch übernommen. Der hatte das Geschäft 1954 gegründet und erfolgreich durch unruhige DDR-Zeiten geführt: Nach der Verstaatlichung 1972 „über Nacht“ konnte die Familie Lätzsch ihre Firma 1990 wieder „zurückkaufen“ und neu aufbauen. Heute fertigen 130 Mitarbeiter an drei Standorten Kunststoffprodukte für weltweit agierende Abnehmer.

Karl-Heinrich Lätzsch
Karl-Heinrich Lätzsch, Geschäftsführer der Lätzsch GmbH setzt auf innovative Sprühtechnik.

Arbeitsbedingungen verbessern

Und in der Zukunft setzen die Brüder aus dem Leipziger Süden weiter auf Innovationen wie die neue Sprühtechnologie. Ist das Verfahren erst einmal serientauglich, könne es die GFK-Technik auf lange Sicht vielleicht sogar ersetzen, hofft Karl-Heinrich Lätzsch. Die industrielle Anwendung würde in der Kunststoffindustrie nicht nur für gesündere Arbeitsbedingungen sorgen, sondern auch die Umwelt massiv entlasten. Vorher müssen die Unternehmer aber noch einiges an Entwicklungsarbeit leisten. Ein aktuelles DBU-Vorhaben soll in Zusammenarbeit mit der TU Chemnitz offene Fragen in Bezug auf die Serienfertigung klären und insbesondere Wege aufzeigen, die Eigenschaften der neuen Kunststoffprodukte weiter zu verbessern.

„Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der DBU ist sehr angenehm. Wir fühlen uns gut aufgehoben und bestens betreut. Die Förderung ist flexibel und unternehmensbezogen.“ Karl-Heinrich Lätzsch

Projekttitel
Entwicklung einer lösemittelfreien PU-Mehrkomponenten Sprühtechnologie zur styrolfreien Fertigung von großflächigen Faserverbundstrukturen

Unternehmen
Lätzsch GmbH Kunststoffverarbeitung
IGZ Goldener Born
Rathenaustr. 1
04567 Kitzscher/Thierbach
Telefon (03433) 24540
Fax (03433) 2454100
info@laetzsch.de
www.laetzsch.de

Geschäftsführer
Hans-Joachim Lätzsch, Karl-Heinrich Lätzsch

Kooperationspartner
TU Chemnitz, Institut für Allgemeinen Maschinenbau und Kunststofftechnik

AZ 24730/01- 02