Fachhochschule Aachen
Bayernallee 11
52066 Aachen
Die Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft erfordert Fach- und Führungskräfte, die ökologische, technische, soziale, wirtschaftliche und gestalterische Perspektiven miteinander verbinden können. Hochschulen spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie Studierende darauf vorbereiten, komplexe Nachhaltigkeitsherausforderungen in realen Kontexten zu erkennen, zu bewerten und lösungsorientiert zu bearbeiten.
sustainCREATE setzt genau hier an. Ziel des Projekts ist der Aufbau eines transdisziplinären Lehr- und Lernlabors an der FH Aachen, in dem Nachhaltigkeit als gestaltbarer, bewertbarer und kommunizierbarer Prozess erfahrbar wird. Im Zentrum steht die neue Lehrveranstaltung „Nachhaltigkeitsgarage: Ideen, Prototypen, Impact“, die im ersten Projektabschnitt als fachbereichsübergreifendes Wahlmodul curricular verankert und erstmals durchgeführt wurde.
Studierende der Fachbereiche Gestaltung, Energietechnik sowie Biotechnologie & Chemie arbeiten in interdisziplinären Teams an realen Nachhaltigkeitsherausforderungen. Sie entwickeln Konzepte und Prototypen, reflektieren ökologische, soziale, Governance- und wirtschaftliche Aspekte, beziehen Praxispartner:innen ein und bereiten ihre Ergebnisse für unterschiedliche Zielgruppen auf.
Damit verbindet sustainCREATE Nachhaltigkeitsbildung, Projektarbeit, Gestaltung, technische Bewertung, Kommunikation und Transfer in einem gemeinsamen Lehrformat. Das Projekt leistet zugleich einen Beitrag zur strukturellen Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Hochschullehre.
sustainCREATE ist auf 18 Monate von Januar 2026 bis Juni 2027 angelegt und verbindet zwei Studierendenkohorten, Evaluation, Optimierung und Transfer. Der Aufbau folgt einem Design-Based-Research-Ansatz: Das Lehr-Lern-Format wird entwickelt, in der Praxis erprobt, ausgewertet und anschließend weiterentwickelt. Kreative Lösungsentwicklung, Nachhaltigkeitsbewertung, digitale Unterstützung, Kommunikation und Sustainable Entrepreneurship greifen ineinander.
In AP1 wurden die organisatorischen, curricularen und didaktischen Grundlagen geschaffen. Dazu gehörten die Abstimmung zwischen den beteiligten Fachbereichen, die curriculare Einbindung der Nachhaltigkeitsgarage als Wahlmodul sowie der Aufbau einer digitalen Lehr- und Lernumgebung in ILIAS. Zudem entstanden Lehr- und Arbeitsmaterialien zu Human-Centered Design, Design Thinking, Projektmanagement, Stakeholderanalyse, Nachhaltigkeitsbewertung, Wirkungsmessung, wissenschaftlichem Arbeiten und Kommunikation.
AP2 bildet den ersten Erprobungszyklus. Im Sommersemester 2026 arbeiten 22 Studierende aus Gestaltung, Energietechnik sowie Chemie/Biotechnologie in fünf interdisziplinären Gruppen an realen Nachhaltigkeitsherausforderungen. Die Themen reichen von nachhaltiger Flächen- und Innenhofgestaltung am Gymnasium Zitadelle Jülich über Nachhaltigkeit an der FH Aachen bis hin zu nachhaltiger Lernraumgestaltung. Externe Impulsgeber:innen und Expert:innen begleiten den Prozess durch Rückmeldungen.
Ergänzend wurden zwei Werkzeuge erstellt: Das Sustainability Project Model Canvas strukturiert Projekte entlang von Problemstellung, Stakeholdern, Ressourcen, Umsetzung, Finanzierung und Wirkung. Der Sustainability Thinking KI Tutor unterstützt die Reflexion von Nachhaltigkeitsaspekten, Zielkonflikten, Annahmen und Wirkungen.
In AP3 werden Projektergebnisse, Reflexionsberichte, Peer-Feedbacks und Lehrforschungsdaten ausgewertet. Daraus werden Methoden, Materialien und Unterstützungsformate weiterentwickelt und für den Transfer aufbereitet. Die entstehenden Lehr- und Arbeitsmaterialien werden schrittweise zu einem OER-Toolkit für transdisziplinäre Nachhaltigkeitsbildung gebündelt.
AP4 bildet den zweiten Erprobungs- und Validierungszyklus. Die optimierten Materialien und Methoden werden erneut eingesetzt, Projektideen weiterentwickelt und Nachhaltigkeitswirkungen strukturierter erfasst. Die Ergebnisse fließen in die Verstetigung des Lehrformats, die curriculare Nutzung sowie die weitere OER- und Transferaufbereitung ein.
Zum Stand 30.06.2026 wurden zentrale Grundlagen von sustainCREATE umgesetzt. Die „Nachhaltigkeitsgarage: Ideen, Prototypen, Impact“ wurde als fachbereichsübergreifendes Wahlmodul curricular verankert und erstmals im Sommersemester 2026 durchgeführt. Damit wurde ein wichtiger Schritt erreicht, um transdiziplinäre Projektarbeit als Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung dauerhaft in der regulären Lehre der FH Aachen weiter zu verankern.
Die erste Kohorte umfasst 22 Studierende aus den Fachbereichen Gestaltung, Energietechnik sowie Chemie & Biotechnologie, insgesamt sieben verschiedene Studiengängen und sowohl Bachelor als auch Master Studierende. Diese bearbeiten in fünf interdisziplinären Gruppen an realen Nachhaltigkeitsherausforderungen. Die Projektideen reichen von nachhaltiger Flächen- und Innenhofgestaltung am Gymnasium Zitadelle Jülich über Biodiversität, Aufenthaltsqualität und Nachhaltigkeitskommunikation bis hin zu Nachhaltigkeit an der FH Aachen sowie nachhaltiger Lernraumgestaltung.
Ein wesentliches bisheriges Ergebnis von sustainCREATE ist der Aufbau einer wiederverwendbaren digitalen Lehr- und Lerninfrastruktur. Der ILIAS-Kurs bündelt Kursinformationen, Lehrvideos, Lernmaterialien, Abgabeordner, Peer-Feedback, Lehrforschung, FAQ, Netiquette und ein Supportforum. Ergänzend wurden der Sustainability Thinking KI Tutor und das Sustainability Project Model Canvas erstellt. Beide Instrumente unterstützen Studierende dabei, Projektideen strukturiert zu entwickeln, Stakeholder einzubeziehen, Nachhaltigkeitsaspekte zu reflektieren und Wirkungsperspektiven sichtbar zu machen.
Die Zwischenpräsentationen im Mai 2026 zeigen, dass die Studierenden zentrale Elemente des Formats anwenden: Sie analysieren Problemstellungen, identifizieren Stakeholder, berücksichtigen ökologische, soziale, Governance- und wirtschaftliche Aspekte, nutzen wissenschaftliche und praxisbezogene Quellen und entwickeln erste umsetzungsorientierte Lösungsideen. Die Erfahrungen aus der ersten Durchführung werden im weiteren Projektverlauf ausgewertet und fließen in die Optimierung des Lehrformats, die Weiterentwicklung der Materialien und die Vorbereitung des OER-Toolkits ein.
Ein zentraler Bestandteil der Lehrveranstaltung ist die zielgruppengerechte Kommunikation der Projektergebnisse durch die Studierenden. Im Rahmen der ersten Studierendenrunde bereiten die Gruppen ihre Projektideen daher nicht nur für externe Expert:innen, sondern auch für Schüler:innen auf. Die Posterpräsentation für Schüler:innen der Oberstufe des Gymnasiums Zitadelle Jülich und interessierte Lehrkräfte macht Nachhaltigkeitsfragen, Lösungsansätze und Gestaltungsideen für eine jüngere Zielgruppe sichtbar und stärkt den Austausch zwischen Hochschule und Schule.
Darüber wurde das Projektteam am 15.06.2026 im Rahmen eines Filmprojekts der TH OWL interviewt; die Veröffentlichung des Films steht noch aus.
Für die Abschlusspräsentation der Studierendenergebnisse ist zudem eine Begleitung durch eine Vertretung des Pressestelle der FH Aachen geplant, um sustainCREATE innerhalb und außerhalb der FH Aachen bekannt zu machen. Auch der wissenschaftliche Transfer wurde vorbereitet: Ein Beitrag zur Vorstellung der neuen Lehrveranstaltung wurde für das Symposium „Education for Sustainable Development and the Core Curriculum – Rewriting Learning for an Interconnected World“ im September 2026 in London angenommen.